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Vitien

Immer mehr Säuglinge überleben

Die Sterblichkeit von Kindern mit angeborenen Herzfehlern ist weiter gesunken. Bei Säuglingen ist sie seit 1990 sogar um 71 Prozent zurückgegangen. Grund dafür sind medizinische und technische Fortschritte.

Von Ulrike Fortmüller Veröffentlicht:

BERLIN. Angeborene Herzfehler sind die häufigste angeborene Fehlbildung überhaupt. Denn jedes hundertste Baby in Deutschland kommt mit einem Herzfehler zur Welt, das sind über 6500 Kinder im Jahr.

Hospitalisiert werden deshalb überwiegend Neugeborene und Kinder im ersten Lebensjahr, erklärte Professor Brigitte Stiller, Kinderkardiologin in Freiburg-Bad Krozingen und 1. Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) bei der Vorstellung des Deutschen Herzberichts 2015 in Berlin.

Der Rückgang der Sterblichkeit bei angeborenen Herzfehlern ist im Vergleich zu Sterbeziffern bei anderen Herzproblemen prozentual der höchste. Denn die Sterbeziffer sank in den vergangenen 24 Jahren von 1,5 auf 0,5 und liegt jetzt für Jungen bei 0,7 und für Mädchen bei 0,5.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes starben 2013 von 21.396 stationären Fällen 491 der Betroffenen (2 Prozent), das waren 60 Prozent weniger als 1990, in der Gruppe der Säuglinge waren es sogar 71 Prozent weniger.

Grund für die niedrigeren Sterberaten sind in erster Linie auch die bessere Bildgebung (Echo, CRT, CT), schonendere Op-Verfahren, verbesserte Intensivmedizin, schonende Hybrideingriffe und innovative Herzkatheterinterventionen.

Zum Beispiel sind mittlerweile miniaturisierte 4-French-Kathetersysteme und mitwachsende Stents verfügbar. Die Zahl der Herzkatheterinterventionen steigt und die Zeiten an der Herz-Lungen-Maschine werden kürzer.

Auch die gute Versorgungsstruktur in von Bedeutung: Es gibt in Deutschland 30 Kinderherzzentren, die invasive Behandlungen durchführen, 67 Kinderkliniken mit 77 Kinderkardiologen stehen für konservative Eingriffe und Langzeitbehandlungen zur Verfügung und 171 niedergelassene Kinderkardiologen arbeiten in eigenen Praxen.

2014 fanden bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern in spezialisierten Kliniken 8565 Herzkatheteruntersuchungen (davon 60 Prozent mit Intervention) statt.

Die Operationszahl betrug 7923, darunter waren 5779 kardiale Eingriffen, von denen 82 Prozent mit Herz-Lungen-Maschine erfolgten, die anderen betrafen meist große Gefäße.

Weil sich die Lebenserwartung der Kinder stark verbessert hat, gibt es immer mehr Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH), nämlich etwa 200.000.

Zur Zeit können diese Patienten 15 überregionale EMAH-Zentren und 284 zertifizierte Ärzte aufsuchen. Stiller sieht in den nächsten Jahren bei der Verbesserung der Versorgungssituation aber noch Handlungsbedarf.

Wichtig wird künftig für die Kinderkardiologie auch sein, ein Pulsoxyscreening bei Neugeborenen zu etablieren, die Qualitätssicherung der Eingriffe durch den GBA, mehr Arzneimittelstudien und Zulassungen für Medikamente - über die Hälfte der bei Kindern eingesetzten Herzmedikamente sind dafür nicht zugelassen -, freie Arztwahl für EMAH-Patienten und genügend spezialisiertes Pflegepersonal, erklärte Stiller.

Der Herzbericht 2015 ist als PDF kostenfrei unter www.herzstiftung.de/herzbericht erhältlich. Ein gedrucktes Exemplar kann angefordert werden bei: Deutsche Herzstiftung, 069 955128-400

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