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Anders als in Deutschland werden in Österreich seit 2006 für alle Säuglinge Rotavirus-Impfungen empfohlen. Der Schutz ist für die Eltern kostenlos.

Von Werner Stingl

Inzwischen werden in dem Alpenland etwa 70 Prozent der Säuglinge geimpft. In Folge der Impfungen ist die Rotavirus-bedingte Hospitalisierungsrate in Österreich deutlich gesunken.

Auch in Industrieländern mit hohen Hygienestandards kommt kein Kind an wiederholten Rotavirusinfektionen vorbei, sagte Professor Herwig Kollaritsch von der Abteilung für spezielle Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien.

Im Gegensatz zu Ländern mit mangelhafter medizinischer Versorgung sind hierzulande zwar Todesfälle infolge einer Rotavirus-Gastroenteritis sehr selten. Dennoch dürfe die Infektion nicht als Befindlichkeitsstörung bagatellisiert werden, sagte der Infektiologe auf einer Pressekonferenz des Unternehmens GlaxoSmithKline in München.

Nach Aufzeichnungen seines Instituts, die in den 90er Jahren begonnen wurden, seien in Österreich vor Einführung der Impfung jedes Jahr etwa 5000 Kinder mit schweren Rotavirus-Infektionen stationär behandelt worden, und zwar im Mittel etwa eine Woche. 70 Prozent der Betroffenen waren keine zwei Jahre alt, so der Infektiologe. Die Rate Rotavirus-bedingter Klinik-Einweisungen betrug in diesem Alter etwa 3000/100 000 Kinder pro Jahr. In Deutschland wird von etwa 400 000 Rotavirus-Erkrankungen und 20 000 stationären Therapien ausgegangen.

Die Schluckimpfung gegen Rotaviren schützt vor schweren Gastroenteritiden durch die Erreger.

Die Schluckimpfung gegen Rotaviren schützt vor schweren Gastroenteritiden durch die Erreger.

© Foto: GlaxoSmithKline

Inzwischen würden in Österreich etwa 70 Prozent aller Säuglinge ab der sechsten Lebenswoche geimpft. Bereits im ersten Halbjahr 2008 sei bei den bis 24 Monate alten Kindern die Zahl der Rotavirus-bedingten Hospitalisierungen um 45 Prozent gesunken, bei den Kindern im Alter bis 12 Monate sogar um mehr als zwei Drittel.

Für die Schluckimpfung sind je nach Impfstoff drei Dosen (Rotateq®) oder zwei Dosen (Rotarix®) nötig, und zwar ab der sechsten Lebenswoche im Abstand von jeweils mindestens vier Wochen. Der Impfstoff sei gut verträglich. Darm-Invaginationen - ein Problem eines früheren Impfstoffs - seien mit Einführung der Impfung in Österreich tendenziell sogar zurückgegangen. Kollaritsch hofft, dass die Impfrate von Säuglingen in seinem Heimatland weiter steigt. Dies um so mehr, als die Impfung nach Berechnungen in Österreich mehr Geld spart als sie kostet.

Rotavirus-Serogruppen

Rotaviren sind sehr ansteckend und umweltresistent. Hauptsymptome einer Rotavirus-Erkrankung sind Durchfall, Erbrechen und Fieber. Hinzu kommt häufig eine Exsikkose, zusätzlich können Atemwege und ZNS beteiligt sein, etwa durch Krampfanfälle. Die Viren werden in sieben Gruppen (A bis G) eingeteilt. Die bedeutendsten humanpathogenen Rotaviren gehören zur Gruppe A. Sie haben zwei Strukturproteine, die den Serotyp definieren. Die Serotypen G1, G2, G3 verursachen etwa 98 der Rotavirus-Gastroenteritiden bei Kindern in Deutschland und Europa. (eb)

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