Studie widerlegt Vorurteil

Masern-Impfung erhöht Autismus-Risiko nicht

Impfgegner führen gern das Argument an, dass die Masern-Impfung angeblich Autismus begünstigt. US-Forscher haben dieses Vorurteil nun genau unter die Lupe genommen.

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Direkt nach dem ersten Geburtstag sollten Kinder gegen Masern geimpft werden.

Direkt nach dem ersten Geburtstag sollten Kinder gegen Masern geimpft werden.

© Dmitry Naumov / fotolia.com

FALLS CHURCH. Ist die MMR-Impfung für Kinder mit familiärer Autismus-Vorbelastung ein Risiko? Wird dadurch die Gefahr für die Krankheit erhöht? Auch im Zusammenhang mit der aktuellen Masern-Welle in Berlin sind Fragen wie diese immer wieder Thema.

Der Fall Wakefield

Der britische Arzt Dr. Andrew Wakefield hatte 1998 nach einer Studie mit zwölf Kindern die Hypothese aufgestellt, dass die MMR-Impfung zu Schäden im Darm und durch Eindringen neurotoxischer Substanzen zu Autismus führe. Dies ließ sich in anderen Studien nicht bestätigen.

Dann kam heraus, dass Wakefield von Anwälten Geld erhalten hatte, die Eltern von Kindern mit Autismus vertraten und nach Verbindungen zwischen Autismus und Impfung suchten, um Impfstoff-Hersteller zu verklagen. Er verlor 2010 wegen unethischen Verhaltens seine Zulassung.

Um diese Fragen zu klären, haben US-Forscher hierzu retrospektiv Daten von Kindern mit einer solchen familiären Belastung analysiert.

Dazu wurde ein landesweites Register der Versicherungsdaten von etwa 34 Millionen US-Bürgern ausgewertet: Analysiert wurden die Daten von 95.727 Kindern mit älteren Geschwistern, deren Werdegang man mindestens fünf Jahre überblicken konnte.

994 der Kinder erkrankten in dieser Zeit an einer Störung des Autismus-Spektrums (Autismus, tiefgreifende Entwicklungsstörung, Asperger Syndrom). Zudem hatten insgesamt 1929 Kinder der Gesamtgruppe ein älteres Geschwisterkind mit einer solchen Störung.

Von diesen Kindern entwickelten binnen fünf Jahren 134 eine Autismus-Erkrankung.

Um einen Zusammenhang zur MMR-Impfung zu überprüfen, wurde für alle Kinder der MMR-Impfstatus bestimmt: Von den Kindern ohne krankes Geschwister hatten im Alter von zwei Jahren 84 Prozent mindestens eine Dosis erhalten und im Alter von fünf Jahren 92 Prozent; bei den familiär vorbelasteten Kindern lagen die Raten mit 73 und 86 Prozent deutlich darunter (JAMA 2015; 313: 1534).

Wie waren nun die MMR-Impfungen mit dem Erkrankungsrisiko assoziiert? Bei familiär vorbelasteten Kindern mit MMR-Impfung war im Vergleich zu solchen Kindern ohne Impfung das Autismus-Risiko 24 Prozent geringer (relatives Risiko, RR 0,76).

Nach einer zweiten Impfdosis im Alter von fünf Jahren betrug das RR 0,56 bei den vorbelasteten Kindern. Für Kinder mit nicht-autistischen Geschwistern lagen die entsprechenden RR bei 0,91 (erste Impfdosis) und 1,12 (zweite Impfdosis).

Impfskepsis in belasteten Familien

Somit sei in dieser Analyse wie auch in anderen Studien eine MMR-Impfung zu keinem Zeitpunkt mit einem erhöhten Autismus-Risiko assoziiert gewesen, schreiben die Studienautoren um Dr. Anjali Jain von der Lewin Group, einer auf Healthcare spezialsierte Strategieberatung aus Falls Church im US-Staat Virginia. Dies gelte also auch für Kinder mit familiärer Veranlagung für Autismus.

Auffällig war jedoch, dass unter den Kindern mit familiärer Vorbelastung relativ viele nicht geimpft waren. Dies sei ein Anhaltspunkt dafür, dass viele Eltern autistischer Kinder einer MMR-Impfung argwöhnisch gegenüberstehen und diese als Ursache für die Entstehung der Entwicklungsstörung in Betracht ziehen könnten, so die Studienautoren. (vsc/eis)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Gerüchte haben lange Beine

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