Direkt zum Inhaltsbereich

Rheumapatienten

Impfstatus bei vielen unzureichend

Allenfalls jeder vierte RA-Patient ist optimal geimpft. Dabei sind praktisch alle Impfungen bei diesen Patienten sicher und effektiv. Auch Lebendvakzinen wie die Zosterimpfung können unter bestimmten Umständen eingesetzt werden.

Veröffentlicht:

ROM. Professor Dimitrios Vassilopoulos von der Abteilung für Rheumatologie der Universität Athen berichtete beim EULAR 2015 von den Ergebnissen der internationalen COMORA-Studie.

Sie hat bei über 4500 Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) aus 17 Ländern, darunter Deutschland, die Häufigkeit und das Management von Komorbiditäten untersucht (Ann Rheum Dis 2014; 73(1):62-8).

Ein wichtiger Punkt dabei waren die Impfungen, denn RA-Patienten sind eine Risikogruppe für Infektionen aller Art: "Die Studie zeigt, dass nur 25 Prozent der Patienten im Jahr vor der Befragung eine Grippeimpfung erhalten hatten, und nur bei 17 Prozent war in den fünf Jahren vor der Befragung eine Pneumokokkenimpfung erfolgt", so Vassilopoulos. Einen adäquaten Impfstatus hinsichtlich sowohl Grippe als auch Pneumokokken hatten lediglich zehn Prozent der Patienten.

Diese Quoten hätten sich zwischen den einzelnen Ländern nicht ausgeprägt unterschieden, betonte der Rheumatologe. Es bestehe bei der Infektionsprävention von Rheumapatienten weltweit ein enormer Nachholbedarf, zumal es bei den Influenza- und Pneumokokkenimpfungen keine RA-spezifischen Kontraindikationen gebe.

Bei der Anwendung der Pneumokokkenimpfung ist zu beachten, dass es sich bei Vorliegen einer RA um eine Indikationsimpfung handelt. Die Impfung sollte deswegen anders als bei der Standardimpfung alle fünf Jahre aufgefrischt werden.

"Die erste Impfung erfolgt dabei mit dem 13-valenten Konjugatimpfstoff, die Folgenimpfungen mit dem Polysaccharidimpfstoff", so Vassilopoulos. Das entspricht auch den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

Zehnmal höheres Zosterrisiko

Etwas andere Überlegungen gelten bei der Impfung gegen Herpes zoster. Auch sie ist für RA-Patienten jenseits des 50. Lebensjahrs hoch relevant. Denn aus noch nicht ganz geklärten Gründen sei das Zosterrisiko bei RA fast zehnmal höher als in der Allgemeinbevölkerung, sagte der Experte.

Was die immunologische Effektivität angeht, gibt es keinerlei Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne rheumatische Erkrankungen. Zu beachten ist aber, dass es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, der im Idealfall vor Beginn der antirheumatischen Therapie eingesetzt werden sollte.

Auch unter Therapie sei eine Impfung allerdings möglich, sofern nur konventionelle synthetische krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs) eingesetzt werden.

Nicht geimpft werden sollte bei laufender Biologika-Therapie, bei hoch dosierter Behandlung mit Glukokortikosteroiden und bei Patienten mit niedriger CD4-Zellzahl.

Wird versehentlich unter Biologikatherapie geimpft, ist das in der Regel kein Drama. Vassilopoulos erinnerte an eine große US-Kohorte aus dem Jahr 2012, in der bei 633 Patienten, die unter Biologika-Therapie geimpft wurden, in den sechs Wochen nach der Impfung kein einziger Fall von Herpes zoster auftrat (JAMA 2012; 308(1):43-9). (gvg)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel

Gelenkersatz

Studie bestätigt lange Haltbarkeit moderner Hüft-TEP

Behandlungsstrategie

Das richtige Vorgehen bei Großgefäßvaskulitiden

Das könnte Sie auch interessieren
Woman with diabetes standing on top of the hill and looking at camera

© Getty Images

Impflücken bei Chronikern

Grippeimpfung bei Diabetes: Risiko für Folgen senken

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Die vergessene Reiseimpfung

© Milo Zanecchia | Getty Images

Impfen in der Praxis

Die vergessene Reiseimpfung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praxisinventar

So lassen sich Praxen ihre Therapieliege fördern

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Wie Sie Patienten mit seltenen Erkrankungen früher erkennen

Lesetipps
Die erwachsene Tochter zeigt ihrer älteren Mutter, wie man Healthtech-Geräte wie eine Smartwatch mit mobiler App nutzt, um zu Hause Gesundheit, Herzfrequenz und Blutdruck zu überwachen.

© CandyRetriever / stock.adobe.com

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falsche Sicherheit wiegt

Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?