Potenzieller Wirkstoff

K22 könnte MERS und SARS hemmen

Während das MERS-Coronavirus in Saudi-Arabien weiter für Todesfälle sorgt, ist Forschern ein kleiner Durchbruch gelungen: Sie haben einen potenziellen Wirkstoff gegen diese Viren entdeckt.

Veröffentlicht:
Coronavirus: Laut Forschern könnte K22 die Replikation hemmen.

Coronavirus: Laut Forschern könnte K22 die Replikation hemmen.

© HPA / AP Photo / dpa

BERN. Eine neue Substanz hat möglicherweise das Potenzial für einen Wirkstoff gegen zahlreiche Coronaviren - unter anderem das derzeit im Nahen Osten grassierende MERS-CoV, aber auch das SARS-Virus. Die Rede ist von K22, der als Replikaseinhibitor die Vermehrung der Viren in den Zellen verhindern kann.

K22 auf die Schliche gekommen ist ein europäisches Forscherteam unter Federführung der Virologen Volker Thiel aus Bern und Edward Trybala aus Göteborg. Sie haben K22 aus einer Kollektion von fast 17.000 Wirkstoffen als möglichen Inhibitor für Coronaviren identifiziert (PLoS Pathog 10(5): e1004166).

In ihren Versuchen zeigte sich K22 als wirksam. Entscheidender Angriffspunkt ist die Membranbildung der Viren in der Wirtszelle. Nicht wenige Viren bilden zur Replikation innerhalb des Zellplasmas neue Kompartimente. Die Forscher sprechen im Fall von Coronaviren von "Doppelmembranvesikeln" (DMV), die direkt nach dem Eintritt in die Zelle gebildet werden.

In diesen subzellulären Strukturen, auch "Viroplasma" genannt, können die Viren die Konzentration der benötigten Replikaseproteine erhöhen, was zu einer gesteigerten Replikation führen kann. Außerdem schützen sich die Viren mit den intrazellulären Membranen vor den Abwehrmechanismen des Wirtsorganismus.

K22 kann diesen Replikase-Mechanismus offenbar an dem entscheidenden Protein Nsp6 stoppen. In ihren Versuchen fanden die Forscher nach einer Behandlung der Zellen mit K22 keinerlei DMV-Cluster mehr. Die Viren waren offenbar nicht mehr in der Lage, ihre "Virusfabriken" zu bauen.

In weiteren Versuchen fanden die Forscher eine ähnliche Wirkung nicht nur bei Coronaviren, darunter MERS und SARS, sondern auch bei anderen Viren, deren Replikation membrangebunden ist. Die Vermutung der Experten: K22 könnte eine potenzielle Substanz für eine neue Wirkstoffklasse gegen zahlreiche Virusinfektionen sein.

Allerdings: Die jetzigen Ergebnisse sind schlicht ein kleiner erster Schritt etwa im Kampf gegen die derzeitige MERS-CoV-Epidemie im Nahen Osten. Bevor K22 überhaupt eine Chance auf einen klinischen Einsatz erhält, müssen bekanntlich zahlreiche weitere Untersuchungen, Tests und Studien folgen. (nös)

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Strenge Regelungen

Blick über den Tellerrand: Japan ist konservativ beim Impfen

Postoperative Infektionen

Appendektomie: Vorsicht bei systemischen Glukokortikoiden!

Landtag von Rheinland-Pfalz

Corona-Einschränkungen: Gesundheitsausschuss in Mainz hört Fachleute

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Lesetipps
Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium

Die Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie war in einer aktuellen Studie die häufigste Pilzerkrankung bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

© Dr_Microbe / Stock.adobe.com

Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie

Pilzsepsis gibt es auch bei Rheuma