Fluglärm

Infarkte in der Einflugschneise

Dröhnende Turbinen im Minutentakt: Anwohner von großen Flughäfen kennen die lauten Nebenwirkungen des Luftverkehrs. Eine Studie aus London zeigt jetzt erneut: Fluglärm kann krankmachen - gerade in der Einflugschneiße.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Die Königin der Lüfte: Eine 747 startet in Frankfurt in den Abendhimmel.

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© Daniel Reinhardt / dpa

LONDON. Anwohner in der Nähe von Flughäfen beklagen seit jeher, dass der Lärm sie krank mache. Ein britisches Forscherteam hat jetzt für den Londoner Flughafen Heathrow einen linearen Zusammenhang zwischen dem Krach und der Gefahr für Herz und Gefäße festgestellt (BMJ 2013, online ; 347: f5432).

Die meisten aussagekräftigen Studien, in denen die Auswirkungen von Fluglärm auf Anwohner untersucht wurden, beschäftigten sich bislang mit dem Hypertonierisiko, zum Beispiel auch die Mainzer Fluglärmstudie.

Die Dilatation der A. brachialis - ein Maß für die Stickstoffmonoxid-Freisetzung aus dem Endothel - nahm abhängig vom Lärmpegel ab. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Probanden, die zuerst 30-mal und in der folgenden Versuchsnacht 60-mal Fluglärm-Episoden ausgesetzt worden waren.

Ein britisches Forscherteam nutzte jetzt die Daten von rund 3,6 Millionen Einwohnern aus zwölf Gemeinden und neun Distrikten westlich von London, die dauerhaft dem Fluglärm von London Heathrow Airport ausgesetzt waren.

Die Wissenschaftler analysierten in unterschiedlich lärmbelasteten Gegenden die Zahl der Klinikeinweisungen wegen Herz- und Gefäßerkrankungen sowie das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko. Maximal 2 Prozent der Studienbevölkerung lebte in Gebieten mit dem höchsten Fluglärmpegel (tags über 63 Dezibel, nachts über 55 Dezibel )

Öfter in die Klinik, höhere Mortalität

Es zeigte sich ein signifikanter linearer Zusammenhang zwischen dem Lärm bei Tag und Nacht und der Zahl der stationären Behandlungen wegen Herz- und Gefäßerkrankungen.

Der Vergleich zwischen Gebieten mit dem stärksten Fluglärm am Tag und den am geringsten belasteten Landstrichen (. 63 Dezibel versus = 51 Dezibel) machte die Gefahr für die Bewohner der lauten Gegenden deutlich: relatives Risiko 1,24 für eine Klinikeinweisung wegen Schlaganfall, 1,21 wegen KHK und 1,14 wegen kardiovaskulärer Erkrankung.

Ähnliche Zusammenhänge zeigten sich bei den Mortalitätsraten (Schlaganfall 1,21, KHK 1,15 und kardiovaskuläre Erkrankung 1,16.). Bei der Berechnung wurden Variable wie Alter, Geschlecht, Ethnie, Rauchen, Luftverschmutzung und Straßenlärm berücksichtigt.

Das Fazit der Autoren lautet: Fluglärm kann neuroendokrine Systeme aktivieren, sodass die Herzfrequenz und der Blutdruck ansteigen und vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden. Solche Mechanismen könnten die Basis für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bilden, insbesondere dann, wenn die Lärmbelastung permanent vorhanden ist.

Dass die Zahl der Hypertoniker mit steigenden Lärmpegeln wächst, wurde bereits in mehreren Studien gezeigt.

Bevor allerdings kausale Schlüsse gezogen werden können, schreiben die Autoren, müssen die gesundheitlichen Auswirkungen des Fluglärms am Tag und in der Nacht in weiteren Studien untersucht werden. Denn neben diesen direkten Zusammenhängen seien weitere Einflussfaktoren möglich.

Dennoch sollten politische Entscheidungen zum Bau und Ausbau von Flughäfen nach Ansicht der Autoren neben wirtschaftlichen Vorteilen auch Gefahren für die Gesundheit der Anwohner berücksichtigen.

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