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Blutzucker

Hypoglykämien als Wegbereiter für Arrhythmien?

Hypoglykämien scheinen Patienten mit Typ-2-Diabetes anfälliger für die Entwicklung von Arrhythmien zu machen. Darauf deutet eine neue Studie. Vor allem nächtliche Unterzuckerungen scheinen ein Problem zu sein.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Analyse der EKG-Aufzeichnung: Eine These bei Hypoglykämien lautet, dass dabei proarrhythmogene Effekte im Spiel sein könnten.

Analyse der EKG-Aufzeichnung: Eine These bei Hypoglykämien lautet, dass dabei proarrhythmogene Effekte im Spiel sein könnten.

© Purestock/Thinkstock

SHEFFIELD. Der Versuch, in großen Studien wie ACCORD und VADT durch intensive Blutzuckersenkung kardiovaskulären Erkrankungen noch besser vorzubeugen, war bekanntlich nicht von Erfolg gekrönt. In ACCORD selbst kam es unter dieser Therapie sogar zu einem Anstieg der kardiovaskulären Mortalität.

Nicht überraschend ging die aggressive Blutzuckersenkung auch mit einer Zunahme schwerer Hypoglykämien einher. Deshalb kam der Verdacht auf, dass negative Folgen von Hypoglykämien die erhoffte Wirkung der intensiven Blutzuckersenkung verhindert haben könnten.

Tatsächlich war in Post-hoc-Analysen das Auftreten von schweren Unterzuckerungen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert. Noch ist allerdings nicht definitiv geklärt, ob Hypoglykämien ursächlich das Risiko erhöhen oder nur ein Indikator für eine erhöhte Gefährdungetwa von multimorbiden Patienten sind.

Unklar ist auch, über welche Mechanismen Hypoglykämien kardiovaskulären Ereignissen wie dem Herztod Vorschub leisten könnten. Eine These lautet, dass dabei proarrhythmogene Effekte im Spiel sein könnten.

Anhaltspunkte dafür liefert jetzt die Studie einer Gruppe britischer Forscher um Dr. Elaine Chow aus Sheffield (Diabetes 2014; 63: 1738). Beteiligt daran waren 25 mit Insulin behandelte Typ-2-Diabetiker, bei denen bereits eine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung oder zumindest entsprechende Risikofaktoren bestanden.

Bei ihnen wurden Herzaktivität und Glukosekonzentration per ambulantem Langzeit-EKG und kontinuierlichem Glukosemonitoring simultan jeweils über fünf Tage überwacht. Die gesamte Aufzeichnungsdauer betrug 1457 Stunden, von denen 134 in Hypoglykämie, 65 in Hyperglykämie und 1258 in Normoglykämie verbracht wurden.

Beobachtet wurde, dass nächtliche Hypoglykämien, nicht jedoch Unterzuckerungen am Tag, im Vergleich zur Phase der Normoglykämie mit einer signifikanten Zunahme von Bradykardien und atrialen Extrasystolen assoziiert waren. Fast alle registrierten Hypoglykämie-Episoden waren asymptomatisch.

Einige Patienten entwickelten während der Unterzuckerung Anzeichen für eine gestörte Repolarisation (Verlängerung des QT-Intervalls) und eine Abflachung der T-Welle als mögliches Ischämiezeichen.

Die Zunahme von Bradykardien überrascht. Denn die physiologische Gegenregulation bei Hypoglykämie mit Aktivierung des sympathikoadrenergen Systems lässt eher an eine Zunahme von Tachykardien denken. Die spekulative Erklärung der Autoren: Nach der Gegenregulation durch den Sympathikus könnte es zu einer kompensatorischen überschießenden vagalen Aktivierung kommen.

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