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Britische Studie bestätigt

Mehr Myokarditis nach SARS-CoV-2-Infektion als nach Impfung

Eine Studie bestätigt jetzt: Das Myokarditis-Risiko für Erwachsene ist nach einer SARS-CoV-2-Infektion deutlich höher als nach einer Impfung gegen COVID-19 – wobei die Ausprägung vom Alter und dem verwendeten Impfstoff abhängt.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht:
Bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 ist das Risiko für eine Myokarditis wesentlich höher als nach einer Impfung. Außerdem: Myokarditiden, die mit der Corona-Impfung in Verbindung gebracht wurden, verliefen meist milde und selbstlimitierend.

Bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 ist das Risiko für eine Myokarditis wesentlich höher als nach einer Impfung. Außerdem: Myokarditiden, die mit der Corona-Impfung in Verbindung gebracht wurden, verliefen meist milde und selbstlimitierend.

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

Oxford. Es ist keine ganz neue Erkenntnis, doch sind bestätigende Daten in diesen Zeiten wichtiger denn je: Anhand einer selbstkontrollierten Fallserie konnten Wissenschaftler aufzeigen, dass das Myokarditis-Risiko im Zuge einer SARS-CoV-2-Infektion für Erwachsene prinzipiell deutlich höher ist als nach einer COVID-19-Impfung (Nat Med 2021; online 14. Dezember). Die Risikorelation hängt dabei vom Alter der Personen und dem verwendeten Impfstoff ab.

Die Wissenschaftler von der Universität Oxford haben alle Daten von Personen in einem Alter von 16 Jahren oder älter, die zwischen dem 1. Dezember 2020 und 24. August 2021 in England gegen COVID-19 geimpft worden sind (über 38 Millionen Menschen), ausgewertet. Diese brachten sie mit den in dieser Zeit aufgetretenen Fällen von Myokarditiden, Perikarditiden und Herzrhythmusstörungen in Verbindung. Danach suchten sie in dieser Population alle SARS-CoV-2 positiv getesteten Personen heraus (vor und nach der Impfung) und evaluierten ebenfalls eine mögliche Assoziation zu allen drei Herzerkrankungen.

Risiko unterscheidet sich deutlich

Dabei stellten die Forscher fest, dass sowohl eine Impfung als auch ein positiver SARS-CoV-2-Test mit einem erhöhten Myokarditis-Risiko assoziiert waren. Die jeweilige Ausprägung unterschied sich allerdings deutlich. Das Risiko nach einer Impfung sei geringfügig gewesen, berichten die Autoren um Dr. Martina Patone. Dagegen sei eine SARS-CoV-2-Infektion mit einem erheblichen Risikoanstieg für eine Hospitalisierung oder Tod in Folge einer Myokarditis, Perikarditis und von Herzrhythmusstörungen assoziiert gewesen.

Die genauen Zahlen: Bei allen drei in England zugelassenen COVID-19-Impfstoffen war das Risiko, ein bis sieben Tage nach der ersten Dosis eine Myokarditis zu entwickeln, erhöht (Incidence Rate Ratios [IRR] bei ChAdOx1 von AstraZeneca 1,76, bei BNT162b2 von BioNTech/Pfizer 1,45 und bei mRNA-1273 von Moderna 8,38). Bei der zweiten Dosis zeigte sich lediglich ein Zusammenhang mit den beiden mRNA-Impfstoffen (IRR bei BNT162b2: 1,75; IRR bei mRNA-1273: 23,10). Am größten war das Risiko somit nach Gabe der zweiten Moderna-Dosis. Perikarditiden und Herzrhythmusstörungen wurden nach den Impfungen nicht gehäuft beobachtet, mit einer Ausnahme: 1 bis 28 Tage nach der zweiten Dosis des Moderna-Impfstoffes.

Eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus ging dagegen mit einer Risikoerhöhung für Myokarditiden, Perikarditiden und Rhythmusstörungen einher und das auch über einen längeren Zeitraum. So lag das relative Risiko für eine Myokarditis in der ersten Woche nach der Infektion bei 21,08, in der zweiten Woche bei 11,29 und auch noch in den kommenden beiden Wochen bei 5,36 und 3,08.

In absoluten Zahlen bedeutet dies: Bei 1 Millionen Impfungen kommt es schätzungsweise zu 1 bis 6 zusätzlichen Myokarditis-Fällen in den kommenden 28 Tagen. Bei der Zweitimpfung mit der mRNA-1273-Vakzine ist mit 10 weiteren Fällen pro 1 Millionen Impfungen zu rechnen. Im Gegensatz dazu kommt es im Falle einer Infektion zu 40 zusätzlichen Myokarditis-Fällen pro 1 Millionen infizierten Personen.

Myokarditis-Risiko nach Impfung nur bei Jüngeren

Die Relation der jeweiligen Risiken hängt jedoch vom Alter ab. So zeigt eine Subgruppenanalyse, dass das Myokarditis-Risiko nach der mRNA-Impfung nur bei unter 40-jährigen Personen erhöht ist, nicht aber bei älteren. Dementsprechend gleichen sich die Risiken bei den unter 40-Jährigen an – wenn man allein das Risiko für eine Myokarditis betrachtet! In dieser Altersgruppe ist mit 10 zusätzlichen Myokarditis-Fällen pro 1 Millionen infizierter Personen zu rechnen, demgegenüber stehen 15 Fälle pro 1 Million Zweitimpfungen mit der mRNA-1273-Vakzine (wenn man den Impfstoff mit dem höchsten Risiko heranzieht); im Falle von BNT162b2 sind es weniger als fünf zusätzliche Fälle.

Dabei gilt es, zu beachten: Es geht hier lediglich um den Vergleich der Risiken für eine Myokarditis. Andere Folgen der Infektion wurden nicht berücksichtigt, die Relation entspricht somit keiner vollständigen Nutzen/Risiko-Abwägung. „Das zu beobachtende Risiko, das sich auf eine 7-tägige Periode nach der Impfung beschränkt, ist klein, wohingegen das Lebenszeitrisiko einer Morbidität und Mortalität in Folge einer SARS-CoV-2-Infektion erheblich ist“, betonen die britischen Autoren. Darüber hinaus weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass Myokarditiden, die mit der Impfung in Verbindung gebracht wurden, in den meisten Fällen milde und selbstlimitierend verliefen.

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