Studie

Lässt sich der Erfolg einer antidepressiven Therapie im Blut testen?

US-Forscher haben untersucht, ob sich über einen Bluttest Aussagen machen lassen, ob eine antidepressive Therapie gute Erfolgschancen hat. Ihre Ergebnisse stimmen optimistisch.

Veröffentlicht:
Die Erfolgschancen einer antidepressiven Theraphie lassen sich offenbar dank Bluttest bestimmen.

Die Erfolgschancen einer antidepressiven Theraphie lassen sich offenbar dank Bluttest bestimmen.

© imagesetc / stock.adobe.com

DALLAS. Die richtige Wahl für ein Antidepressivum zu treffen ist so, als würde man eine Münze werfen. Es kann passen oder auch nicht. So umschreibt Professor Dr. Madhukar H. Trivedi, Direktor des Center for Depression an University of Texas in Dallas die aktuelle Ausgangslage in einem Bericht auf Science Daily. In einer früheren Studie (STAR*D) hatte er nachgewiesen, dass bis zu einem Drittel der Patienten mit Depressionen die erste Medikation nicht hilft. Und rund 40 Prozent der Patienten brechen nach seinen Daten die medikamentöse Therapie innerhalb von drei Monaten ab.

Unter Leitung von Trivedi hat eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität daher nun geprüft, ob der Nachweis verschiedener Proteine im Blut, darunter der Gehalt an C-reaktivem Protein (CRP), eine verlässliche Aussage über den Erfolg einer Antidepressiva-Therapie erlaubt. In der Studie, die in der Fachzeitschrift "Psychoneuroendocrinology" publiziert wurde, wurde bei 106 Patienten Major Depression mit Escitalopram-Therapie (allein oder in Kombination mit Bupropion) Blut aus der Fingerbeere entnommen und untersucht. Bestimmt wurden neben CRP auch die Spiegel an Amyloid-P-Protein und Alpha-2-Makroglobulin.

Das Ergebnis: Zwischen CRP-Spiegel zu Therapiebeginn und Therapieansprechen besteht offenbar ein deutlicher Zusammenhang. So erwies sich bei Patienten mit einem CRP-Wert über 1 mg/l (insgesamt bei 74 Patienten) die Kombinationstherapie als effektiver. Hierauf sprachen 51 %der Probanden an im Vergleich zu 33 %, die die Monotherapie erhielten.

Anders bei Patienten mit niedrigen CRP-Werten unter 1 mg/l. Hier betrug die Remissionsrate unter der Monotherapie 57 % verglichen mit 30 % unter der Kombinationsbehandlung.

Weitere Studien müssen nun zeigen ob sich die Ergebnisse auch auf andere Antidepressiva und andere Depressionsformen übertragen lassen. Auch Aussagen zu Sensitivität und Spezifität eines solchen einfachen Bluttests sind noch zu klären. Studienleiter Trivedi zeigte sich in jedem Fall optimistisch, einen Marker gefunden zu haben, der Patienten mit Depressionen eine biologische Erklärung dafür liefert, wenn eine erste Therapie nicht gleich den erhofften Erfolg bringt. Dies könnte sie somit auch bewegen, nicht zu früh aufzugeben. (run)

Mehr zum Thema

Bidirektionale Beeinflussung

Studie: Depression und Kognition lenken sich gegenseitig

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitartikel

Homöopathie: Eine bloße Scheindebatte

Lesetipps
Eine neue Leitlinie, die Ende diesen Jahres veröffentlicht werden soll, soll Ärzten und Ärztinnen in der hausärztlichen Versorgung helfen, Patienten und Patientinnen zur Vitamin-D-Substitution adäquat zu beraten.

© irissca / stock.adobe.com

32. Jahreskongress der SGAM

Empfehlungen zur Vitamin-D-Substitution: Neue Leitlinie angekündigt

So klein sieht das Kügelchen beziehungsweise der Globulus hier auf dem Bild gar nicht aus. Ob und wie viel Wirkstoff enthalten ist und welche Wirkung dennoch davon ausgeht, das ist besonders bei Hochpotenzen strittig. Der innerärztliche Streit um die Homöopathie hat auf jeden Fall eine gewisse Größe. Es geht in der Tat um wissenschaftstheoretische Grundlagen.

© Springer Medizin Verlag

Alternative Therapierichtungen

Homöopathie: Worüber gestritten wird – und was die Fakten zeigen