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Koffeinexperiment

Kaffee offenbar harmlos für Herzpatienten

Kaffee ist schlecht fürs Herz – diese These schauten sich brasilianische Forscher genauer an. Ihre Erkenntnis: Auch fünf Tassen Kaffee brachten das Herz von Herzinsuffizienz-Patienten nicht aus dem Takt.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Brasilianische Studie: Kaffee bringt das Herz nicht zum Springen.

Brasilianische Studie: Kaffee bringt das Herz nicht zum Springen.

© Okea / iStock / Thinkstock

PORTO ALEGRE. Dass zu viel Kaffee die Pumpe flattern lässt, ist eine Auffassung, die sich trotz vieler gegenteiliger Studien hartnäckig hält. Selbst Patienten mit hohem Arrhythmierisiko müssen nach ein paar Tassen des Gebräus nicht unbedingt damit rechnen, den plötzlichen Herztod zu sterben.

Allenfalls unter extremen Umständen und außergewöhnlich hohen Mengen ließ sich für Koffein in Untersuchungen ein arrhythmogenes Potenzial nachweisen, berichten Ärzte um Dr. Priccila Zuchinali vom Hospital de Clínicas de Porto Alegre.

Allerdings sind viele solcher Untersuchungen schon recht alt, wurden mit wenigen Patienten, einmaligen Koffeindosen und unverblindet vorgenommen. So richtig verlassen sollte man sich auf die Resultate also eher nicht, schreiben die brasilianischen Kardiologen.

Verändert Kaffee das EKG?

Sie schauten daher lieber selbst einmal, ob sich das EKG bei Risikopatienten nach reichlichem Koffeingenuss verändert. Für ihre Studie konnten sie 51 Herzinsuffizienzpatienten mit vorwiegend moderater bis schwerer linksventrikulärer Dysfunktion begeistern.

Die linksventrikuläre Auswurffraktion lag bei 29%, knapp zwei Drittel trugen einen implantierten Kardioverter-Defibrillator, im Mittel waren sie rund 60 Jahre alt. Die Patienten durften keine Antiarrhythmika benötigen und auch in den zwei Monaten vor Studienbeginn keine Herzrhythmusprobleme gehabt haben.

Kaffee mit Koffeinkapseln

Eine Woche vor Studienbeginn sollten die Teilnehmer auf koffeinhaltige Getränke verzichten. Am Studientag bekamen die Patienten fünf Tassen entkoffeinierten Kaffee im Abstand von je einer Stunde. Zu jeder Tasse gab es eine Kapsel mit 100 mg Koffein (25 Patienten) oder Placebo (Laktosepulver, 26 Patienten). Die Koffeindosis entspricht etwa der von einer Tasse Kaffee.

Die Teilnehmer wurden kontinuierlich per EKG überwacht. Zudem entnahmen die Ärzte Blutproben, um die Koffeinplasmaspiegel zu bestimmen. Eine Stunde nach dem letzten Kaffee erfolgte ein Belastungs-EKG. Zu diesem Zeitpunkt wurde der höchste Koffeinplasmaspiegel erwartet.

Nach einer Woche wiederholten die Forscher das Experiment; dieses Mal bekamen die vormaligen Placebopatienten den Kaffee mit Koffein und die anderen das Laktosepulver.

Im Median lag der Plasmawert in den Placebogruppen tatsächlich bei 0 und in den Koffeingruppen bei knapp 10 mg/l.

Keine signifikanten Unterschiede

Bei der Schlussauswertung fanden die Ärzte im EKG jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen Placebo- und Koffeinbehandlung: Im Median wurden unter Koffein 185 ventrikuläre Extrasystolen beobachtet, 239 waren es unter Placebo, und mit beiden Behandlungen kam es im Median zu jeweils sechs supraventrikulären Extrasystolen. Eine nicht anhaltende Kammertachykardie fanden die Ärzte bei 19 Patienten unter Koffein und 16 unter Placebo, auch hier war die mediane Zahl der Episoden nicht unterschiedlich.

Schauten sich die Ärzte die Patienten mit den höchsten Koffeinwerten an, fanden sie nicht mehr Extrasystolen und Episoden von Herzrasen als bei solchen unter Placebo.

Auch beim Belastungs-EKG wurden die Kardiologen nicht fündig: Weder kam es unter Koffein vermehrt zu Extrasystolen, noch erhöhte sich die Pulsfrequenz stärker als mit Placebo. Lediglich ein etwas erhöhter Blutdruck fiel unter Koffein auf.

Letztlich, so die Studienautoren, lassen sich zumindest keine kurzfristig schädlichen Wirkungen von Koffein auf die Herzfrequenz nachweisen. Bislang gebe es also weiterhin keine Evidenz, wonach ein moderater Kaffeekonsum Patienten mit Herzinsuffizienz schaden könne.

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