Neue Studie

Milch macht wohl doch nicht so munter

Milch macht fit und stärkt die Knochen? Eine aktuelle Studie erhebt Zweifel an diesem Image. Demnach kann ein zu hoher Milchkonsum sogar schädlich sein.

Veröffentlicht: 06.11.2014, 05:03 Uhr
Milch macht wohl doch nicht so munter

Wie gesund ist Milch?

© Paul / Thinkstock

UPPSALA. Milch enthält 18 von 22 essenziellen Nährstoffen, wie Kalzium, Phosphor und Vitamin D, die für die Knochenbildung besonders wichtig sind. Zur Prävention von Osteoporose wird daher empfohlen, reichlich Milchprodukte zu konsumieren. Diese Leitlinienempfehlung wird durch eine epidemiologische Studie aus Schweden (BMJ 2014; 349: g6015) partiell infrage gestellt.

Mit steigendem Milchkonsum hatten Männer nicht weniger Frakturen, Frauen erlitten sogar häufiger Knochenbrüche. Zudem korrelierte bei beiden Geschlechtern auch noch die Mortalität mit der Milchmenge. Fermentierte Milchprodukte waren jedoch mit niedrigeren Fraktur- und Sterberaten assoziiert.

Die Studie beruht auf prospektiv erhobenen Daten von 61.433 Frauen im Alter von 39 bis 74 (Swedish Mammography Cohort) und 45.339 Männern von 45 bis 79 Jahren (Cohort of Swedish Men). Sie hatten ihre Ernährungsgewohnheiten in Fragebögen dokumentiert und waren über 22 bzw. 13 Jahre nachverfolgt worden.

Häufiger Knochenbrüche und höhere Sterblichkeitsrate

Bei Frauen zeigte sich eine positive Assoziation des Milchkonsums sowohl mit der Sterbe- als auch mit der Frakturrate: Mit jedem Glas Milch mehr pro Tag erhöhte sich die Mortalität insgesamt um 15 Prozent und die Mortalität durch kardiovaskuläre Ursachen bzw. Krebs um 15 bzw. 7 Prozent.

Bei Frauen, die täglich mindestens drei Gläser Milch leerten, lag die Sterblichkeit im Beobachtungszeitraum um 93 Prozent höher als bei Frauen, die es auf weniger als ein Glas am Tag brachten. Fakturen traten bei dem hohen Milchkonsum um 16 Prozent und Hüftfrakturen um 60 Prozent häufiger auf.

Bei Männern, die viel Milch tranken, war ebenfalls ein Anstieg der Sterblichkeit zu erkennen, allerdings in geringerem Maß als bei Frauen: Mit mindestens drei Gläsern Milch am Tag war die Mortalität um 10 Prozent höher als bei weniger als einem Glas. Frakturen generell und Hüftfrakturen im Speziellen wurden bei Männern durch den Milchkonsum nicht beeinflusst.

Im Gegensatz zu Milch waren Käse und andere fermentierte Milchprodukte mit einem reduzierten Mortalitäts- und Frakturrisiko assoziiert. Die Risikosenkung war allerdings bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.

Schuld ist wohl ein Molekül

Für den konträren Effekt von Milch und fermentierten Milchprodukten machen die Studienautoren um Karl Michaëlsson von der Universität in Uppsala das Molekül D-Galactose verantwortlich. Milch ist die Hauptquelle für diesen Zucker, die Konzentration in Joghurt und Käse ist erheblich geringer.

D-Galactose beschleunigt im Tierversuch die Seneszenz, dabei kommt es zu Schäden durch oxidativen Stress, chronischen Entzündungen, Neurodegeneration und einer Schwächung der Immunabwehr. Die D-Galactose-Hypothese wird durch weitere Befunde der schwedischen Studie gestützt: Der Konsum von Milch, nicht aber von fermentierten Milchprodukten, war positiv korreliert mit Markern für Entzündung (Serum-IL-6) und oxidativen Stress (8-Iso-PGFF-2 alpha).

Da es sich um eine epidemiologische Studie handelt, lässt sich nicht belegen, dass der Milchkonsum tatsächlich die Ursache für den Anstieg von Mortalität und Frakturen ist. Sogar eine reverse Kausalität kann nicht ausgeschlossen werden - dass Menschen viel Milch trinken, weil bei ihnen ein erhöhtes Osteoporoserisiko erkannt wurde.

Allerdings würde das der Beobachtung widersprechen, dass der Verzehr von fermentierten Milchprodukten mit einer geringeren Frakturrate einherging. Die Autoren raten dennoch zur Vorsicht bei der Interpretation ihrer Studienresultate. Bevor Ernährungsempfehlungen geändert würden, müssten die Ergebnisse erst in einer unabhängigen Studie repliziert werden. (bs)

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