Direkt zum Inhaltsbereich

Lungenbilder mit digitalem Stethoskop

HEIDELBERG (cin). Veränderungen der Lunge auf einem Monitor abbilden und das ganz ohne Strahlung oder teure Untersuchungsverfahren? "Mit einem digitalen Stethoskop können mittels der Vibrationsenergie der Lungen ein dynamisches Computerbild erstellt und Erkrankungen, etwa Lungenentzündungen, erkannt werden", erklärte Dr. Heinrich Becker im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Veröffentlicht:

Die neue Technik heißt Vibration Response Imaging (VRI). Grundlage ist eine neue Computertechnologie, die 2001 von dem Unternehmen Deep Breeze Medical Diagnostics LTD entwickelt wurde.

Die Anwendung des VRI ist einfach: Einem sitzenden Patienten werden viele kleine Mikrofone - ähnlich EKG-Elektroden - in sechs parallelen Reihen am Rücken über beiden Lungenflügeln angelegt. "Durch die Atmung und den Fluß der Luft durch die Lungen entstehen Vibrationen", so Becker von der Thoraxklinik in Heidelberg.

"Diese werden vom Lungengewebe und der Brustwand nach außen geleitet und von den Mikrofonen aufgenommen. Diese Informationen werden an die Software des VRI weitervermittelt und in ein Schwarz-Weiß-Bild umgewandelt."

Es entstehe ein dynamisches Bild beider Lungenflügel, bei dem die Inspiration und Exspiration des Patienten aufgezeichnet würden. "Je dunkler das Lungengewebe dargestellt wird, desto besser ist meist die Belüftung des jeweiligen Areals."

Das digitale Stethoskop hat die Größe eines Ultraschallgerätes und einen ähnlichen Preis. Es eignet sich zur Diagnostik etwa von Pneumonien und Stenosen und kann sogar bei bettlägrigen Patienten angewandt werden. Auch Therapieverläufe können damit überprüft werden.

In der Thoraxklinik Heidelberg sind seit April dieses Jahres etwa 50 Patienten in einer Studie mit dem VRI untersucht worden. Die meisten Teilnehmer hatten Atemwegsprobleme, verursacht etwa durch Sekretverstopfungen, Tumoren, Fremdkörper oder Op-Narben. Durch Untersuchungen mit dem VRI vor und nach der Therapie konnte bei den Patienten der Behandlungserfolg kontrolliert werden - und das ohne Röntgenstrahlen oder invasive Methoden.

"Im nächsten Schritt wollen wir das Gerät nun mit anderen Untersuchungsmethoden, etwa Lungenfunktion, CT, klinischer Untersuchung oder Szintigraphie, vergleichen", so Becker. "An der Uni Hannover wird derzeit geprüft, ob mit dem VRI nach Lungentransplantationen frühzeitig Abstoßungsreaktionen erkannt werden können." Kollegen in den USA würden das Gerät derzeit auf Intensivstationen testen, um eine optimale Beatmung der Patienten zu erreichen.

"Das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten des VRI ist groß", sagte der Internist. "Ob in der Arztpraxis oder der Klinik - Erwachsene und auch Kinder können von der nicht-invasiven, strahlungsfreien Untersuchung nur profitieren".

Lediglich bei Patienten, die etwa zu starke Körperbehaarung oder Hauterkrankungen wie schwere Psoriasis oder zu große anatomische Deformitäten des Brustkorbs haben, gestalte sich die Untersuchung schwierig. Es seien zudem keine Komplikationen bekannt.

Weitere Infos gibt es auf der Jahrestagung der European Respiratory Society (ERS) in München im Vortrag von Dr. Heinrich Becker am 3. September um 12.30 in Raum 2. Nach dem Vortrag werden für Kollegen VRI-Untersuchungen bei einem gesunden und lungenkranken Probanden vorgeführt. Zusätzliche Infos auch unter www.deepbreeze.com

Lesen Sie auch: Künstliche Lunge kommt ganz ohne Pumpe aus

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kongreßwissen für die Praxis

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Lithiumtherapie aktiviert WNT-Signalweg

Regeneration der COPD-Lunge: Was ist da möglich?

Mehrere Milliarden Dosen verimpft

Review bestätigt: mRNA-Impfungen sind sicher und wirksam

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Lesetipps
Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen

Schlange wartender Patienten am Praxisempfang

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Einschätzung von Kollegen

Wenn die Telefon-AU wegfällt: Was das für den Praxisalltag bedeutet