UNICEF

Masern bedrohen immer mehr Kinder

Durch Masern-Impfungen wurden seit 2000 weltweit etwa 20 Millionen Todesfälle vermieden, schätzt UNICEF. Jetzt sind die Fortschritte bedroht.

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 04.03.2019, 05:53 Uhr
Masern bedrohen immer mehr Kinder

Kind mit Masern: Drei Viertel der Zuwächse gehen auf nur zehn Länder zurück.

© Jim Goodson / M.P.H.

NEW YORK. Masernausbrüche haben weltweit alarmierende Ausmaße angenommen, betont UNICEF in einer Mitteilung. Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen hat die Zahl der Erkrankungen 2018 in weltweit 98 Ländern zugenommen. 74 Prozent der Zuwächse gehen dabei auf große Ausbrüche in nur zehn Ländern zurück: Ukraine, Philippinen, Brasilien, Jemen, Venezuela, Serbien, Madagaskar, Sudan, Thailand und Frankreich.

„Das ist ein Weckruf. Wir haben sichere, wirksame und kostengünstige Impfstoffe, mit denen sich bisher jedes Jahr eine Million Todesfälle verhindern ließen“, so UNICEFDirektorin Henrietta H. Fore in der Mitteilung. Und: „Die aktuellen Erkrankungen kamen nicht über Nacht, weitere Untätigkeit würde für die Kinder in Zukunft verheerende Folgen haben“, betont Fore.

Drei Länder im Fokus

Besonders die Dynamik der Ausbrüche in drei Ländern beunruhigt UNICEF: So sind in der Ukraine, nach 35.120 Masernfällen 2018, in den ersten beiden Monaten 2019 schon wieder 24.042 Masernkranke gemeldet worden. In dem osteuropäischen Land wurden seit 2017 insgesamt 30 Todesfälle registriert.

Ähnlich ungebremst setzt sich die Masernwelle in den Philippinen fort: Nach 15.599 registrierten Fällen 2018 meldeten die Behörden dort seit Januar erneut 12.736 Masernkranke einschließlich 203 Todesfällen. In Brasilien wurden seit Februar 2018 insgesamt 10.274 Masernkranke inklusive zwölf Tote registriert. In den Jahren davor galt das Land wie auch alle anderen Länder in Amerika als masernfrei. Fast alle diese Erkrankungen hätten sich durch Impfungen vermeiden lassen.

Masern sind hochkontagiös, und zwar stärker als Ebola, Tuberkulose oder Influenza, betont UNICEF. Man könne sich damit noch in einem Raum anstecken, den ein Infizierter bereits zwei Stunden vorher verlassen hat. Die Erreger verbreiten sich über die Luft und befallen die Atemwege. Unterernährte Kinder oder Säuglinge, die noch nicht geimpft werden können, haben dabei das höchste Risiko für Komplikationen.

Spezifische Therapie: Fehlanzeige

Eine spezifische Therapie gibt es nicht, nur mit der Impfung lassen sich Todesfälle vermeiden. UNICEF hilft betroffenen Ländern daher jetzt bei der Prävention.

Die in Europa bis 2020 angestrebte Masern-Elimination mit Impfungen kommt auch in Deutschland nicht voran. Hierfür dürfte es bundesweit nur 80 Masernkranke pro Jahr geben. Die Messlatte wurde mit 120 Fällen bis Mitte Februar auch 2019 schon wieder gerissen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Masern werden unterschätzt

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