Neuro-Forschung

Körpereigene Abwehrzellen kämpfen gegen Alzheimer

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BERLIN. Wichtiger Ansatzpunkt für die Erforschung der Alzheimer-Demenz sind Beta-Amyloid-Plaques (Aß-Plaques). Diese Eiweißfragmente lagern sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ab und stehen im Zentrum der Krankheitsentstehung.

Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben nun untersucht, inwieweit Makrophagen für die Entsorgung der alzheimertypischen Eiweißablagerungen im Gehirn genutzt werden können (JEM 2015, online 12. Oktober).

Die Arbeitsgruppe um Professor Frank Heppner, Neuropathologie an der Charité, konnte bereits in früheren Arbeiten zeigen, dass die Immunzellen des Gehirns, die Mikroglia, bei Alzheimer-Patienten nicht mehr richtig funktionieren und sozusagen erlahmen, heißt es in einer Mitteilung der Charité.

Gehirn setzt Zuwanderungsprogramm in Kraft

Sie kommen ihrer Aufgabe des Abräumens fremder Substanzen, wie dem krankhaften Aß- Eiweiß, nicht mehr nach. In ihrer aktuellen Studie entwickelten die Forscher zunächst ein Mausmodell, in dem die Mikrogliazellen der an Alzheimer erkrankten Mäuse ausgeschaltet waren.

Angesichts dieser Notsituation setzte das Gehirn eine Art Zuwanderungsprogramm in Kraft: Innerhalb kurzer Zeit wurde es von aus der Peripherie stammenden Makrophagen bevölkert, die aus dem Blutstrom eingewandert sind. Anschließend entwickelten sie sich zu Mikroglia-ähnlichen Zellen, die die Pathologie der Krankheit jedoch nicht veränderten; sie ignorierten die krankhaften Aß-Eiweiße und lagerten sich nicht einmal an diese an.

Zu einem identischen Ergebnis kommt auch die Studie einer Arbeitsgruppe der Universität Tübingen, die ebenfalls in der aktuellen Ausgabe des Journal of Experimental Medicine veröffentlicht ist.

"Um die neuen, aus der Peripherie stammenden Makrophagen für das Aß-Eiweiß zu interessieren, haben wir den Alzheimer-Mäusen, deren Mikrogliazellen durch periphere Fresszellen ausgetauscht waren, eine Aß-Impfung verabreicht", wird Heppner in der Mitteilung zitiert.

Große Bedeutung von Mikroglia

"Ein Verfahren, das derzeit auch in diversen klinischen Studien untersucht wird und Gegenstand intensiver Diskussionen ist", fügt er hinzu. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Makrophagen auch unter dieser zusätzlichen Stimulation nicht effizienter als die hirneigenen Mikrogliazellen sind.

"Offensichtlich bedarf es eines anderen oder weiteren Stimulus, damit residente Mikroglia oder deren aus der Peripherie stammende Schwesternzellen ihr eigentlich vorhandenes Potenzial abrufen können", so Heppner.

"Unsere Daten sind jedoch insofern relevant, da viele aktuelle Studien unabhängig voneinander zeigen, dass insbesondere der Mikroglia eine große Bedeutung bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung zukommt. Deshalb ist, nicht zuletzt für die Entwicklung neuer Therapieansätze, eine detaillierte Aufklärung von Rolle und Funktion der Mikrogliazellen und Makrophagen bei der Alzheimer Erkrankung fundamental."

In Folgestudien wollen die Wissenschaftler nun versuchen, diesen fehlenden Stimulus zu identifizieren, damit die Fresszellen ihrer eigentlichen Funktion wieder nachkommen können. (eb)

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