Direkt zum Inhaltsbereich

Blut im Urin

Kein Alarmzeichen für Krebs!

Findet sich bei einem Patienten Blut im Urin, denken manche sogleich an Krebs. Doch der Verdacht ist meist unbegründet, wie eine US-Studie zeigt.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Mikrohämaturie - nicht mit bloßem Auge, sondern unter dem Mikroskop zu erkennen.

Mikrohämaturie - nicht mit bloßem Auge, sondern unter dem Mikroskop zu erkennen.

© Rob Byron / fotolia.com

LOS ANGELES. Bei asymptomatischen Kranken mit Mikrohämaturie sollte weitere Diagnostik wie Endoskopie oder Bildgebung mit Strahlenbelastung zurückhaltend genutzt werden.

Daten von mehr als einer Million Patienten mit über 3,2 Millionen Urinanalysen haben US-Forscher um Dr. Steven J. Jacobsen vom Krankenversicherer Kaiser Permanente Southern California auf Mikrohämaturie und Krebs analysiert (Mayo Clin Proc 2013, online 14. Januar).

Von 2009 bis 2010 waren dabei 7778 Patienten zur Abklärung einer asymptomatischen Mikrohämaturie zum Urologen geschickt worden. 4721 davon mussten sich einer Zystoskopie unterziehen. Daten von 2630 Patienten wurden für die Analyse verwendet.

In fünf Gruppen eingeteilt

Bei jedem Patienten wurde geklärt, ob er binnen sechs Monaten eine Makrohämaturie hatte. Die Forscher dokumentierten zudem die Ergebnisse einer ersten und einer möglichen zweiten Bildgebung sowie die der Zystoskopie und die Ursache der Hämaturie.

Bei den Ergebnissen der Urinanalyse wurden die Patienten in fünf Gruppen eingeteilt, je nach RBC/HPF-Wert (Erythrozytenzahl im Urinsediment bei 400facher Vergrößerung im Mikroskop-Blickfeld).

Bei 55 Patienten (2,1 Prozent) wurde eine Neoplasie entdeckt, davon hatten 50 Patienten (1,9 Prozent) ein durch die Pathologie bestätigtes Malignom der Harnwege. 44 von ihnen waren an einem Blasen-Ca erkrankt, die übrigen an einem Nierenzell-Ca.

Niedriges Krebsrisiko bei jedem dritten Probanden

Mit fünf Parametern (Rauchen, Ausmaß der Hämaturie, männliches Geschlecht, Alter und Makrohämaturie) entwickelten die Urologen einen Risikoindex für Hämaturie. Maximal elf Punkte konnten erreicht werden.

Bei bis zu vier Punkten galt das Risiko noch als niedrig, bei neun bis elf Punkten als hoch. Bei Patienten mit dem höchsten Risiko wurde eine Krebsrate von 11,1 Prozent ermittelt, in der Gruppe mit dem niedrigsten Risiko nur eine Rate von 0,2 Prozent.

Fast ein Drittel der Studienteilnehmer stuften die Ärzte als Patienten mit niedrigem Krebsrisiko ein, 14 Prozent als Patienten mit einem hohen Risiko.

Ein Alter von mindestens 50 Jahren und eine Makrohämaturie in den vergangenen sechs Monaten erwiesen sich als die stärksten Risikofaktoren.

Dagegen gab es beim Raucherstatus und einem RBC/HPF-Wert von mindestens 25 keine signifikanten Unterschiede zwischen den Patienten mit und ohne Tumoren.

Mehr zum Thema

Akute Belastung versus chronische Schäden

Marathonläufer sollten ihren Nierenstatus kennen

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden

Aktive Überwachung

Prostatakrebs: Urintest kann Biopsien ersparen

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© FOMF

Forum für medizinische Fortbildung

Eviplex: KI-gestützte Recherche speziell für den medizinischen Alltag

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Übersicht und Metaanalyse

Probiotika könnten Arthrose-Beschwerden lindern

Kasuistik

Schwindel und Leistungsknick: Was sehen Sie im EKG?

Lesetipps
Ältere Frau sitzt auf dem Boden und hält sich den Kopf.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt