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Schlechtes Vorbild

Klinikpersonal bedenklich oft nicht geimpft

Die Grippewelle rollt an. Doch ausgerechnet Krankenhausmitarbeiter lassen sich zum größten Teil nicht impfen. Laut RKI geben Ärzte dafür andere Gründe als Pfleger an.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Ärzte sind oft selbst nicht gegen Grippe geimpft, so das RKI.

Ärzte sind oft selbst nicht gegen Grippe geimpft, so das RKI.

© JPC-PROD / Fotolia

BERLIN. Medizinisches Personal in Kliniken ist eine mögliche Infektionsquelle für Patienten, die oft wegen Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere und eventuell sogar tödliche Influenza-Verläufe haben.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) betont daher in ihren aktuellen Informationen zum Grippeschutz: "Die Impfung des Personals folgt dem ethischen Gebot, Patienten nicht zu schaden. Gleichzeitig dient sie dem persönlichen Schutz bei beruflichem Patientenkontakt."

Trotz dieses dringenden Appells lassen sich die meisten Mitarbeiter in Kliniken nicht impfen, wie eine Online-Befragung des Personals zweier Universitätskliniken bestätigt hat (Epi Bull 2016; 47: 521).

Nur etwa ein Drittel des Pflegepersonals geimpft

Hierzu hatten Forscher des Robert Koch-Instituts (RKI) 8000-9000 Mitarbeiter per E-Mail angeschrieben; etwa jeder fünfte davon (1827) füllte einen Fragebogen zur Impfung aus. Gefragt wurde nach dem Impfschutz in der aktuellen Influenza-Saison und nach Einstellungen der Mitarbeiter zur Grippe-Impfung.

Ergebnis: Nur etwa 56 Prozent des ärztlichen Personals und nur knapp 35 Prozent des Pflegepersonals hatten den Grippeschutz. Mitarbeiter in der Pflege mit häufigem Patientenkontakt waren dabei sogar seltener geimpft als Personal mit gelegentlichem Kontakt zu Kranken wie in der Verwaltung (36 Prozent Schutz), Technik (44 Prozent) oder im Labor (45 Prozent).

Je jünger die Mitarbeiter waren, desto geringer die Impfraten: 25 Prozent waren es bei den 18- bis 24-Jährigen und 48 Prozent bei den 45- bis 54-Jährigen.

Viele Vorurteile gegenüber Grippeimpfung

Befragt nach Gründen für den fehlenden Schutz ergaben sich viele falsche Vorstellungen: Fast jeder fünfte gab an, wegen eines guten Immunsystems ein geringes Influenza-Risiko zu haben.

Ebenso viele befürchteten, dass die Impfung selbst eine Grippe auslösen könne. Jeder Sechste hält eine Influenza für nicht gefährlich. Immerhin jeder Zehnte hält die Impfung für unwirksam und jeder zwanzigste gab an, generell gegen Impfungen zu sein.

Die Gründe, sich nicht impfen zu lassen, unterschieden sich dabei zwischen den Berufsgruppen: Bei den Ärzten spielten vor allem organisatorische Gründe eine maßgebliche Rolle wie "habe es vorgehabt, aber nicht geschafft" oder "habe es vergessen".

Etwa 67 Prozent der Ärzte, aber nur 44 Prozent des medizinischen Personals wünschen sich ein Impfangebot vor Ort in der Klinik.

Pfleger befürchten häufiger Nebenwirkungen

Beim Personal in der Pflege wurde auch häufig Angst vor Nebenwirkungen als Grund für den fehlenden Impfschutz genannt.

Das RKI plant, die Umfrage zu den Impfquoten auch auf andere Krankenhäuser auszudehnen. Die Ergebnisse könnten Maßnahmen zur Verbesserung der Impfraten unterstützen. Voraussetzung für robuste Daten sei allerdings eine breite Unterstützung der teilnehmenden Kliniken, so das RKI.

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