Krebs

Lenalidomid bereichert Myelom-Behandlung

BERLIN (gvg). Bereits zuvor behandelte Patienten mit multiplem Myelom leben um mindestens die Hälfte länger, wenn sie zusätzlich zu Dexamethason den Immunmodulator Lenalidomid erhalten. Das belegen zwei aktuelle Studien.

Veröffentlicht: 19.12.2007, 05:00 Uhr

Die beiden randomisierten, kontrollierten Studien sind in der Fachwelt schon länger bekannt. Die Ergebnisse haben in den USA und in Europa zur Zulassung von Lenalidomid für die Behandlung von bereits zuvor therapierten Patienten mit multi-plem Myelom geführt.

In der einen der beiden Studien wurden 177 Patienten mit vier vierwöchigen Zyklen aus 25 mg Lenalidomid (Revlimid®) plus Dexamethason und 176 Patienten mit Placebo plus Dexamethason behandelt (NEJM 357, 2007, 2133).

In der Verumgruppe lag das mediane Gesamtüberleben bei knapp 30 Monaten im Vergleich zu 20 Monaten in der Placebo-Gruppe. Im Median vergingen in der Lenalidomid-Gruppe elf Monate bis zum Fortschreiten der Erkrankung. In der Placebogruppe waren es knapp fünf.

Im Median lebten die Patienten noch knapp 30 Monate.

Die zweite Studie war ähnlich aufgebaut und mit 351 Patienten fast genauso groß. Hier erreichten 60 Prozent der Patienten mit Lenalidomid-Therapie ein partielles oder komplettes Ansprechen, festgemacht am Nachweis des vom Myelom synthetisierten M-Proteins in Serum und Urin. In der Placebo-Gruppe war es nur jeder Vierte. Patienten im Placebo-Arm lebten im Median noch 21 Monate (NEJM 357, 2007, 2123). Die mediane Überlebenszeit bei Lenalidomid-Therapie war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht erreicht.

Schwere unerwünschte Wirkungen traten im Verum-Arm häufiger auf. Sie betrafen vor allem das Knochenmark mit Neutropenie und Thrombozytopenie. Zudem gab es häufiger venöse Thromboembolien. Anders als bei der Schwestersubstanz Thalidomid kommt es bei Therapie mit Lenalidomid aber nur selten zu einer Polyneuropathie.

Die Therapie mit Lenalidomid führe dazu, dass die Patienten signifikant länger leben als Patienten der Placebo-Gruppe, so Professor Alan List vom Krebsforschungszentrum der Universität von Süd-Florida, der die beiden Studien kommentierte. "Mittlerweile gibt es außerdem Daten, die belegen, dass die Anwendung bei chronischer lymphatischer Leukämie, chronischer idiopathischer Myelofibrose und beim Non-Hodgkin-Lymphom vielversprechend sein könnte."

STICHWORT

Lenalidomid

Lenalidomid ist eine dem Thalidomid ähnliche Substanz mit immunmodulatorischen Eigenschaften. Sie hemmt TNF-alfa und andere entzündungsfördernde und proliferationssteigernde Zytokine. Lenalidomid ist zugelassen für die Therapie bei zuvor behandelten Patienten mit multiplem Myelom sowie - in den USA - zur Behandlung bei transfusionsabhängigem myelodysplastischem Syndrom. (gvg)

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