US-Forscher

Kaffeetrinker haben die besseren Leberwerte

Einen positiven Effekt von Kaffee auf die Leberenzyme postulieren US-Wissenschaftler. Ursache hierfür ist aber offenbar nicht das Koffein.

Veröffentlicht:
Ein Tässchen in Ehren,...

Ein Tässchen in Ehren,...

© amenic181/Fotolia.com

BETHESDA. Eine Studie aus dem National Cancer Institute (NCI) in Bethesda, Maryland hat ergeben: Wer Kaffee trinkt, hat in der Regel bessere Leberwerte. Es ist offenbar nicht das Koffein, das die Leberenzyme niedrig hält. Der Effekt fand sich auch für entkoffeinierten Kaffee.

Die Forscher um Qian Xiao vom NCI berufen sich auf Daten von 27.973 Teilnehmern aus der NHANES-Studie (Hepatology 2014; 60(6): 2091-2098). In dieser wurden im Auftrag der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) US-Bürger über gut zehn Jahre hinweg zu Ernährungsgewohnheiten und Gesundheitsstatus befragt.

Die Forscher bildeten aus ihrer Kohorte zwei Gruppen: Teilnehmer, die in den letzten 24 Stunden vor der Erhebung Kaffee getrunken hatten, und solche, die das nicht getan hatten. Zahlenmäßig waren die Teilnehmer in etwa gleich verteilt.

Verglichen wurde nun die Wahrscheinlichkeit abnormer Leberwerte (ALT, ALP, AST und GGT) in beiden Gruppen. Als erhöht galten dabei Werte über 47 IU/l (Männer) bzw. > 30 IU/l (Frauen) für die ALT, > 33 IU/l für die AST, > 113 IU/l für die ALP und > 65 IU/l für die GGT.

Wie Xiao und Kollegen berichten, wurde der Unterschied zwischen den beiden Gruppen ab etwa drei Tassen Kaffee täglich relevant: Verglichen mit den Kaffeeverächtern lag die relative Wahrscheinlichkeit erhöhter Werte bei den Kaffeetrinkern für die vier genannten Enzyme bei 0,75, 0,82, 0,73 und 0,69.

Ähnliche Zusammenhänge bei entkoffeiniertem Kaffee

Die Kaffeetrinker hatten also ein geringeres Risiko für hohe Leberwerte. Rechnete man den Einfluss von Risikofaktoren wie BMI, Rauchstatus, Diabetes oder eine HBV- oder HCV-Infektion heraus, blieb der Zusammenhang bestehen.

Für entkoffeinierten Kaffee galten ähnliche Relationen, auch wenn diese, etwa wegen geringerer Teilnehmerzahlen, nicht immer statistische Signifikanz erreichten. So hatten Teilnehmer, die mehr als zwei Tassen "Schonkaffee" getrunken hatten, eine um 38 Prozent niedrigere Wahrscheinlichkeit eines erhöhten ALT-Werts, die relative Risikoreduktion für erhöhte AST- und GGT-Werte betrug 26 Prozent bzw. 30 Prozent.

Die Ergebnisse zur koffeinhaltigen Variante stimmen nach Xiao und Kollegen mit denen früherer Studien überein. Ihre Studie sei allerdings die erste, die auch einen inversen Zusammenhang zwischen entkoffeiniertem Kaffee und niedrigen Leberenzymen zeigen konnte. Dies lege nahe, dass es andere Inhaltsstoffe sein müssten, die die Leber schützten.

In Tierversuchen hat man bereits Hinweise auf einen protektiven Effekt von Dipertenen, Cafestol und Kahweol gefunden. Diese sollen Leberzellen vor Aflatoxin B1 schützen. Cafestol und Kahweol fördern zudem möglicherweise die Synthese von Glutathion, welches bei Entgiftungsvorgängen in der Leber eine Rolle spielen soll.

Wie bei jeder Beobachtungsstudie gilt es auch hier zu beachten, dass ein kausaler Zusammenhang nicht belegt werden kann. Um die dem Phänomen zugrunde liegenden Mechanismen zu ermitteln und herauszufinden, welche Kaffeeinhaltsstoffe daran tatsächlich beteiligt sind, bedarf es weiterer Studien. (eo)

Mehr zum Thema

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Wie lässt sich ein übermäßiger Steroidgebrauch vermeiden?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, Wiesbaden
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Coronakrise hat den Pflegekräften an der Charité zugesetzt. Um sie zu unterstützen, gehören inzwischen zehn Psychologen zum Team. Sorgen können dadurch unkompliziert in den Pausen angesprochen werden.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Supervision an der Kaffeetasse

Wie die Charité ihren COVID-Kräften Beistand leistet

Diagnose Krebs

© Marco2811 / stock.adobe.com

Regionale Prävalenz

So häufig kommt Krebs in den einzelnen Städten und Landkreisen vor