Erfolgreicher Mix

"Low Carb"-Diät mit Protein-Shakes hilft gegen Diabetes

Eine Diät mit kohlenhydratarmer Kost plus Formula-Präparaten hilft HbA1c, Blutdruck und Körpergewicht zu senken, ergab eine Studie. Die Effekte halten auch langfristig an.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:
Formula-Diätpräparate stehen im Zentrum der untersuchten Ernährungstherapie: Die besten Ergebnisse wurden nach einem intensiven Start erzielt.

Formula-Diätpräparate stehen im Zentrum der untersuchten Ernährungstherapie: Die besten Ergebnisse wurden nach einem intensiven Start erzielt.

© mihail39 / stock.adobe.com

DÜSSELDORF. Typ-2-Diabetiker können von einer mit Formula-Diäten unterstützten kohlenhydratarmen Ernährung profitieren.

Eine solche Kost hat dabei durchaus eine ähnlich starke Wirksamkeit wie bariatrische Chirurgie, berichten Forscher um Dr. Kerstin Kempf vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ).

In einer Studie mit über 400 übergewichtigen Typ-2-Diabetikern mit schlechter Stoffwechselkontrolle (HbA1c im Schnitt >8 Prozent) wurden mithilfe der Diät in einem Jahr HbA1c, Nüchternzucker, Blutdruck und Körpergewicht signifikant gesenkt (Nutrients 2018; online 4. August).

Die Intervention bestand aus einer einwöchigen intensiven Phase, in der sich die Patienten überwiegend mit den Fertigpräparaten ernährten. Anschließend stellten sich die Patienten langsam auf eine kohlenhydratarme Kost um, die mithilfe von Werten regelmäßiger Blutzucker-Selbstmessungen (SMBG) optimiert wurden. Insgesamt gab es dabei drei Gruppen:

»Moderate (M) Intervention: In Woche 1 wurden pro Tag zwei Mahlzeiten mit Formula-Diät ersetzt (n=160).

»Stringente (S) Intervention: In Woche 1 wurden alle Mahlzeiten durch Formula-Präparate ersetzt, mit täglich 1300 bis 1600 kcal (n=149).

»Keine Intervention: Kontrollgruppe (n=100).

Erst kohlenhydratarmes Mittagessen, dann Frühstück

Langzeiteffekte

Studie mit Typ-2-Diabetikern: Eine Woche nur Protein-Shakes, dann langsam zunehmend kombiniert mit "low-carb"-Kost (gesteuert mit SMBG!).

Ergebnisse: nach 52 Wochen Therapie ausgewertet.

Stoffwechsel: HbA1c im Schnitt um 0,81 Prozentpunkte gesenkt.

Gewicht um 9 kg reduziert.

Blutdruck von 134/80 auf 128/77 mmHg gesenkt.

In beiden Interventionsgruppen wurde in den Wochen 2-4 ein kohlenhydratarmes Mittagessen eingeführt. In den Wochen 5-12 kam ein kohlenhydratarmes Frühstück hinzu.

Danach wurden Patienten beider Gruppen bis zur Woche 52 (Ende der Studie) angehalten, täglich eine Mahlzeit durch eine Formula-Diät zu ersetzen.

Ergebnis: Bis Woche 12 hatten sich bei allen Patienten der Interventionsgruppen die Werte von HbA1c, Nüchternblutzucker, Blutdruck und Körpergewicht im Vergleich zur Kontrollgruppe verringert. Signifikante Unterschiede zwischen beiden Interventions-Gruppen gab es nicht.

Anders nach 52 Wochen: Hier wurde nur in der S-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine statistisch signifikante HbA1c,-Reduktion erreicht, und zwar um 0,81 Prozentpunkte im Vergleich zu den Ausgangswerten (Kontrollgruppe: 0,1 Prozentpunkte).

Beachtlich waren in der S-Gruppe im Vergleich zu den Ausgangswerten auch die Gewichtsreduktion von im Schnitt 9 kg sowie die durchschnittliche Blutdrucksenkung von 134/80 auf 128/77 mmHg.

Zu beachten ist allerdings: Nur 72 Prozent der Patienten in den Interventionsgruppen hielten die einjährige Studie durch.

Fazit der Forscher: Der Ansatz zur Ernährungsumstellung unter Alltagsbedingungen führte zu relevanten Langzeitergebnissen, die mit Effekten der bariatrischen Chirurgie vergleichbar sind, aber ohne Komplikationen und unerwünschte Wirkungen.

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Kommentare
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Christoph Polanski

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Mit richtiger ketogener Ernährung und Bewegung (10.000 Schrite täglich) brauchen meine Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 nach 3 Monaten keine Medikamente mehr, auch wenn man sie mit Insulin behandelt wurden. Dabei bei fetten Bäuchen verliert man wöchentlich 1-1,5 kg am Gewicht. Auch Patienten mit Typ 1 Dibetes brauchen nach 1-2 Jahren kein Insulin mehr. Die restliche Insulinproduktion reicht völlig aus um BZ auf einem normalem Niveau zu halten.
Man würde dann keine Diabetologen und keine sinnlose diabetische Schulungen und Berechnungen der BE mehr brauchen. Alle müssten sich der Dokumentarfilm „The magic Pill“ auf Netflix anschauen.


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