Umfrage zeigt

Jeder dritte Krebspatient braucht seelische Hilfe

Ein Drittel aller Tumorpatienten hat psychische Probleme, wie eine Umfrage mit mehr als 4000 Krebskranken in Deutschland ergeben hat. Betroffene brauchen Hilfe, die von Informationen und Beratung bis hin zu Psychotherapie reichen kann.

Veröffentlicht:
Infusion: Besonders viele Brustkrebspatientinnen leiden unter den psychischen Belastungen.

Infusion: Besonders viele Brustkrebspatientinnen leiden unter den psychischen Belastungen.

© Mathias Ernert, NTC Heidelberg

HAMBURG/LEIPZIG. Angst, Anpassungsschwierigkeiten und Depressivität: Das sind die drei häufigsten psychischen Probleme, mit denen Krebspatienten zu kämpfen haben.

Jeder Dritte ist davon betroffen, wie die Deutsche Krebshilfe mitteilt. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler, die bundesweit mehr als 4000 Patienten zwischen 18 und 75 Jahren zum Thema befragt haben (Journal of Clinical Oncology 2014; online 6. Oktober).

Die psychologische Betreuung von Krebspatienten hat sich zu einem wichtigen Therapiezweig entwickelt: Viele Betroffene leiden unter Ängsten, Hilflosigkeit und Kontrollverlust. Im schlimmsten Fall kann sich eine nicht behandelte psychische Störung negativ auf den Erfolg der medizinischen Therapie auswirken.

Großes Spektrum von Belastungen

"Durchschnittlich 32 Prozent aller von uns im Rahmen von klinischen Interviews befragten Krebspatienten benötigten psychoonkologische Hilfe", erläutert Professor Anja Mehnert von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Leipzig.

"Etwa sechs Prozent der Befragten litten unter zwei verschiedenen Störungen, während bei eineinhalb Prozent der Teilnehmer sogar drei oder mehr Störungen diagnostiziert wurden", so die Studienkoordinatorin.

Das Spektrum der psychischen Belastungen von Krebspatienten ist groß. Häufigste Begleiter einer Krebserkrankung sind Angststörungen: Angst vor der Krankheit, vor der Therapie, vor der Möglichkeit des Sterbens. Jeder siebte Studienteilnehmer litt darunter.

Fast jeder neunte Betroffene hatte mit Anpassungsstörungen - also mit Schwierigkeiten, sich an die neue Lebenssituation anzupassen - zu kämpfen. Am dritthäufigsten waren depressive Störungen, jeder fünfzehnte Patient war davon betroffen.

Auch somatoforme Erkrankungen ausgelöst durch den Stress der Erkrankung, Substanzmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit gehörten zum Spektrum der psychischen Störungen.

Tumorart spielt wichtige Rolle

Besonders gefährdet waren Betroffene mit Brustkrebs, Malignem Melanom oder einem Tumor des Kopf- oder Halsbereiches: 42 Prozent aller Brustkrebs-Patientinnen benötigten psychoonkologische Hilfe, bei Kopf- oder Halstumoren waren es 41 Prozent, bei Hautkrebs 39 Prozent. Patienten mit Pankreaskarzinom (20 Prozent), Magen- oder Ösophaguskarzinom (21 Prozent) und Prostatakrebs (22 Prozent) waren vergleichsweise weniger häufig betroffen.

"Die Krebsart, an welcher der Betroffene erkrankt ist, spielt eine wichtige Rolle nicht nur bei der medizinischen Therapie, sondern auch bei der psychoonkologischen Behandlung. Auch viele andere Faktoren, wie etwa Alter oder soziales Umfeld müssen berücksichtigt werden", so Professor Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und Leiter der Studie.

"Daher benötigt jeder Patient auch auf seelischer Ebene eine auf ihn maßgeschneiderte Behandlung, die entsprechend der S3-Leitlinie Psychosoziale Onkologie von Information über Beratung bis hin zur Psychotherapie reichen kann."

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: "Die psychoonkologische Betreuung ist für die Deutsche Krebshilfe ein elementarer Bestandteil einer adäquaten onkologischen Versorgung.

Für eine bedarfsgerechte Versorgung fehlen hierzulande allerdings immer noch die notwendigen Versorgungsstrukturen und deren Finanzierung. Nach wie vor sind hier Gesundheitspolitik und Kostenträger gefordert."

Die Deutsche Krebshilfe hat die Studie mit 648.000 Euro gefördert. (eb)

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