Allgemein kaum nachgefragt

Pneumokokken-Impfung: Zi-Analyse zeigt regionale Unterschiede bei Senioren

Die von der STIKO empfohlene Pneumokokken-Impfung wird von Patienten über 60 Jahren kaum genutzt. Eine Zi-Studie zeigt: Eine Rolle spielen Arbeitslosigkeit und Schulabschluss – in manchen Regionen aber mit gegenteiligen Effekten.

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Zu wenige Menschen über 60 Jahre lassen sich in Deutschland gegen Pneumokokken impfen.

Zu wenige Menschen über 60 Jahre lassen sich in Deutschland gegen Pneumokokken impfen.

© Rido / stock.adobe.com

Berlin. Eine Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) deutet darauf hin, dass in Praxen mehr für die Pneumokokken-Impfung für ältere Patienten getrommelt werden könnte.

Laut einer Mitteilung von Donnerstag wird die von der STIKO empfohlene Impfung von Menschen ab 60 Jahren kaum wahrgenommen. Die Inanspruchnahme bewege sich auf einem niedrigen Niveau, so das Zi.

Konkret: Von den insgesamt 8,18 Millionen gesetzlich Versicherten zwischen 60 und 67 Jahren haben 2023 nur 4,14 Prozent sich gegen Pneumokokken impfen lassen. Der Osten hat die Nase von: Hier liegt der Anteil der Geimpften im Schnitt bei 6,18 Prozent, in den westlichen Kreisen nur bei 3,60 Prozent. Der Kreis Schwäbisch Hall sticht besonders hervor: Hier liegt der Anteil der geimpften Versicherten bei lediglich 0,80 Prozent.

Arbeitslosenquote spielt Rolle

Das Zi stellte in der Studie einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Pneumokokken-Impfquote und drei sozioökonomischen Faktoren fest: der Arbeitslosenquote, dem Bildungsniveau und der Siedlungsdichte. Teils führen diese Einflüsse aber zu völlig gegensätzlichen Ergebnissen.

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Grundsätzlich, so heißt es in der Mitteilung, stieg etwa der Anteil der Geimpften mit einer Zunahme der Arbeitslosenquote. Beim Blick auf die Regionen zeigte sich aber, dass etwa im Norden des Landes Pneumokokken-Impfungen besonders gering waren in Gegenden mit höherer Arbeitslosigkeit.

In Gebieten Westdeutschlands korrespondierten niedrige Impfraten vor allem mit höherer Arbeitslosenquote, einem niedrigeren Bildungsniveau und geringerer Siedlungsdichte. In Ostdeutschland warteten dagegen besonders Regionen mit niedrigen Impfquoten auf, in denen eine niedrige Arbeitslosenquote, aber auch niedriges Bildungsniveau und höhere Siedlungsdichte herrscht.

Zi: Kampagnen anpassen

„Unsere Studienergebnisse legen daher nahe, dass zielgerichtete Impfkampagnen regional angepasst werden sollten, um eine effektivere Ansprache zu ermöglichen“, sagte Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried. Die Praxen seien der „geeignete Ort für die Durchführung der Impfung“.

Die Untersuchung ist eine ökologische Studie auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte, die im Zi-Versorgungsatlas erschienen ist. Auf Grundlage der bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten gemäß § 295 Sozialgesetzbuch (SGB V) aus dem Jahr 2023 sowie öffentlich verfügbaren Daten aus dem INKAR-Datensatz (Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung wurde untersucht, ob Zusammenhänge zwischen Impfinanspruchnahmen bei Personen zwischen 60 und 67 Jahren im Jahr 2023 und regionalen Indikatoren bestehen. (juk)

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