Alzheimer-Gefahr

Lassen viel Fett und Zucker das Hirn schrumpfen?

Ältere Menschen, die viel Fett und Zucker zu sich nehmen, zeigen Veränderungen in Hirnregionen, die auch für Alzheimer relevant sind.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Lecker - aber vermutlich Gift für's Gehirn.

Lecker - aber vermutlich Gift für's Gehirn.

© Julia Wesenberg / fotolia.com

KOPENHAGEN. Eine schlechte Ernährung zählt mittlerweile neben wenig Bewegung und einer soziokognitiven Trägheit zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für eine Demenz, wobei sich der Einfluss der Ernährung nur schwer von anderen Risiken abgrenzen lässt: Oft sind es ja gerade wenig gebildete und körperliche inaktive Menschen, die auf Pommes und Bratwürste setzen.

Auf der anderen Seite sind hohe Blutfett- und Blutzuckerwerte nicht besonders gut für die Gefäße, und was den Gefäßen schadet, schadet auch dem Gehirn.

Die Ernährung könnte also durchaus unabhängig von anderen Faktoren einen Einfluss auf das Alzheimer- und Demenzrisiko haben.

Zusammenhang zwischen Kortexdicke und Ernährung unter der Lupe

Da Atrophiemessungen in Forschungslaboren mittlerweile sehr en vogue sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand den Zusammenhang zwischen Kortexdicke und Ernährung unter die Lupe nahm.

So wurde auf dem europäischen Neurologenkongress in Kopenhagen eine Querschnittsuntersuchung von Teilnehmern der Mayo Clinic Study of Aging präsentiert, in der Forscher per MRT die Kortexdicke vor allem in solche Arealen untersucht hatten, die bei Alzheimer stark betroffen sind, darunter Bereiche im entorhinalen Kortex sowie im unteren und mittleren Temporallappen.

Beteiligt waren 672 kognitiv gesunde ältere Personen im mittleren Alter von 80 Jahren. Alle füllten einen ausführlichen Ernährungsfragebogen aus, über den sich Fett-, Zucker-, Kalorien-, und Vitaminaufnahme bestimmen ließen.

Viel Vitamine - dicker Kortex

Bei Teilnehmern mit erhöhtem Kohlenhydratkonsum im Allgemeinen und mit viel Zucker im Besonderen ließ sich ein signifikant dünnerer Kortex in den Alzheimerregionen nachweisen als bei Teilnehmern mit ausgewogener Ernährung.

Eine ähnliche Beziehung konnten Neurologen um Dr. Sarah Staubo von der Karls-Universität in Hradec Králové, Tschechien, auch bei erhöhtem Gesamtfettanteil sowie bei vermehrtem Konsum von gesättigten Fetten feststellen.

Wurden hingegen Personen untersucht, die viel Vitamine über die Nahrung aufnahmen, was auf einen hohen Obst- und Gemüsekonsum deutet, so war die Kortexdicke in den Alzheimer-Risikoregionen signifikant erhöht.

Die tschechischen Forscher hatten immerhin Gesamtkalorien, Bildungslevel, BMI und andere vaskuläre Faktoren wie Diabetes, Hypertonie oder KHK bei ihren Berechnungen berücksichtigt.

Da es sich jedoch um eine Querschnittstudie mit subjektiven Angaben handelt, lässt sich nicht sagen, was Ursache und Wirkung ist.

Auch könnten noch weitere Faktoren wie Bewegungsarmut oder soziale Isolation das Ergebnis verzerrt haben: Wer im Alter alleine lebt, ernährt sich häufig ungesünder als ältere mit guten sozialen Kontakten. Vielleicht ist hier aber eher die Isolation der relevante Schrumpffaktor.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Studie aus Schweden

Dermatozoenwahn – frühes Anzeichen von Demenz?

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 23.06.201610:03 Uhr

URSACHE UND WIRKUNG?

Angeblich kognitiv gesunde ältere Personen im mittleren Alter von 80 Jahren, die ein hohes Alzheimer- oder vaskuläres Demenzrisiko haben, können sich auch mit erst später klinisch manifester Symptomatik an hoch-komplexe, selbst zubereitete Ernährungsformen, Frischkost mit Obst, Gemüse, Salat, Fisch, Geflügel, Fleisch, Getreide-Produkten, differenzierten Pflanzenölen, Nüssen usw. gar nicht mehr richtig erinnern oder sich diese aus finanzieller Not gar nicht mehr leisten.

Deshalb sind Veränderungen in Hirnregionen, die auch für Alzheimer relevant sind, viel eher Hinweise auf ältere Menschen in schlechtem Ernährungs-, Einkommens- und Gesundheitszustand, die dann viel Fett und Zucker zu sich nehmen!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram

Modell eines Körpers, in dem der Darm zu sehen ist.

© J.G Studio / Stock.adobe.com / Generated with AI

Akute Enteropathie und Enteritis

Radiotherapie bei Krebs: Diese Maßnahmen schützen den Darm