Bremen

Immer mehr Klinikinfektionen

Die Zahl der Infektionen in Bremer Krankenhäusern steigt deutlich, wie die hkk berichtet. Hygiene funktioniert am besten, wenn Ärzte und Pflegekräfte kooperieren, betont ein Experte.

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Händedesinfektion ist in Klinik und Praxis das A und O. Trotzdem gibt es hier immer wieder Defizite mit fatalen Folgen.

Händedesinfektion ist in Klinik und Praxis das A und O. Trotzdem gibt es hier immer wieder Defizite mit fatalen Folgen.

© Peter Atkins / fotolia.com

BREMEN. Ohne eine konzertierte Aktion wird man nie etwas Wirkungsvolles gegen Keiminfektionen und -Besiedelungen im Krankenhaus unternehmen können. So kommentiert Dr. Bernhard Braun vom Bremer Institut für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG) die Zahlen des aktuellen Gesundheitsreports.

Danach stieg der Anteil der in Krankenhäusern Bremens und dem Umland behandelten hkk-Versicherten zwischen 2007 und 2011, die dort eine Infektion erlitten, von 3,1 auf 6,3 Prozent, so die Kasse.

Betrachtet man nur die Zahl der MRE-Infektionen, so wurden diese im Jahr 2007 bei 271 Klinikpatienten nachgewiesen. 2011 waren es bereits 619 Patienten.

 Damit hat sich auch der Anteil der MRE-Infektionen bei allen Krankenhauspatienten in fünf Jahren von 0,465 auf 0,941 Prozent mehr als verdoppelt. Der Anteil der MRSA-Infektionen stieg von 0,299 auf 0,526 Prozent. Zu 65,6 Prozent handelte es sich dabei um MRSA-Infektionen, die ohne Krankheitssymptome verliefen.

Betroffen waren vorwiegend ältere Menschen: 49 Prozent aller MRE-infizierten Krankenhauspatienten waren 70 bis 89 Jahre alt, teilt die Kasse mit. Die Folgekosten sind erheblich. Sie entstehen durch längere Liegezeiten, Personal- und Sachkosten für qualifiziertes Hygienepersonal, Isolier- und Sanierungsmaßnahmen sowie benötigte Schutzkleidung.

Hygienekultur müsse sich verbessern

Überraschenderweise sei der Anteil an Komplexbehandlungen an allen MRE-Fällen im Untersuchungszeitraum von 58 auf rund 42 Prozent, beziehungsweise bei MRSA-Infektionen von 73 auf 58 Prozent zurückgegangen.

Braun: "Entweder hat die Schwere der Fälle abgenommen, so dass aufwendige Maßnahmen aus Sicht der Krankenhäuser nicht notwendig sind. Oder viele Krankenhäuser sind weder personell noch baulich und infrastrukturell in der Lage, derartige Leistungen zu erbringen."

Auch wenn die absolute Zahl nachgewiesener MRE-Fälle vergleichsweise gering sei, brauche es eine bessere Hygienekultur im Gesundheitswesen. Man müsse an vielen Schrauben gleichzeitig drehen, meint Braun.

"Zum Beispiel funktioniert bessere Hygiene nur da, wo die Kooperation zwischen Ärzten und Pflegenden auch sehr gut ist." Am Klinikum Oldenburg funktioniere das so gut, weil der Hygieniker zugleich Chefarzt ist", sagt Braun.

Strukturiertes Konzept gefordert

Er fordert ein ganzes Maßnahmenbündel, das ein Komplettscreening in Risikobereichen, die Quarantäne des Patienten bis zum Negativergebnis, die systematische Präsenz von infektionsmedizinischen Experten sowie eine rigorose Politik zur Vermeidung nicht notwendiger Antibiotika-Verordnungen im ambulanten Bereich umfasst.

"Erste Ansätze lassen sich zwar schon erkennen. Was wir jedoch brauchen, ist ein strukturiertes Konzept, in das Experten aus der Pflege, der Medizin, der Biologie, den Krankenhäusern und der fleischproduzierenden Landwirtschaft einbezogen werden", erklärt Braun. "Wenn das Konzept greift, dann gehen die Effekte auch über eine bessere Hygiene hinaus."

Ein erster Schritt sei das Hygiene-Förderprogramm mit einem finanziellen Umfang von bis zu 350 Millionen Euro für die Jahre 2013 bis 2016, das im Rahmen des Entlastungspakets für Krankenhäuser geplant ist, so die hkk. (cben)

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