Adipositas

Höheres Sterberisiko nach Diagnose Darmkrebs

Viel Bauchfett und allgemeine Adipositas vor der Diagnose Darmkrebs erhöhen unabhängig voneinander die krebsspezifische und allgemeine Sterberate - am stärksten aber, wenn beides gemeinsam auftritt.

Veröffentlicht:
Bei Adipositas werden vermehrt Substanzen gebildet, die die Entwicklung von Krebs und die Tumorprogression vorantreiben.

Bei Adipositas werden vermehrt Substanzen gebildet, die die Entwicklung von Krebs und die Tumorprogression vorantreiben.

© Sven Vietense / fotolia.com

ATLANTA. Dass Adipositas das Risiko erhöht, an einem Kolorektalkarzinom zu erkranken, dafür gibt es viele Belege. Weniger deutlich ist der Zusammenhang zwischen Adipositas vor der Diagnose Darmkrebs und den Überlebensraten bei den inzwischen Erkrankten.

Das wurde nun bei fast 4000 Männern und Frauen der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) genauer untersucht, bei denen ein Kolorektalkarzinom zwischen 1992 und 1998 diagnostiziert worden war.

Es handelt sich um eine prospektive Studie, die 1992 startete und in der die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs und anderen chronischen Erkrankungen analysiert werden (Int J Cancer 2014; online 7. April). 23 klinische Zentren in zehn europäischen Ländern mit fast 520.000 Teilnehmern sind beteiligt.

Primärer Endpunkt war die krebsspezifische Sterberate, sekundärer Endpunkt die Sterberate jedweder Ursache. Im Zeitraum von 49 Monaten starben 1309 von 3924 Teilnehmern, davon 1043 (knapp 80 Prozent) an den Folgen eines kolorektalen Karzinoms.

Die anthropometrischen Daten wie BMI, Taillenumfang sowie Taillen-Hüft-Verhältnis waren durchschnittlich 79 Monate vor der Krebsdiagnose erhoben worden. Unabhängig von Lebensstilfaktoren und Erkrankungsstadium waren Adipositas allgemein und Viszeraladipositas signifikant mit einem erhöhten allgemeinen sowie krebsspezifischen Sterberisiko assoziiert.

Wie die US-Wissenschaftler um Dr. Veronika Fedirko aus Atlanta berichten, war einer Multivariatanalyse zufolge ein BMI von mindestens 30 vor der Krebsdiagnose im Vergleich zu einem BMI unter 25 mit einem um 26 Prozent erhöhten krebsspezifischen Sterberisiko assoziiert (Hazard Ratio, HR: 1,26).

Risiko um 32 Prozent erhöht

Das allgemeine Risiko, im Studienzeitraum zu sterben, war sogar um 32 Prozent erhöht (HR: 1,32). Jede Zunahme des BMI um 5 kg/m2 erhöhte das krebsspezifische (HR: 1,10) und allgemeine Sterberisiko (HR: 1,11) signifikant. Das war auch bei der Zunahme des Taillenumfangs um jeweils 10 cm (HR: 1,09 bzw. 1,11) der Fall.

Ähnliche Risikoerhöhungen wurden bei der Betrachtung des Taillen-Hüft-Verhältnisses und des Verhältnisses zwischen Taille und Körpergröße beobachtet, wie die Wissenschaftler berichten.

Die Assoziationen waren bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen und bei Rektalkarzinomen stärker als bei Kolonkarzinomen, unter denen wiederum bei distalem Befall die Assoziation ausgeprägter war als bei proximalem Befall.

Nach Ansicht von Fedirko und ihren Kollegen könnten zu dem erhöhten Sterberisiko bei Adipositas vor der Krebsdiagnose außer einer Insulinresistenz und Hyperinsulinämie indirekt auch die erhöhte Bioverfügbarkeit des IGF-1 (insulin-like growth factor 1) und die vermehrte Synthese von Adipokinen und entzündungsfördernden Zytokinen durch Adipozyten beitragen.

Seit einiger Zeit wird vermutet, dass diese Faktoren die Entwicklung von Krebs und die Tumorprogression vorantreiben. (ple)

Mehr zum Thema

Evaluationsbericht

G-BA: Starke erste Daten zur Darmkrebsvorsorge

Bessere Sensitivität als FIT

Neue Tests spüren Darmkrebs recht präzise auf

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Alexander Baasner und Dr. Stefan Spieren (v.l.) haben die Idee der Digitalen Hausärztlichen Versorgungsassistenten (DIHVA) entwickelt.

© Digitales Facharzt- & Gesundheitszentrum

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Patient bei einer Videosprechstunde mit Ärztin

© AJ_Watt / Getty Images / iStock

Digitale Gesundheitsanwendungen

DiGA oder doch lieber App?