Erster Kindergesundheitsbericht

Klimawandel ist eine große Bedrohung für die kindliche Gesundheit

Die Stiftung Kindergesundheit warnt davor, dass Jungen und Mädchen besonders lang mit den Folgen von Extremwetter und Dürreperioden konfrontiert sein werden. Sie können Einflüsse nicht regulieren.

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Ausgelassenes Spielen in der Sonne könnte für Kinder zukünftig nicht mehr so problemlos möglich sein: Der Klimawandel schlägt sich zunehmend auf die kindliche Gesundheit.

Ausgelassenes Spielen in der Sonne könnte für Kinder zukünftig nicht mehr so problemlos möglich sein: Der Klimawandel schlägt sich zunehmend auf die kindliche Gesundheit.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

München. Die Stiftung Kindergesundheit sieht im globalen Klimawandel eine große Bedrohung für die kindliche Gesundheit.

„Umweltfaktoren und klimatische Veränderungen wie steigende Druchschnittstemperaturen, Extremwetter und Hitzeperioden führen schon jetzt zu einem deutlichen Anstieg von Infektionskrankheiten und zu Krankenhausbehandlungen“, sagt Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung.

Erschwerend komme hinzu: Die heutigen Kinder würden im Verlauf ihres späteren Lebens besonders lange mit den veränderten Umständen und deren oft schädlichen Folgen konfrontiert. Auf der Basis von Klimamodellen könnte bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine globale Erwärmung von bis 4,8 Grad Celsius eintreten, heißt es im Kindergesundheitsbericht 2022.

Das bedeutet: Ein Kind, das heute geboren wird, wird als Erwachsener in einer Welt leben, die fast fünf Grad Celsius wärmer ist als die Welt während der Kindheit seiner Eltern. Dies habe weitreichende Folgen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Schädlich für den Organismus

Der noch unreife kindliche Organismus könne sich noch schwer auf belastende Umwelteinflüsse wie beispielsweise Hitze einstellen. Seine Fähigkeit zur Regulierung der Körpertemperatur durch Schweißproduktion ist noch nicht vollständig entwickelt. Bei extremen Hitzewellen drohten besonders Säuglingen und jüngeren Kindern Austrocknen, Hitzschlag und Sonnenstich.

Mit der zunehmenden Sonnenscheindauer wachse die Belastung durch UV-Strahlung. Diese wiederum gilt als Hauptursache von Hautkrebs. Seit dem Jahr 2000 habe sich die Zahl der Hautkrebsfälle mehr als verdoppelt: Zuletzt lag sie beim malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) bei etwa 23 000 und beim „weißen“ Hautkrebs bei ca. 230 000 Fällen.

Die Stiftung weist in ihrem Report außerdem darauf hin, dass der Anstieg der Durchschnittstemperaturen das Auftreten neuer Allergene begünstige. „Die klimatischen Veränderungen führen auch zu zeitlich veränderten Jahreszeiten mit einer oft längeren Pollenflugzeit“. Als aktuelles Beispiel nennt der Bericht die Ausbreitung von „Ambrosia artemisiifolia L.“, ein Asterngewächs, das als hoch allergen gilt und dessen Pollen als Auslöser von Beschwerden wie Heuschnupfen, Asthma oder atopischer Dermatitis gelten.

Doppelt so viele Menschen mit Heuschnupfen

Nach aktuellen Prognosen könnte sich die Anzahl der Menschen, die aufgrund von Ambrosia-Pollen an Heuschnupfen leiden, in nur 19 Jahren verdoppeln, und zwar von derzeit 33 auf 77 Millionen Europäer. Durch seine späte Blüte- und Pollenflugzeit im Spätsommer und Herbst kann Ambrosia bei Kindern mit bestehenden Pollenallergien zu einer fast ganzjährigen Krankheitslast führen.

„Angesichts der von der Stiftung Kindergesundheit ermittelten Fakten ist es unverzichtbar, das Voranschreiten der Klimakrise mit energischen Maßnahmen zu bremsen“, unterstreicht Professor Berthold Koletzko mit großem Nachdruck.

„Der Kampf gegen die globale Klimakrise sollte besonders auch im Interesse unserer Kinder und Jugendlichen ein zentrales Motiv jedes gesellschaftlichen und politischen Handelns sein. Das Ausmaß unserer Bemühungen wird maßgeblich darüber entscheiden, in welcher Welt die kommenden Generationen leben werden“. (kaha)

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