Schlaganfall

Höheres Risiko für Frauen mit Diabetes

Diabetikerinnen sind offenbar doppelt so stark gefährdet, einen Schlaganfall zu bekommen, als Frauen ohne Diabetes. Und auch im Vergleich zu zuckerkranken Männern ist ihr Risiko deutlich erhöht.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Diabetes scheint bei Frauen zu einem höheren Schlaganfallrisiko zu führen als bei Männern.

Diabetes scheint bei Frauen zu einem höheren Schlaganfallrisiko zu führen als bei Männern.

© Miriam Dörr/fotolia.com

UTRECHT. Ein Diabetes scheint den Herzen von Frauen stärker zu schaden als den von Männern, das ließ sich zumindest in großen Kohortenstudien zeigen.

Ob Ähnliches auch für den Schlaganfall gilt, das wollten Wissenschaftler um Sanne Peters aus Utrecht nun anhand einer großen Metaanalyse herausfinden. Sie werteten schlicht sämtliche Kohortenstudien zu dem Thema aus, die seit 1966 aufgelegt wurden (Lancet 2014; online 7. März).

Insgesamt stießen sie auf 64 Studien, die geschlechtsspezifische Angaben zur Häufigkeit von Diabetes (Typ I und II) und Schlaganfällen (ischämisch und hämorrhagisch) machten. An diesen Studien hatten insgesamt eine dreiviertel Million Menschen teilgenommen, dabei wurden mehr als 12.500 neue Schlaganfälle registriert.

Wie sich herausstellte, erkrankten Frauen nicht nur 27 Prozent häufiger als Männer an Diabetes, die gestörte Blutzuckerregulation ging bei ihnen auch mit einem deutlich höheren Risiko für einen Schlaganfall einher.

Verglichen mit Frauen ohne Diabetes war die Schlaganfallinzidenz in den Studien um den Faktor 2,3 erhöht, bei Männern um das 1,8-fache. Frauen mit Diabetes haben nach diesen Daten ein 32 Prozent höheres Schlaganfallrisiko als Männer mit Diabetes.

Dabei wurden bekannte Risikofaktoren wie Hypertonie, hohe Cholesterinwerte, BMI, Alter und Hüftumfang berücksichtigt. Sie waren bei Frauen mit Diabetes etwas stärker ausgeprägt als bei Männern mit der Erkrankung.

Erklärung nicht einfach

Auch die Adjustierung um zusätzliche vaskuläre Risikofaktoren wie Rauchen, KHK und andere Herzerkrankungen änderte daran nicht viel: Das Schlaganfallrisiko war bei Frauen dann noch immer 27 Prozent höher als bei Männern im vergleichbaren Alter und mit einem vergleichbaren sonstigen kardiovaskulären Risiko.

Eine Erklärung für den "Gender-Gap" ist nicht einfach. Bei den älteren Studien könnte man vielleicht vermuten, dass Frauen mit Diabetes seltener antidiabetisch und zerebroprotektiv mit Blutdruck- und Lipidsenkern behandelt wurden als Männer, allerdings waren hier die geschlechtsspezifischen Unterschiede ähnlich groß wie in den neueren Studien.

Selbst in Studien, in denen Frauen und Männer ähnlich behandelt wurden, blieb das erhöhte Risiko bei Frauen bestehen. Es scheint, als ob ein Diabetes unabhängig von anderen Faktoren bei Frauen zu einem höheren Schlaganfallrisiko führt als bei Männern.

Eine mögliche Erklärung liefern vielleicht Unterschiede bei der Koagulation und Fibrinolyse. Frauen mit Diabetes zeigten hier in Studien oft schlechtere Werte als Männer.

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

GKV-Daten

Typ-2-Diabetes und Depression folgen oft aufeinander

Postoperative Infektionen

Appendektomie: Vorsicht bei systemischen Glukokortikoiden!

Lesetipps
Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium