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Jeder Dritte mit Restless Legs braucht Therapie

BRÜSSEL (nsi). Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist zu einem großen Teil genetisch bedingt: Etwa bei der Hälfte der Patienten gibt es eine familiäre Disposition. Inzwischen haben Forscher einige der Gene aufgespürt, die RLS mitverursachen. Bei RLS-Patienten mit einem genetischen Einfluß ist eine konsequente Therapie nötig, sonst verstärken sich die Symptome mit der Zeit.

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Die Unsicherheit, ob RLS ein eigenes Krankheitsbild darstellt, ist vorbei, seit valide Daten über die Häufigkeit von RLS vorliegen und genetische Dispositionen entdeckt worden sind. Gelungen war das Forschern unter Federführung von Privatdozentin Juliane Winkelmann vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Sie hatten im Juli diesen Jahres drei Gene gefunden, bei denen bestimmte Varianten mit einem erhöhten RLS-Risiko einhergehen. Beim Europäischen Neurologen-Kongress in Brüssel berichtete Winkelmann von einem weiteren Genort, der mit RLS assoziiert ist.

Unklar ist, welche genaue Funktion diese Gene bei Erwachsenen haben. Offenbar beeinflussen sie die Bildung des Neurotransmitters Dopamin. "Eine familiäre Disposition findet sich bei gut der Hälfte der RLS-Patienten", sagte Winkelmann auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim. Die Ausprägung der Krankheit und der Zeitpunkt der Manifestation hängen aber nicht nur von Zahl und Art der genetischen Merkmale ab, die RLS begünstigen. Auch andere, krankheitsfördernde Faktoren wie Schwangerschaft, Anämie, Eisenmangel oder Nierenerkrankungen sind bedeutsam.

Dieses Zusammenspiel zwischen genetischen und anderen Risikofaktoren wird zunehmend als krankheitsauslösend betrachtet. Daher lassen sich idiopatisches (primäres) RLS und sekundäre Formen, bei denen RLS Folge von Eisenmangel oder Nierenversagen ist, oft nicht klar voneinander abgrenzen. "Es gibt Dialysepatienten, bei denen RLS nach der Nierentransplantation verschwindet. Aber solche klar abgrenzbaren sekundären Formen von RLS sind selten", sagte Privatdozent Klaus Berger aus Münster zur "Ärzte Zeitung".

Die primären mittelschweren und schweren Formen von RLS bilden sich ohne Therapie selten zurück. Stattdessen verstärken sich eher über die Jahre. Typisch für schwerere Verläufe sind periodische Beinbewegungen in der Nacht, die 40 bis 100 Mal pro Stunde einsetzen. Etwa die Hälfte der RLS-Patienten hat mindestens einmal pro Woche Symptome, etwa ein Drittel der RLS-Kranken bedarf einer Therapie. Wann die Indikation gegeben ist, hängt vom Leidensdruck der Patienten ab.

Mittel der Wahl sind dopaminerge Arzneien. So ist der Dopamin-Agonist Pramipexol (Sifrol®) seit vergangenem Jahr außer bei Parkinson auch bei mittelschwerem bis schwerem RLS zugelassen. Pramipexol wird einmal täglich zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen. In Studien mit über 1000 Patienten ließ sich die Zahl der periodischen Beinbewegungen im Schlaf signifikant reduzieren.



STICHWORT

RLS-Prävalenz

Etwa sieben Prozent der Bevölkerung haben ein idiopathisches RLS, neun Prozent der Frauen und 5,4 Prozent der Männer (Arch Intern Med 165, 2005, 1286). Bei knapp drei Prozent der Bevölkerung sind die Beschwerden so stark, dass eine Therapie nötig ist. Die Prävalenz des idiopathischen RLS beträgt bei 18- bis 24-Jährigen unter zwei Prozent, bei 55- bis 65-Jährigen etwa zehn Prozent. (awa/mut)

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