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Interview zu Misoprostol

„Komplikationen sind sehr selten“

Medienberichten zufolge soll Misoprostol zur Einleitung von Wehen mit schweren Komplikationen einhergehen. Der Einsatz werde aber international empfohlen, sagt Gynäkologe Professor Michael Abou-Dakn.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Frisch auf der Welt – und hoffentlich gesund.

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© SZ Photo / dpa

Ärzte Zeitung: Cytotec, das den Prostaglandin-E1-Abkömmling Misoprostol enthält, soll in deutschen Kliniken zur Weheneinleitung eingesetzt worden sein beziehungsweise werden. Dabei soll es schwere Komplikationen gegeben haben. Wie viele Kliniken machen das?

Professor Michael Abou-Dakn: Nach Umfragen aus den letzten Jahren nutzen die meisten Kliniken auch Cytotec zur Geburtseinleitung. Als Medikation bei schweren Blutungen nach der Geburt sollte es zu 100 Prozent genutzt werden und vorrätig sein.

Wie häufig werden Geburten mit Misoprostol eingeleitet, und wie oft gibt es dabei Komplikationen?

Einleitungen werden in Deutschland bei über 23 Prozent der Geburten durchgeführt. Wie viele hiervon durch Cytotec erfolgen, ist nicht eindeutig. Schätzen würde ich: in mindestens 50 Prozent der Fälle. Komplikationen sind hierbei sehr selten. Am häufigsten sind Fieber und Zittern der Mutter. Gelegentlich kommt es zu einer erhöhten Wehenfrequenz mit Reaktionen des Kindes – in Abhängigkeit von der Wehentätigkeit.

Warum wird zu einem Mittel gegriffen, das für diese Indikation nicht zugelassen und in Deutschland gar nicht mehr auf dem Markt ist?

Viele Medikamente sind aufgrund der Zulassungsstudien nicht in der Schwangerschaft zugelassen. Es gibt kaum ein Medikament zur Einleitung, das international und national durch so viele Studien günstig belegt ist. Auch die WHO empfiehlt Misoprostol zur Einleitung.

Woher importieren Kliniken das Mittel?

Über internationale Apotheken.

Welche Alternativen gäbe es, und wären die überhaupt sicherer?

Andere Prostaglandine oder mechanische Dehnungen sind möglich. In Studien ist das Nebenwirkungsspektrum relativ gleich, bei schlechterem Einleitungserfolg.

Wie genau kommen Mütter und Kinder durch Misoprostol zu Schaden?

Das ist eine komplexe Frage und muss im Einzelfall untersucht werden. Bekannt ist, dass Cytotec bei Zustand nach Kaiserschnitt eine höhere Rupturrate hat. Hierbei sollte (und wird) es nicht angewandt werden.

Welches künftige Vorgehen ist geplant? Wird es Verbote geben?

Nein, wir werden weiter mit der gebotenen Sorgfalt arbeiten. Die Leitlinie zur Einleitung wird sich sicherlich an den internationalen Ergebnissen orientieren, die eine Einleitung mit Misoprostol empfehlen.

Prof. Dr. med. Michael Abou-Dakn; Ärztlicher Direktor – St. Joseph Krankenhaus Berlin, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

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