Immer mehr psychische Erkrankungen im Job

Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen ist in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen. Vor allem Menschen in Gesundheitsdienstberufen fehlten häufiger aufgrund einer psychischen Erkrankung.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Fertig: Die Zahl psychischer Erkankungen nimmt zu.

Fertig: Die Zahl psychischer Erkankungen nimmt zu.

© Diego Cervo / shutterstock.com

BERLIN. Der Stress am Arbeitsplatz nimmt zu - mit dramatischen Folgen für das Gesundheitssystem: Immer mehr Menschen werden aufgrund der Belastung am Arbeitsplatz psychisch krank.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Demnach stiegen in den vergangenen Jahren die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) aufgrund psychischer Erkrankungen von 33,6 Millionen im Jahr 2001 auf 53,5 Millionen im Jahr 2010.

Im gleichen Zeitraum sanken allerdings die AU-Tage insgesamt: 2001 waren es 508,6 Millionen, im Jahr 2010 nur noch 408,9 Millionen.

Frauen häufiger betroffen

Frauen fehlen der Antwort der Bundesregierung zufolge häufiger als Männer aufgrund psychischer Erkrankungen. Zudem seien Berufstätige ab 45 Jahren häufiger betroffen als jüngere Kollegen.

Als Gründe für die Zunahme nennt die Bundesregierung den Wandel in der Arbeitswelt: fortlaufende Beschleunigung, steigende Anforderungen, erhöhte Eigenverantwortung. Vor allem Gesundheitsberufe sind von dem zunehmenden Stress betroffen.

Diese Berufsgruppe habe besonders "deutlich erhöhte Durchschnittszahlen bei den AU-Tagen (246,8 Tage je 100 Versicherte), heißt in der Antwort. Nur bei den Sozial- und Erziehungsberufen sind es noch mehr (298,8 Tage je 100 Versicherte).

Linken-Politikerin Jutta Krellmann forderte die Bundesregierung auf, schnell Konsequenzen aus den Zahlen zu ziehen: "Arbeitsstress macht die Beschäftigten krank. Burn-out wird zur neuen Volkskrankheit." Das habe vor allem Folgen für die Kosten im Gesundheitssystem.

Laut Statistischem Bundesamt betrugen die Kosten für Behandlung, Prävention und Rehabilitation von psychisch Kranken 28,6 Milliarden Euro (elf Prozent der Gesamtkosten).

Mehr Therapiesitze für Psychologische Psychotherapeuten gefordert

Das Bundesarbeitsministerium sieht sich der Antwort zufolge nicht in der Pflicht, jetzt zu handeln. Es stünden bereits "wirkungsvolle Instrumente zur Verfügung", die flächendeckend genutzt werden müssten. Als Beispiel wurde die Unfallverhütungsvorschrift "Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit" genannt.

Der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) geht das nicht weit genug. Sie forderte mehr Therapiesitze für Psychologische Psychotherapeuten. Nur so könnten die langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz verringert werden, sagt Dieter Best, Bundesvorsitzender der DPtV.

Der GKV-Spitzenverband wies diese Forderung zurück: Wir haben in Deutschland für die gesetzlich Versicherten eine sehr gute psychotherapeutische Versorgung, die weltweit keinen Vergleich scheuen muss", sagte Florian Lanz, Sprecher des Verbandes.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Handeln statt zuschauen

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