Britische Studie

Mehr Psychosen bei frühen Schlafstörungen

Babys und Kleinkinder mit Schlafstörungen haben je nach Art der Störung ein hohes Risiko für eine psychiatrische Erkrankung im Teenageralter. Darauf deuten Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie.

Von Ingrid Kreutz Veröffentlicht: 01.07.2020, 15:22 Uhr
Mehr Psychosen bei frühen Schlafstörungen

Erhöht schlechter Schlaf im Kleinkindalter das Risiko für psychiatrische Krankheiten als Teenager? (Symbolbild mit Fotomodell)

© athomass / stock.adobe.com

Birmingham. Kinder, die ständig Albträume haben, leiden auch häufiger an Psychosen und Borderline-Persönlichkeitsstörungen – das weiß man aus früheren Studien. Ein Team um Dr. Isabel Morales-Munoz von der University of Birmingham’s School of Psychology in Großbritannien wollte nun genauer wissen, ob und wie Schlaf und Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zusammenhängen. Sie haben daher die Antworten von rund 14.000 Eltern analysiert, die Angaben über das Schlafverhalten ihrer Kinder in der frühen Kindheit gemacht hatten (JAMA Psychiatry 2020; online 1. Juli). Befragt worden waren die Eltern, als die Kinder 6, 18 und 30 Monate alt waren und dann noch einmal, als sie 3,5, 4,8 und 5,8 Jahre alt waren.

Studie mit 14.000 Teilnehmern

Dabei stellte sich heraus, dass kleine Kinder, die nachts regelmäßig aufwachten und unregelmäßig schliefen, später als Teenager häufiger Psychosen entwickelten. Und bei Kindern mit kurzen Schlafzeiten war die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie später eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD) entwickelten.

Ausgewertet wurden die Daten von 7155 Studienteilnehmern, die im Alter von 12 bis 13 Jahren Symptome einer Psychose entwickelt hatten und von 6333 Teilnehmern, die im Alter von 11 bis 12 Jahren über Symptome einer BPD klagten. Die Psychose-Erfahrungen wurden anhand des Psychosis-Like Symptom Interview und BPD-Symptome nach dem UK Childhood Interview for DSM-IV Borderline Personality Disorder beurteilt.

Assoziation mit Psychosen und BPD-Symptomen

Die Ergebnisse im Detail: Häufiges nächtliches Erwachen im Alter von 18 Monaten (odds ratio [OR] 1,13) sowie unregelmäßige Schlafgewohnheiten im Alter von 6 Monaten (OR 0,68), 30 Monaten (OR 0,64), und 5,8 Jahren (OR 0,32) waren signifikant assoziiert mit Psychose-Erfahrungen im Teenageralter.

Hingegen waren kürzere Schlafzeiten (OR 0,78) und spätes Zubettgehen im Alter von 3,5 Jahren (OR 1,32) signifikant mit BPD-Symptomen assoziiert. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Eine Depression im Alter von zehn Jahren stellte sich als Mediator heraus zwischen der Assoziation von häufigem nächtlichem Erwachen im Alter von 18 Monaten und unregelmäßigen Schlafgewohnheiten im Alter von 5,8 Monaten mit Psychosen.

Die Ergebnisse seien ein Hinweis drauf, dass Schlafstörungen Psychosen und BPD längere Zeit vorauseilen, schlussfolgern die Autoren. Schlafstörungen seien ein beeinflussbarer Risikofaktor, den man daher weiter im Auge behalten müsse.

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Kommentare
Dr.med. MD Ute Rabus

Liebe Autoren,
wäre es nicht denkbar, dass Kinder/Jugendliche mit Psychose aufgrund der genetischen Disposition im Säuglings-/Kleinkindalter zunächst häufig Schlafstörungen haben. Eine Therapie der Schlafstörung würde dann vorraussichtlich nichts am Psychoserisiko ändern. Der Titel wird aus meiner Sicht der noch unklaren Ursache-Folge Beziehung nicht gerecht.

Denis Nößler antwortete am

Liebe Frau Rabus!

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Der Titel gibt nur die Assoziation wieder, die die Autoren um Isabel Morales-Muñoz ermittelt haben. Ob es tatsächlich einen kausalen Zusammenhang gibt, ist unklar, schreiben auch die Autoren: "Third, although the study design cannot determine causality ...". Schlafstörungen in frühen Jahren scheinen nach dieser Arbeit allerdings ein möglicher Risikomarker (nicht Faktor!) zu sein.

Die Autoren betonen allerdings die unterschiedlichen Zusammenhänge mit BPD und Psychosen: "These findings suggest that the associations between childhood sleep and psychotic experiences as well as childhood sleep and BPD symptoms in adolescence follow different pathways. These results could contribute to the design of more personalized sleep and psychological interventions in psychosis and BPD."

Zur genetischen Disposition gibt dieser Beitrag leider keine Hinweise oder Vermutung. Die Autorengruppe deutet nur daraufhin, dass es eine "genetische Überschneidung" beim Borderline-Syndrom und bipolaren Störungen gibt.

Herzliche Grüße aus der Redaktion

Maria Maurer antwortete am

Das sehe ich genauso. Wäre schön, wenn Feedback von der Ärzte-Zeitung kommen würde.


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