Projekt "PLOBI2go"

Hörtests für Kinder nicht verlässlich

Forscher entwickeln ein neues Testsystem, um Hörstörungen bei Kindern besser zu erkennen.

Veröffentlicht:

OLDENBURG. Bisher wird das Hören bei Kindern bis zum Schuleintritt nur zu zwei Zeitpunkten untersucht – zu selten. Zudem sind die gängigen Methoden nicht geeignet, um die alterstypischen Hörprobleme zu erkennen, teilt die Jade Hochschule mit.

In dem neuen Forschungsprojekt "Perzeption und Lokalisation binauraler Information bei Kindern (PLOBI2go)" entwickeln Wissenschaftler der Jade Hochschule jetzt ein mobiles System, um das Hörvermögen von Kindern verlässlich, kindgerecht und automatisiert zu überprüfen.

Das Screening bei der Vorsorgeuntersuchung U8 ermittelt die Hörschwelle – also die Lautstärke, ab der ein Kind ein sehr leises Geräusch gerade wahrnehmen kann. Ergänzend wäre es jedoch besonders wichtig, die Reife des beidohrigen (binauralen) Hörens zu überprüfen, so die Forscher.

"Das binaurale Hören ist beispielsweise notwendig, um informationstragende akustische Reize von solchen zu trennen, die störend sind", erklärt Katharina Schmidt von der Jade Hochschule.

Zudem sei das Hören mit beiden Ohren Voraussetzung um die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, zu erkennen. Besonders wichtig sei das Richtungshören unter anderem für die Sicherheit im Alltag, weil mögliche Gefahrenquellen beispielsweise im Straßenverkehr besser geortet werden können, sagt Schmidt, die derzeit zu diesem Thema promoviert. "Oder um Gesprächen in einer geräuschvollen Umgebung folgen zu können."

Normalhörigkeit unzureichend definiert

Ein weiterer Kritikpunkt an derzeitigen Hörtests sei die unzureichende Definition von Normalhörigkeit.

Alle Referenzwerte würden sich auf Erwachsene beziehen und auch hier gäbe es viele verschiedene Definitionen. "Es ist methodisch falsch, von "Normalhörigkeit" zu sprechen", sagt Professor Karsten Plotz, Pädaudiologe an der Jade Hochschule.

"Denn erstens ist diese für Erwachsene nicht genau definiert und für Kinder gar nicht. Und zweitens ist das als "normales Hören" bezeichnete Hörvermögen nicht unbedingt ein gesundes oder gutes Hören."

Mit dem neuen System soll nicht die Hörschwelle, sondern im Alltag relevante Hörbereiche untersucht werden. Zudem werden die gängigen Tests bisher mit Kopfhörern durchgeführt – nicht immer erfolgreich, denn nicht alle Kinder mögen Kopfhörer.

Anstatt unter Laborbedingungen sollte das Hören im Freifeld, also unter alltagsnahen Bedingungen, getestet werden. Damit das neue System PLOBI2go in der Praxis oft eingesetzt wird, muss es flexibel und mobil sein.

Es soll auch dort genutzt werden können, wo keine besonderen, schallgedämmten Räume zur Verfügung stehen – zum Beispiel in Kindergärten, Gesundheitsämtern, bei Kinderärzten oder auch in Inklusionsberatungs- oder sozialpädiatrischen Zentren.

"Entsprechend muss die Handhabung angepasst werden, zum Beispiel durch eine kindgerechte, automatisierte und intuitive Bedienungsführung", erklärt Plotz. Gleichzeitig soll eine motivierende, weitgehend selbsterklärende graphische Oberfläche für die Kinder erstellt werden, indem Techniken aus dem Gaming-Bereich genutzt werden. (eb)

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