Hauttransplantation

Hydrokolloid heilt Wunden am schnellsten

Contest der Wundauflagen: Nach einer Spalthautentnahme heilen die Wunden mit Hydrokolloidverbänden am schnellsten, haben niederländische Kollegen herausgefunden. Gazeverbände schafften es nicht auf das Siegerpodest.

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Hydrokolloidverband.

Hydrokolloidverband.

© BVMed-Bilderpool

AMSTERDAM. Zur Behandlung von größeren Hautdefekten nach Verletzungen oder Verbrennungen setzen Chirurgen häufig das Verfahren der Spalthauttransplantation ein.

Dabei werden von einer Spenderstelle - meist ist dies der Oberschenkel - Epidermis und obere Dermisschicht abgetragen und auf die Wunde verpflanzt.

Für die Defektdeckung an der Entnahmestelle werden je nach Klinik ganz verschiedene Materialien eingesetzt: von der klassischen Wundgaze bis hin zu modernen Silikonverbänden oder Hydrofasern.

Ein niederländisches Forscherteam hat jetzt sechs in Praxen und Kliniken gebräuchliche Auflagearten unterschiedlicher Hersteller verglichen: drei Alginatverbände, zwei semipermeable Filmverbände, zwei imprägnierte Gazeauflagen, einen Hydrokolloidverband, einen Hydrofaserverband und einen Silikonverband.

Als primäres Beurteilungskriterium galt die komplette Wundheilung, in dieser Studie relativ streng definiert als vollständige Re-Epithelisierung ohne verbleibenden Schorf (BJS 2013; online 24. Januar).

Dieser Zustand war mit dem Hydrokolloidverband im Mittel um eine ganze Woche früher erreicht als mit einem der anderen Verbände (16 gegenüber 23 Tagen; p < 0,001).

Filmverbände waren mit der geringsten Schmerzhaftigkeit verbunden, der Unterschied zu den anderen Auflagen war jedoch nicht signifikant. Die Schmerzen hielten sich bei allen Teilnehmern in Grenzen (im Schnitt 0,4 auf einer Zehn-Zentimeter-VAS-Skala).

Kein Kostenvergleich

279 von 289 Patienten beendeten das zwölfwöchige Follow-up. Bei 37 Patienten entschied man sich während der Behandlung für eine andere Auflagenart, hauptsächlich wegen mangelnder Vertrautheit mit dem Produkt, aber auch weil der Patient ein anderes Material bevorzugte.

In sechs Fällen war eine Infektion der Grund für den Umstieg, dies betraf vor allem die Gruppe mit dem Filmverband (fünf Fälle).

Auffallend waren die relativ hohen Infektionsraten, trotz antibiotischer Therapie, bei Verwendung der feuchten Gazeverbände: Hier kam es im Vergleich zu allen anderen Auflagearten zu doppelt so vielen Wundinfektionen (18 gegenüber 7,6 Prozent).

Filmverbände und auch Hydrofasern blieben, jeweils für sich genommen, allerdings nur wenig hinter dieser Rate zurück (16 beziehungsweise 15 Prozent).

Im Hinblick auf die Narbenbildung waren die Ärzte mit allen Verbandarten etwa gleich zufrieden, nicht aber die Patienten: Letztere beurteilten das mit semipermeablem Filmverband erzielte Ergebnis als deutlich schlechter; der Beurteilungszeitraum war mit drei Monaten allerdings relativ knapp bemessen. Als Maßstab galt der POSAS-Score (Patient and Observer Scar Assessment Scale).

Was die Studie nicht liefern konnte, war ein Kostenvergleich. Hydrokolloidverbände sind vergleichsweise teuer und der Kostenaspekt spielt grundsätzlich eine wichtige Rolle bei der Auswahl der Wundauflage.

Die Studienautoren sehen hier jedoch eine gewisse Kompensation durch die geringe Zahl der erforderlichen Verbandswechsel beim Hydrokolloidverband (einmal pro Woche). (EO)

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