Direkt zum Inhaltsbereich

Impfwoche

Mehr Aufklärung ist wichtig, besonders zu Masern

Europaweit wird bei der Impfwoche über Chancen von Schutzimpfungen informiert. Viren machen nicht vor Landesgrenzen halt, wie die aktuelle Ausbreitung von Masern verdeutlicht.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Masern-Impfung: Besonders vielen jungen Erwachsenen fehlt der Schutz.

Masern-Impfung: Besonders vielen jungen Erwachsenen fehlt der Schutz.

© Matthias Ernert / Arztpraxis Dr. Peter Schmidt

BERLIN. In Deutschland gibt es in allen Altersstufen und Regionen große Impflücken. Aus Anlass der Europäischen Impfwoche wird ab dem 24. April verstärkt an Ärzte appelliert, die Impfbücher von Patienten zu kontrollieren und die empfohlenen Schutzimpfungen zu vervollständigen. Angesichts aktueller Ausbrüche steht dabei besonders auch die Masern-Impfung im Fokus.

Die Zahl der Masernfälle ist in den ersten Monaten des Jahres 2017 aufgrund von zum Teil ausgedehnten Ausbrüchen, zum Beispiel in Duisburg und Leipzig, erneut deutlich gestiegen, berichtet das Robert Koch-Institut (Epi Bull 2017; 16: 143). Bereits Ende März wurden mehr Fälle registriert als im gesamten Vorjahr (401 versus 325 Fälle). Aktuell werden unverändert Masernerkrankungen aus Nordrhein-Westfalen gemeldet, während in anderen Bundesländern die Zahlen wieder zurückgehen.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Das RKI sorgt sich dabei vor allem über den hohen Anteil erkrankter Kleinkinder: So gab es unter den 401 Fällen in diesem Jahr 94 Kinder in den ersten beiden Lebensjahren (23 Prozent), 53 weitere Betroffene (13 Prozent) waren zwei bis vier Jahre alt. Besonders bei Masern im ersten Lebensjahr steigt das Risiko für Komplikationen und Spätfolgen. Säuglinge unter einem Jahr lassen sich dabei nur durch Impfungen der Mütter vor der Schwangerschaft (bei Schwangeren ist der Lebendimpfstoff kontraindiziert!) und Impfungen von Personen in ihrer Umgebung (Kokonstrategie) schützen. Sollen Kinder früh in eine Kita aufgenommen werden, kann allerdings bereits in einem Alter ab neun Monaten das erste Mal mit MMR-Impfstoff geimpft werden.

Eltern von Säuglingen und ihre Kinderärzte sollten noch stärker auf einen zeitgerechten Masernschutz achten, betont das RKI. Bisher gibt es hier noch große Defizite. So waren nur 73,7 Prozent des Geburtsjahrgangs 2013 am Ende des zweiten Lebensjahres gemäß den STIKO-Empfehlungen zweimal gegen Masern geimpft. "Damit ist jedes Jahr bei rund 180.000 Zweijährigen in Deutschland ein ausreichender Schutz gegen Masern ungewiss, oder sie sind gar nicht geimpft, das ist ein unhaltbarer Zustand", wird RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler in einer Pressemitteilung zur Impfwoche zitiert.

Insgesamt hat es beim Masernschutz von Kindern in den vergangenen Jahren Fortschritte gegeben: So sind nach den Daten der Schuleingangsuntersuchung 92,8 Prozent der Abc-Schützen wie empfohlen zweimal gegen Masern geimpft (Epi Bull 2017; 16: 137). Sorgen bereiten aber die niedrigen Impfraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Jeder dritte Masernkranke war in diesem Jahr 20 Jahre oder älter. Die STIKO empfiehlt die Masern-Impfung allen nach 1970 geborenen Erwachsenen, die in der Kindheit nicht oder nur einmal geimpft wurden.

Erwachsene spielen inzwischen eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Masern. Masern-Ausbrüche nehmen dabei zunehmend auch von Kliniken und Arztpraxen ihren Ausgang. Das RKI appelliert daher, Impfpässe von medizinischem Personal zu prüfen und Impflücken zu schließen. Hierdurch wird das Risiko minimiert, dass anvertraute Patienten gefährdet werden. Die Masern-Impfung in medizinischen Einrichtungen ist in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (Arb-MedVV) verankert.

Infos zur Impfwoche

» Informationen des WHO- Regionalbüros Europa zur Impfwoche: www.euro.- who.int/de/media-centre > Veranstaltungen

» Interaktive Karte zur Masern-Impfung VacMap: www.vacmap.de

» Merkblatt "So gelingt's: Stress- und schmerzarmes Impfen": www.impfen-info.de/wissenswertes/stress-und-schmerzarmes-impfen

Mehr zum Thema

Orientierung für die Impfpraxis

Impfen bei Immundefizienz: Worauf es ankommt

Das könnte Sie auch interessieren
Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

© imran kadir photography | Getty Images

Impfskepsis in der Praxis

Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Porträt

Wie ein Hausarzt mit seinem„Medmobil“ Obdachlose versorgt

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Lesetipps
Echzeitdarstellung der Blutzuckermessung auf einem Smartphone

© Remigiusz Góra / stock.adobe.com

Kasuistik

Seltene Ursache rezidivierender Hypoglykämien