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Krebs in Deutschland: Die Region macht's

In der Krebsinzidenz gibt es in Deutschland feine Unterschiede zwischen den Bundesländern. Vor allem die Häufigkeit von Prostatakarzinom, Brustkrebs und malignem Melanom schwankt von Region zu Region.

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Patient mit malignem Melanom. Das Hautkrebsscreening beeinflusst möglicherweise die Inzidenz der Erkrankung in Deutschland.

Patient mit malignem Melanom. Das Hautkrebsscreening beeinflusst möglicherweise die Inzidenz der Erkrankung in Deutschland.

© Bristol-Myers Squibb

Insgesamt war die Krebsinzidenz in Deutschland im Jahr 2009 zwar recht ausgeglichen, wie Professor Alexander Katalinic, Leiter des Instituts für Klinische Epidemiologie und des Instituts für Krebsepidemiologie an der Universität zu Lübeck, anhand von Daten aus dem Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) ablesen konnte (www.gekid.de).

Doch schaut man genauer hin, ergeben sich bei bestimmten Indikationen regionale Besonderheiten. So seien die Abweichungen zum Beispiel bei Prostata- aber auch bei Brustkrebs zwischen den Ländern deutlich größer als bei Krebs gesamt, erklärte Katalinic.

Prostatakrebs trat in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen 19 Prozent häufiger auf als im bundesdeutschen Durchschnitt, die Brustkrebsrate war in Schleswig-Holstein um 28 Prozent erhöht. Dafür wiesen die östlichen Bundesländer eher niedrige Werte bei Brustkrebs auf.

Relativ große Schwankungen lassen sich ebenso beim Lungenkrebs entdecken: In Bayern trat dieser bei Männern vergleichsweise selten auf, in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern war das Gegenteil der Fall.

"Gerade bei den Frauen gibt es sehr große Unterschiede in der Lungenkrebshäufigkeit, so lagen Sachsen und Thüringen 33 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, Bremen und Berlin 45 Prozent darüber", fasste Katalinic beim Krebskongress zusammen.

Hypothese: Höhere Inzidenz durch Screening

"Auch beim malignen Melanom sehen wir deutliche Unterschiede, man könnte vermuten, dass diese möglicherweise durch das Hautkrebsscreening beeinflusst wurden", folgerte Katalinic.

So lief von 2003 bis 2004 das Modellprojekt zum Hautkrebsscreening in Schleswig-Holstein und genau in dieser Zeit stieg die Inzidenz, danach sanken die Werte wieder.

Wie kommen solche Unterschiede zustande? Nach Angaben von Dr. Klaus Kraywinkel vom Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut in Berlin nehmen Genetik, Lebensstil und Infektionen Einfluss. Zusätzlich wirken sich unterschiedliche Früherkennungsprogramme auf die Krebsinzidenzen aus.

Nicht zu unterschätzen seien die sozioökonomischen Faktoren, die etwa das Infektionsrisiko und die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen beeinflussten. Die Bedeutung des sozialen Stands zeigt sich besonders deutlich beim Lungenkrebs.

Die Inzidenz stieg z.B. im Krebsregister Bremen zwischen 2000 und 2005 sowohl bei Männern als auch bei Frauen, wenn sie einer niedrigen sozialen Schicht angehörten. "Das ist nicht überraschend", konstatierte Kraywinkel, "denn zumindest in der Vergangenheit hingen die Raucherraten sehr stark von der Sozialschicht ab."

Umgekehrt verhält es sich beim Brustkrebs. In der gleichen Erhebung stieg die Inzidenz mit dem sozialen Stand. "Dies entstand sicher nicht nur aufgrund einer höheren Nutzung der Früherkennung", mutmaßte Kraywinkel.

Er vermutete, dass die unterschiedliche Familienplanung in den sozialen Schichten ursächlich war, denn eine frühe erste Geburt und mehrere Schwangerschaften hätten einen protektiven Effekt. (sg)

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