Screening

Kein Vorteil durch zusätzliche Sonografie bei dichtem Brustgewebe

Die Kombination von Mammografie und Sonografie hilft bei Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe nicht, vermehrt Karzinome aufzuspüren: Die Krebsentdeckungsrate wird einer US-Studie zufolge gegenüber der Mammografie allein nicht erhöht.

Von Peter Leiner Veröffentlicht: 26.03.2019, 05:10 Uhr

SEATTLE. Da die zusätzlich zur Mammografie genutzte Sonografie inzwischen einige Fürsprecher hat und die Fälle mit kombinierter Anwendung in den USA zunehmen, haben US-Onkologen um die Radiologin Dr. Janie M. Lee von der Seattle Cancer Care Alliance in Seattle Daten von zwei Brustkrebsregistern ausgewertet, die prospektiv gesammelte Mammografiescreening-Ergebnisse enthalten (JAMA Intern Med 2019; online 18. März).

Im Zeitraum zwischen 2000 und 2013 wurden mehr als 6000 Mammografien in Kombination mit der Sonografie bei fast 3400 Frauen vorgenommen. Die Gewebedichte wurde anhand des BI-RADS (American College of Radiology’s Breast Imaging Reporting and Data System) beurteilt.

Vergleichsgruppe in der Studie waren mehr als 15.000 Frauen mit etwa 30.000 Mammografien ohne zusätzliche Sonografie aus einem Pool von mehr als 113.000 Mammografien. Ziel der Studie war unter anderem die Ermittlung der Krebserkennungsrate sowie der Intervallkrebsrate, der Biopsien aufgrund falsch positiver Screeningbefunde sowie des positiven Vorhersagewertes der Biopsien.

Krebsentdeckungsrate ermittelt

Dabei war die Krebsentdeckungsrate definiert als die Zahl positiver Screeningergebnisse pro 1000 Aufnahmen. Die Intervallkrebsrate ergab sich aus der Zahl der Screeninguntersuchungen mit negativem Endergebnis und Krebs diagnostiziert innerhalb eines Follow-up-Intervalls pro 1000 Screeninguntersuchungen.

Nach Angaben von Lee und ihren Kollegen wurde im Vergleich zur Gesamtgruppe mit ausschließlicher Mammografie die kombinierte Bildgebung viel häufiger bei Frauen mit dichtem Drüsengewebe vorgenommen (74,3 versus 35,9 Prozent bzw. n = 4317/5810 versus n = 39.928/111.306).

Zudem erfolgte die Kombination eher bei Frauen unter 50 (49,7 versus 31,7 Prozent) und bei Frauen mit einer positiven Familienanamnese (42,9 versus 15,0 Prozent). Etwa jede fünfte Frau (21,4 Prozent), bei der eine Ultrasonografie gemacht wurde, hatte ein hohes oder sehr hohes Brustkrebsrisiko (Breast Cancer Surveillance Consortium Score). Etwa 57 Prozent hatten ein niedriges bzw. durchschnittliches Risiko.

Die Krebsentdeckungsrate war mit 5,4 versus 5,5 pro 1000 Aufnahmen in beiden Studiengruppen – Kombination versus Monoanwendung – ähnlich. Das war auch bei der Intervallkrebsrate mit 1,5 versus 1,9 pro 1000 Aufnahmen der Fall. Schließlich errechneten die Ärzte die Biopsiehäufigkeit aufgrund falsch positiver Screeningbefunde. Sie lag in der Gruppe mit Sonografie signifikant höher (52,0 versus 22,2 pro 1000 Aufnahmen). Die Wahrscheinlichkeit war mehr als das Zweifache höher (relatives Risiko [RR]: 2,23).

Auch die Wahrscheinlichkeit für kürzere Follow-up-Intervalle war in der Gruppe mit Sonografie höher (3,9 versus 1,1 Prozent; RR: 3,10). Schließlich war der positive prädiktive Wert der Biopsie signifikant niedriger (9,5 versus 21,4 Prozent; RR: 0,50), wenn beide Verfahren kombiniert angewendet wurden.

Spiegelbild der klinischen Praxis

Aus den Ergebnissen errechneten die Ärzte, dass unter 1000 Frauen, die sowohl mammografiert als auch sonografiert würden, bei etwa fünf Frauen Brustkrebs entdeckt würde. 57 Frauen würde eine Biopsie empfohlen, darunter 52 Frauen wegen eines falsch positiven bildgebenden Befundes. Schließlich würden, so die Onkologen, 39 Frauen kürzere Intervalle für Kontrolluntersuchungen empfohlen.

Bei etwa zwei Frauen würde innerhalb eines Jahres nach negativem Screening-Ergebnis Brustkrebs diagnostiziert. Ähnliche Ergebnisse seien in anderen Studien in den USA, in Europa und in asiatischen Ländern gefunden worden, so Lee und ihre Kollegen. Die Ergebnisse ihrer Studie spiegelten realitätsnah die klinische Praxis in den USA wider.

In der aktuellen deutschen „S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ vom September 2018 wird betont: „Als alleinige Methode zur Brustkrebsfrüherkennung kann der systematische Einsatz von Sonographie nicht empfohlen werden.“

Und: „Im Rahmen der komplementären ergänzenden Diagnostik kann der Einsatz der Sonographie zu einer Sensitivitätserhöhung führen, insbesondere bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko, < 50 Jahre und bei dichtem Drüsengewebe.“

Allerdings zeigten alle bisherigen systematischen Reviews und Metaanalysen eine erhöhte Falsch-Positiv-Rate, und es komme damit vermehrt zu Kontrolluntersuchungen und zu einer „sehr deutlichen Erhöhung der Biopsierate“.

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