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Jod schützt vor Struma, aber nicht vor Knoten

WIESBADEN (hbr/gwa). Was bringt eigentlich eine optimale Jodversorgung mittel- und langfristig? Gibt es nur positive Effekte auf die Schilddrüse? Wird es keine Strumen oder Knoten mehr geben? Antworten auf solche Fragen hat Professor Karl-Michael Derwahl von der Humboldt-Universität in Berlin bei dem Wiesbadener Schilddrüsen-Symposium gegeben.

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Welche Joddosis täglich optimal ist, hängt unter anderem vom Lebensalter eines Menschen ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung setzt als Tagesbedarf im ersten Lebensjahr 50 bis 80 µg Jodid an, danach 100 bis 140 µg, und bei Kindern ab zehn Jahren sowie Erwachsenen 180 bis 200 µg, so Derwahl auf der vom Unternehmen Merck KGaA ausgerichteten Veranstaltung.

Bekannt ist: Bei optimaler Versorgung, etwa durch verbreiteten Einsatz von Jodsalz oder Jodidprophylaxe, bilden sich bei Kindern und Jugendlichen bereits vorhandene Strumen zurück, oder sie entstehen erst gar nicht. Das wurde etwa in österreichischen und deutschen Studien belegt, berichtete Derwahl.

Aber was ist mit Schilddrüsenknoten? Die Bildung von Schilddrüsenknoten kann durch Jod nicht verhindert werden, denn ihre Entstehung ist unter anderem durch das Lebensalter und eine Veranlagung zur Knotenbildung bedingt. Knoten werden also auch bei optimaler Jodversorgung der Bevölkerung weiter häufig sein. Aber die Knoten sind kleiner und entstehen später als in Jodmangel-Gebieten.

Ein weiterer positiver Effekt einer guten Jodversorgung: Die Häufigkeit von Hyperthyreosen, die durch Autonomien, meist autonome Knoten, verursacht werden, nimmt nach einem vorübergehenden Anstieg signifikant ab, wie Derwahl berichtet hat.

In der Schweiz etwa sank mit besserer Jodversorgung die Häufigkeit autonomer Adenome zwischen 1976 und 1991 von 41 auf 17 Prozent.

Jod triggert allerdings bei genetischer Disposition die Bildung von Autoantikörpern und die Entstehung von Immun-Thyreoitiden, wie etwa in Österreich festgestellt worden ist. Bei guter Jodversorgung haben also mehr Menschen eine Basedow- und Hashimoto-Thyreoiditis als in Jodmangel-Gebieten.

Aber: Bei den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen hat Jod einen positiven Effekt: Verhindert werden die Karzinome zwar nicht, aber das Verhältnis von prognostisch günstigen papillären zu prognostisch ungünstigen follikulären Karzinomen wird zugunsten der günstigen Form beeinflußt. In Polen etwa betrug 1986 das Verhältnis der beiden Karzinomformen ungefähr eins zu eins, nach verbesserter Jodversorgung der Bevölkerung überwog 2001 die prognostisch günstigere papilläre Form mit fünf zu eins.



STICHWORT

Jodversorgung

Deutschland gehört zu den jodärmsten Ländern Europas. Nach der letzten Eiszeit wuschen die Wassermassen der abschmelzenden Gletscher das Element aus dem Boden. Die WHO empfiehlt 150 µg Jod pro Tag für Erwachsene; in Deutschland werden täglich nur zwischen 30 bis 70 µg aufgenommen. Bei einer optimalen Jodversorgung sollte die durchschnittliche Jodausscheidung im Urin über 10 µg /dl Urin liegen. (gwa)

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