IQWiG: Nutzen normnaher Blutzuckersenkung unklar

Zentrale Fragen bei der Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes seien in Studien nicht geklärt, kritisiert das IQWiG.

Veröffentlicht:

KÖLN (eb). Für den jetzt vorgelegten Bericht im Auftrag des GBA hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht, ob eine Therapiestrategie, bei der nahezu normale Blutzuckerwerte angestrebt werden, tatsächlich das Risiko für Diabetes-Folgekomplikationen vermindert.

Dazu wurden randomisierte kontrollierte Studien gesucht, die zwei Strategien bei Typ-2-Diabetes miteinander verglichen: In einer Gruppe sollten langfristig normnahe Blutzucker-Werte angestrebt werden.

In der Vergleichsgruppe sollte es diese Absicht nicht oder nicht in gleichem Maße gegeben haben. Sieben Studien mit 28.000 Patienten wurden in die Bewertung einbezogen, so das IQWiG. Vier Studien aus den 1960er bis 1990er, die übrigen aus der Zeit nach 2000.

Kaum Unterschiede bei den maßgeblichen Endpunkten

Ergebnis: Insgesamt hätten die Forscher bei maßgeblichen Aspekten der Therapie keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden - weder zur Gesamtsterblichkeit noch zu tödlichen Herzinfarkten, (tödlichen und nichttödlichen) Schlaganfällen, zu Niereninsuffizienz (und ihren Vorstufen), Amputationen oder Vorstufen der Erblindung.

Bei den Zielgrößen Lebensqualität und Erblindung habe es nicht genügend Daten gegeben, so das IQWiG.

Nur beim Endpunkt nichttödliche Herzinfarkte habe das Institut in den Studien Hinweise darauf gefunden, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer normnahen Blutzuckersenkung einen Vorteil hatten.

Häufiger Unterzuckerungen

Gleichzeitig gebe es aber auch Hinweise, dass schwere Unterzuckerungen sowie andere schwerwiegende Ereignisse dabei zum Teil deutlich häufiger auftraten als bei einer weniger intensiven Blutzuckersenkung.

Das IQWiG merkt an, dass sich in der Gesamtschau die Ergebnisse des aktuellen Berichts mit denen von Übersichtsarbeiten und Metaanalysen anderer Wissenschaftler in jüngerer Zeit deckten.

Man wisse also relativ wenig über Vor- und Nachteile von Therapiestrategien bei Typ-2-Diabetes, kommentiert IQWiG-Leiter Professor Jürgen Windeler den aktuellen Bericht.

 www.iqwig.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vergleich mit konservativer Therapie

Hyperparathyreoidismus: Operation kann vor Diabetes schützen

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Vorbereitung für die Obduktion eines Leichnams.

© sudok1 / stock.adobe.com

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt