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Multiresistente Erreger

Keime in der Nase liefern Antibiotikum

Der Wirkstoff Lugdunin bildet eine neue Stoffklasse und tötet auch multiresistente Erreger ab.

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Keime im Krankenhaus sind eine große Herausforderung für das Personal. Ein Bakterium aus der menschlichen Nase kann anscheinend multiresistente Erreger abtöten.

Keime im Krankenhaus sind eine große Herausforderung für das Personal. Ein Bakterium aus der menschlichen Nase kann anscheinend multiresistente Erreger abtöten.

© PhotoSG - Fotolia

TÜBINGEN. Eine neue Stoffklasse von Antibiotika haben Forscher in Tübingen gefunden. Der nach dem Bakterium, das ihn produziert, getaufte Stoff Lugdunin bestehe aus einer bisher unbekannten Ringstruktur von Aminosäurebausteinen und sei in der Lage, auch multiresistente Erreger abzutöten, teilt die Universität Tübingen mit.

Bei Experimenten war den Forschern um Professor Andreas Peschel vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin Tübingen aufgefallen, dass Staphylococcus aureus nur selten in menschlichen Nasen zu finden ist, wenn Staphylococcus lugdunensis ebenfalls in der Nase vorkommt.

"Normalerweise werden Antibiotika nur von Bodenbakterien und Pilzen gebildet", so Peschel. "Die Vorstellung, dass die menschliche Mikroflora ebenfalls eine Quelle von antimikrobiellen Stoffen sein könnte, ist eine neue Entdeckung." In einer Analyse von Proben aus den Nasen von 187 Menschen konnten sie die Wirksamkeit ihres neu entdeckten Stoffes nachweisen.

Bei Probanden, in deren Nase Staphylococcus lugdunensis siedelte, kam nur in 5,9 Prozent der Fälle auch der multiresistente Erreger S. aureus vor. Bei Patienten ohne S. lugdunensis war dies bei 34,7 Prozent der Fall. "Die Entdeckung von Lugdunin zeigt wieder einmal, wie wichtig geduldige Grundlagenforschung ist", betont Peschel.

In Zukunft soll untersucht werden, ob Lugdunin tatsächlich therapeutische Anwendung finden könnte. Denkbar wäre etwa, Risikopatienten mit Lugdunin-bildenen Bakterien zu besiedeln, um so das Risiko von MRSA-Infektionen zu senken.

Schwierigkeiten für eine klinische Anwendung könnte laut eines Nature-Kommentars zwei Bostoner Wissenschaftler jedoch der Wirkmechanismus bereiten, der wahrscheinlich an der Synthese größerer Zellstrukturen wie der Membran ansetze und somit möglicherweise auch menschlichen Zellen gefährlich werden könnte.

Ob dies der Fall sei, könne jedoch frühestens in mehreren Jahren geklärt werden, wendet Dietmar Pieper vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, ein: "Bei der Entwicklung von Antibiotika rechnet man in Jahrzehnten." Lugdunin müsste auf alle möglichen Wechselwirkungen im Körper hin genau untersucht werden. Insgesamt aber beurteilt er die Arbeit der Forscher als "gut gemachte Studie, die mir gefällt". (mmr)

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