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Kontaktlinsen

Infektionen mit Akanthamöben oft mit Herpes verwechselt

Um eine Akanthamöbenkeratitis, vor allem bei Kontaktlinsenträgern, nicht zu übersehen, raten Experten: Bei einer unklaren Keratitis sollten sich behandelnde Ärzte rechtzeitig an eine kompetente universitäre Einrichtung wenden.

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BERLIN. Schätzungsweise 200 Kontaktlinsenträger erleiden in Deutschland jedes Jahr eine gefährliche Keratitis, die durch Akanthamöben verursacht wird.

Besonders gefährdet sind Kontaktlinsenträger, die ihre Sehhilfen nicht ausreichend reinigen oder dafür Leitungswasser benutzen.

In zwei Drittel der Fälle verkennen Augenärzte die Ursache für die Akanthamöben-Infektion, die schwer zu diagnostizieren ist und bis zur Erblindung führen kann.

Bei einer unklaren Keratitis sollten sich behandelnde Ärzte daher rechtzeitig an eine kompetente universitäre Einrichtung wenden, rät die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Wie man Akanthamöben sicher erkennt, diskutieren Experten auf dem DOG-Kongress in Berlin, wie die Gesellschaft mitteilt.

Kontaktlinsenträger besonders anfällig für Infektion

In Deutschland tragen 3,4 Millionen Menschen Kontaktlinsen. Sie sind besonders anfällig für Hornhautentzündungen, die meist von Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht werden.

Schätzungsweise 4000 Kontaktlinsenträger erleiden jedes Jahr eine solche Keratitis. In etwa fünf Prozent der Fälle handelt es sich um eine Akanthamöben-Infektion.

Die Einzeller kommen in der Erde, im Leitungswasser und in Klimaanlagen vor und können in die Hornhaut des Auges eindringen, sich dort einnisten und gefährliche Entzündungen hervorrufen. "90 Prozent der Infizierten sind Kontaktlinsenträger", wird Professor Dr. Berthold Seitz, Präsident der DOG, in der Mitteilung zitiert. Experten gehen daher von bis zu 200 Akanthamöbenkeratitiden pro Jahr bei Kontaktlinsenträgern in Deutschland aus.

Das Krankheitsbild bereitet Ärzten oft Schwierigkeiten. "Selbst für Experten ist die Akanthamöbenkeratitis schwer zu diagnostizieren", so Seitz.

Der Direktor der Universitätsaugenklinik Homburg/Saar hat als Sprecher der Sektion DOG-Kornea im Jahr 2011 das Deutsche Akanthamöbenkeratitis-Register initiiert, das bundesweit Fälle sammelt. Bisher sind 130 Patienten gemeldet worden. "Bei zwei Dritteln wurde zunächst eine falsche Diagnose gestellt", berichtet Seitz.

"Meist liegt eine Verwechslung mit einer Herpesvirus-Infektion vor." Für den sicheren Nachweis einer Akanthamöbenkeratitis muss eine Gewebeprobe ins Speziallabor geschickt werden. Bis zur korrekten Diagnosestellung vergehen häufig Wochen oder Monate.

Das Problem: Je länger die Krankheit unbehandelt fortschreitet, desto gefährlicher ist sie für den Patienten - bereits nach drei Wochen drohen bleibende Sehbeeinträchtigungen, später sogar die Erblindung.

"Wir raten Augenärzten daher, sich bei unklaren Hornhautentzündungen an eine kompetente universitäre Einrichtung zu wenden", so Seitz. Dies könne der Fall sein etwa bei einer sich sehr langsam entwickelnden Hornhautentzündung, die nicht auf eine antibakterielle oder antivirale Therapie anspricht.

Typisch sind Schmerzen, die aber oft erst nach vier bis fünf Wochen einsetzen, wenn die Nerven mitbetroffen sind.

Oft hilft Kombitherapie mit drei Arzneien

Ist die Ursache erkannt, hilft häufig eine Kombi-Therapie mit drei Medikamenten. Allerdings kann die Behandlung selbst bei frühzeitiger Diagnose bis zu einem Jahr dauern.

"Als wirkungsvoll hat sich eine Art Schocktherapie erwiesen, bei der sich die Patienten zunächst Tag und Nacht viertelstündlich Medikamente ins Auge tropfen", erklärt Seitz. Schlägt die medikamentöse Therapie nicht an, bleibt die Möglichkeit einer Kältetherapie oder einer Hornhauttransplantation.

Häufigste Ursache für eine Akanthamöbenkeratitis sind weiche Kontaktlinsen, die zu lange benutzt werden. Auch das Tragen von Kontaktlinsen beim Baden, mangelhafte Hygiene und das Reinigen mit Leitungswasser erhöhen das Infektionsrisiko.

"Kontaktlinsen rechtzeitig austauschen und nur mit empfohlenen Reinigungsmitteln streng nach Gebrauchsanleitung säubern", rät Seitz. (eb)

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