Infektionsprophylaxe

Impfungen in der Hämatoonkologie

Bei Tumorerkrankungen ist das Risiko oft höher, dass Infektionskrankheiten einen schwereren Verlauf nehmen. Daher sollten Betroffene, wenn eine Schutzimpfung möglich ist, auch adäquat geimpft sein.

Von Christina T. Rieger Veröffentlicht:
Zur umfassenden Betreuung hämatoonkologischer Patienten gehört auch die Infektionsprophylaxe durch Impfungen.

Zur umfassenden Betreuung hämatoonkologischer Patienten gehört auch die Infektionsprophylaxe durch Impfungen.

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

Patient*innen mit Krebserkrankungen erleiden häufig schwere Verläufe impfpräventabler Erkrankungen. Daher ist es wichtig, bei Krebskranken einen umfangreichen Impfschutz anzustreben [1].

Allgemeine Empfehlungen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts hat 2020 aktuelle Leitlinien zur Impfung von Patient*innen mit Immunsuppression bzw. Tumorerkrankungen herausgegeben [2].

Grundsätzlich gilt, dass Totimpfstoffe jederzeit auch bei Krebspatient*innen gegeben werden können. Der Impferfolg hängt von der individuellen Situation und dem Grad der Immunsuppression der Betroffenen ab. Außer nach kürzlich erfolgter B-Zell-Depletion – zum Beispiel durch eine erfolgte Anti-CD-20-Antikörper-Therapie innerhalb der letzten sechs Monate – kann mit einer Antikörperbildung nach Impfungen gerechnet werden.

Wichtigste Impfungen für Patient*innen mit Krebserkrankungen sind:

Saisonale Influenzaimpfung [3]

Pneumokokkenimpfung (für bisher Ungeimpfe als sequenzielle Impfung mit PCV[„pneumococcal conjugate vaccine“]13 gefolgt von PPSV23[„23-valent pneumococcal polysaccharide vaccine“]; sonst ggf. Auffrischung mit PPSV23 erwägen) [4]

Kombinationsimpfung gegen Diphtherie/Tetanus/Keuchhusten [2]

Impfung gegen Varizella-zoster-Virus

Seit dem Jahr 2019 wird für Patient*innen mit Tumorerkrankungen auch eine inaktivierte Impfung gegen das Varizella-zoster-Virus (VZV) empfohlen. Sowohl für Patient*innen mit hämatologischen Neoplasien nach autologer Stammzelltransplantation als auch für jene mit soliden Tumorerkrankungen soll diese Impfung zur Verhinderung einer Zoster-Reaktivierung eingesetzt werden. Die Impfung ist für alle Betroffenen jenseits des 50. Lebensjahres empfohlen [5].

Vorsicht und Kontraindikationen

Im Gegensatz zu den oben genannten „Positivempfehlungen“, sollten bestimmte Impfungen nicht während einer Tumortherapie durchgeführt werden: Lebendimpfstoffe (z.B. Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) sollten nicht während einer zytoreduktiven Therapie gegeben werden. Frühestens sechs Monate nach Ende der Tumortherapie bzw. einer immunsupprimierenden Behandlung können diese Impfungen verabreicht werden. Für Patient*innen mit unklarem Remissionsstatus und möglicher erneuter Immunsuppression sollte individuell abgewogen werden, ob die Impfung sicher vorgenommen werden kann.

Zusammenfassung

Tumorpatient*innen können von Impfungen stark profitieren. Die Überprüfung und gegebenenfalls Aktualisierung des Impfstatus ist daher eine essenzielle supportive Maßnahme, die Morbidität und Mortalität der Betroffenen reduzieren kann.

Quelle: Gekürzter Beitrag aus „InFo Hämatologie + Onkologie“ 2021; 24 (3) von Prof. Dr. Christina T. Rieger, Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie; Hämatologie Onkologie Germering & Tumorzentrum München

Die Autorin leitet die Projektgruppe „Supportive Maßnahmen in der Hämatologie & Onkologie“ am Tumorzentrum München.

Hinweis: Auch die Impfung gegen COVID-19 ist für hämatologisch-onkologische Patient*innen empfohlen. Da hier Vieles im Fluss ist, wurde dieser Teil aus der ursprünglichen Fassung des Textes gekürzt. Infos zur COVID-19-Impfung bietet die Homepage des Robert Koch-Instituts.

Literatur:

1. Ehl S et al. Impfen bei Immundefizienz: Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (II) Impfen bei 1. Primären Immundefekterkrankungen und 2. HIV-Infektion. Bundesgesundheitsblatt 2018; 61(8): 1034-1051

2. Laws HJ et al. Impfen bei Immundefizienz: Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (III) Impfen bei hämatologischen und onkologischen Erkrankungen (antineoplastische Therapie, Stammzelltransplantation), Organtransplantation und Asplenie. Bundesgesundheitsblatt 2020; 63(5): 588-644

3. Rieger et al. Anti-infective vaccination strategies in patients with hematologic malignancies or solid tumors-Guideline of the Infectious Diseases Working Party (AGIHO) of the German Society for Hematology and Medical Oncology (DGHO). Ann Oncol. 2018; 29(6): 1354-1365

4. Bonten et al. Polysaccharide conjugate vaccine against pneumococcal pneumonia in adults. N Engl J Med 2015; 372(12): 1114-1125

5. Bastida et al. Effect of Recombinant Zoster Vaccine on Incidence of Herpes Zoster After Autologous Stem Cell Transplantation: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2019; 322(2): 123-133

Lesen sie auch
Mehr zum Thema

Vorbereitung auf den Herbst

NRW fährt bei Corona-Impfungen weiter zweigleisig

Corona-Impfstoff-Herstellung

CureVac verklagt BioNTech

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Dr. Claudia Vollbracht

© [M] Privat; Christoph Burgstedt / Getty Images / iStock

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Appell zur adjuvanten Vitamin-C-Therapie bei Krebs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Nach ersten Kassen-Daten zu den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung waren COVID-19-Patienten, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, anschließend durchschnittlich 190 Tage lang krankgeschrieben.

© © nmann77 / Fotolia

Neue Studie der Techniker

Erst Corona, dann Long-COVID, anschließend lange AU