Mit Rosiglitazon schreitet Diabetes langsamer fort

HAMBURG (hbr). Eine orale Monotherapie hilft Typ-2-Diabetikern meist nur vorübergehend: Irgendwann muss die Medikation erweitert werden. Mit dem Insulinsensitizer Rosiglitazon ist dieses Risiko des Monotherapie-Versagens signifikant und auch klinisch bedeutend niedriger als bei anderen oralen Antidiabetika.

Veröffentlicht:

Den Daten der ADOPT*-Studie zufolge verzögert Rosiglitazon die Diabetesprogression. An der internationalen Untersuchung beteiligten sich 4360 Typ-2-Diabetiker ohne vorherige medikamentöse Diabetesbehandlung. Die Patienten waren übergewichtig und im Mittel 56 bis 58 Jahre alt. Jeweils ein Drittel wurde mit Rosiglitazon, Metformin oder dem Sulfonylharnstoff Glibenclamid behandelt, wie Professor Stephan Matthaei vom Christlichen Krankenhaus Quakenbrück berichtet hat.

Bis zu 8 mg Rosiglitazon (Avandia®), 2000 mg Metformin oder 15 mg des Sulfonylharnstoffs pro Tag waren erlaubt. Die Zeit bis zum Versagen der Monotherapie war der primäre Endpunkt der Studie. Dabei galt ein mehrfaches Ansteigen des Nüchtern-Blutzuckers über 180 mg/dl als Versagen.

Diesen Punkt erreichten in fünf Jahren ein Drittel der mit Glibenclamid behandelten Patienten und ein Fünftel der Teilnehmer mit Metformin-Therapie - aber nur jeder siebte Proband, der Rosiglitazon einnahm. Dem entspricht das Tempo des HbA1c-Anstiegs: mit dem Glitazon jährlich 0,07, mit Metformin 0,14 und mit Glibenclamid 0,24 Prozent. Insgesamt war das Risiko, dass ein einzelner Wirkstoff nicht mehr genügt, mit dem Glitazon um 32 Prozent niedriger als mit dem Biguanid. Im Vergleich zu Glibenclamid betrug der Vorteil sogar 63 Prozent.

Zudem sieht es so aus, als ob das Glitazon den Verlust der Betazell-Funktion bei Typ-2-Diabetikern verlangsamen kann. Er betrage bei Typ-2-Diabetikern jährlich etwa vier Prozent, so Matthaei bei einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline zum Diabetes-Kongress in Hamburg. Die in der ADOPT-Studie verwendeten Medikamente hatten in dieser Hinsicht ein sehr unterschiedliches Potenzial. So betrug der Funktionsverlust bei einer Sulfonylharnstoff-Therapie pro Jahr 6,1 Prozent, mit Metformin 3,1 Prozent. Mit Rosiglitazon beschränkte sich im Gegensatz dazu die Abnahme auf zwei Prozent. Damit würde das Präparat an beiden Grundproblemen des Typ-2-Diabetes ansetzen: an der Insulinresistenz und dem Funktionsverlust der Betazellen.

*ADOPT: A Diabetes Outcome Progression Trial

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Substitution differenziert betrachten

Testosteron als kardiometabolisches Therapie-Konzept: Wann es wirklich hilft

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ärztliche Pflichttätigkeiten

Zehn Praxis-Tipps für die Leichenschau

Voraussetzungen für neue Kassenleistung

Lungenkrebs-Screening: Wie gut sind Praxen vorbereitet?

Schulterblick

Wie eine Wiesbadener Hausärztin ihre Praxis digitalisiert

Lesetipps
Formular 21 - wie es richtig ausgefüllt wird, war in den vergangenen Jahren nicht allen Ärzten klar.

© Fernando Gutierrez-Juarez / dpa / picture alliance

Bescheinigung eines erkrankten Kindes

Kinderkrankenschein: So wird Formular 21 richtig ausgefüllt

Ein Arzt lädt Daten in die E-Patientenakte hoch

© Daniel Karmann/dpa/picture alliance

Elektronische Patientenakte im Versorgungsalltag

Bei diesen ePA-Baustellen müssen Praxen auf Behelfslösungen setzen