Direkt zum Inhaltsbereich

Vier Preise im DKFZ

Junge Krebsforscher ausgezeichnet

Im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) wurde der Richtzenhain- und der Lewenz-Preis an vier Nachwuchswissenschaftler vergeben.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Gleich vier Nachwuchswissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) durften sich über Auszeichnungen freuen: Dr. Irène Baccelli und Dr. Dominik Sturm teilten sich den Richtzenhain-Preis und damit ein Preisgeld von 4500 Euro.

Baccelli erhielt zudem die Hälfte des mit 7500 Euro dotierten Lewenz-Preises. Über die andere Hälfte freuten sich Natalie Jäger und Dr. David Jones. Die Preisverleihung fand im DKFZ statt.

Viel gefährlicher als ein Tumor sind meist von ihm ausgehende Metastasen. Baccelli gelang erstmals der Nachweis, dass Metastasen aus bestimmten stammzellartigen Tumorzellen entstehen können, die über das Blut zu anderen Organen gelangen.

Sie entdeckte außerdem mehrere Oberflächenmoleküle, die auf metastasenbildenden Tumorstammzellen vermehrt zu finden sind. Mit Hilfe dieser Moleküle können Forscher möglicherweise Tests zum Nachweis der metastasenbildenden Tumorstammzellen oder neue Medikamente entwickeln.

Die Wissenschaftlerin studierte in Paris und promovierte bei Professor Andreas Trumpp im Heidelberger Stammzellinstitut HI-STEM, einer gemeinsamen Einrichtung des DKFZ und der Dietmar Hopp Stiftung. Aktuell forscht Baccelli an der Universität von Montreal in Kanada.

Ein weiteres potenzielles Zielmolekül für zukünftige Krebstherapien entdeckte der Mediziner Dominik Sturm während seiner Doktorarbeit. Es handelt sich um ein Enzym, das die Krebszellen möglicherweise vor dem Zelltod schützt und in gefährlichen kindlichen Hirntumoren übermäßig aktiv ist.

Sturm studierte Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und an der Universität Heidelberg. Seit 2011 arbeitet er als Wissenschaftler in der Abteilung für Pädiatrische Neuroonkologie von Professor Stefan Pfister am DKFZ und seit 2013 als Arzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg.

Stillgelegtes X-Chromosom anfällig für Veränderungen

Mit Hilfe moderner Technik ist es heute möglich, das gesamte Erbgut einer Zelle zu entschlüsseln. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, die entstehende Datenflut auszuwerten. Natalie Jäger untersuchte das Erbgut von über 400 Tumorproben verschiedener Krebsarten auf Veränderungen.

Sie stellte fest, dass ausgerechnet das in weiblichen Zellen stillgelegte zweite X-Chromosom dafür besonders anfällig ist. David Jones spezialisierte sich auf kindliche Hirntumoren und entdeckte, dass mehrere Erbgutveränderungen bei verschiedenen Patienten an immer den gleichen Genen auftreten.

Diese Gene kommen als Angriffsziele für neue Medikamente in Frage. Für ihre Arbeiten erhielten Jäger und Jones die zweite Hälfte des Lewenz-Preises und damit jeweils 1875 Euro. Jäger studierte Bioinformatik an der Goethe-Universität Frankfurt und erhielt anschließend ein einjähriges Forschungs-Stipendium an der Harvard University in Cambridge, USA.

Seit 2010 ist sie Doktorandin in der Abteilung Theoretische Bioinformatik bei Professor Roland Eils am DKFZ. Ihr Kollege Jones studierte und promovierte mit dem Schwerpunkt Genetik an der Universität Cambridge, Großbritannien. 2010 kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Stefan Pfister ans DKFZ nach Heidelberg.

Der Walther und Christine Richtzenhain-Preis wird jährlich durch die Stiftung des Neurologen Walther Richtzenhain und seiner Frau über das DKFZ verliehen. In diesem Jahr war der Preis innerhalb Heidelbergs ausgeschrieben.

Er richtet sich an Nachwuchswissenschaftler, die sich durch wegweisende Arbeiten auf dem Gebiet der translationalen Krebsforschung hervortun. Der Waltraut-Lewenz-Preis geht auf die gleichnamige Gymnasiallehrerin für Chemie und Mathematik in Wiesbaden zurück.

Sie starb 1999 im Alter von 58 Jahren an Krebs. Der Preis ist Teil ihres Nachlasses und wird alle zwei Jahre für herausragende Wissenschaft am DKFZ mit den Schwerpunkten "Krebsrisikofaktoren und -prävention" sowie "Diagnostik und experimentelle Therapie" vergeben. (eb)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Komplementärmedizin

Gefährdet Alternativmedizin das Überleben bei Brustkrebs?

Immuncheckpointhemmer plus Neoantigentherapie

mRNA-Impfung bei Melanomen: Vorboten eines neuen Standards?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Immuncheckpointhemmer plus Neoantigentherapie

mRNA-Impfung bei Melanomen: Vorboten eines neuen Standards?

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?

Lesetipps
Etwa jede zehnte Fledermaus in Deutschland könne mit dem Tollwut-Virus infiziert sein. Damit ist die gefahr der Übertragung zwar gering, jedoch nicht null. In die Hand nehmen sollte man sie deshalb nicht.

© Daria / Stock.adobe.com

Importhunde und Fledermäuse

Tollwut-Risiken in Deutschland – und wie sie sich vermeiden lassen

Füße mit Lymphödem

© [M]_Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Ödem ist nicht gleich Ödem

Lymphödem versus Lipödem: Tipps für Diagnostik und Therapie