Typ-2-Diabetes

Mit zwei großen Mahlzeiten besser abnehmen

Typ-2-Diabetiker profitieren möglicherweise von zwei großen Mahlzeiten pro Tag mehr als von sechs kleinen über den Tag verteilt. Wer nur frühstückt und das Mittagessen bis spätestens 16 Uhr zu sich nimmt, senkt den Fettgehalt der Leber und das Gewicht stärker.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Viele Zwischenmahlzeiten werden Diabetikern häufig empfohlen: Neue Studienwecken Zweifel an der Strategie.

Viele Zwischenmahlzeiten werden Diabetikern häufig empfohlen: Neue Studienwecken Zweifel an der Strategie.

© Tomaz Levstek / iStock / Thinkstock

PRAG. Diabetologen zufolge nehmen die meisten Diabetiker bis zu sechs kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich. Dadurch hoffen sie, den Hunger stillen zu können und so auch weniger zuzunehmen.

Andererseits ist aus Tierversuchen bekannt, dass durch weniger Mahlzeiten pro Tag chronischen Erkrankungen vorgebeugt und die Lebenszeit verlängert werden kann.

In einer kleinen Studie untersuchten nun Diabetologen um Dr. Hana Kahleova vom Diabetes Centre, Institute for Clinical and Experimental Medicine in Prag bei Typ-2-Diabetikern den Effekt beider Essgewohnheiten auf das Körpergewicht, den Fettgehalt der Leber, die Insulinresistenz und die Funktion der Betazellen (Diabetologia 2014; online Mai).

Insgesamt 54 Patienten im Alter zwischen 30 und 70 Jahren nahmen an der Studie teil. Nur von 40 Patienten konnten Daten zum Fettgehalt der Leber erhoben werden.

Studie mit Übergewichtigen

Die mit oralen Antidiabetika behandelten Patienten hatten einen BMI von 27 bis 50, der HbA1c lag zwischen 6 und 11,8 Prozent. Jeweils 27 Studienteilnehmer erhielten eine an den jeweiligen Grundumsatz angepasste und um etwa 2100 Kilojoule (500 kcal) pro Tag reduzierte Kost. Die Diabetologen orientierten sich an den Leitlinien der European Association for the Study of Diabetes von 2004.

Verteilt wurden die Tagesrationen zunächst auf sechs kleinere oder zwei größere Portionen. Die zwei großen Portionen sollten morgens zwischen 6 und 10 Uhr sowie mittags zwischen 12 und 16 Uhr eingenommen werden.

In der Gruppe mit sechs Portionen erhielten die Patienten ein Frühstück, ein Mittag- und ein Abendessen und drei kleine Snacks zwischendurch. Nach zwölf Wochen wurde auf die jeweils andere Mahlzeitenfrequenz umgestellt. Alle Messungen wurden nach einem Fasten von zehn bis zwölf Stunden über Nacht vorgenommen.

Die Energielieferanten bestanden pro Mahlzeit zu 50 bis 55 Prozent aus Kohlenhydraten, zu 20 bis 25 Prozent aus Proteinen und weniger als 30 Prozent aus Fett. Der Anteil gesättigter Fettsäuren lag unter 7 Prozent. Pro Tag wurde weniger als 200 mg Cholesterin aufgenommen.

Weniger Körpergewicht und Leberfettanteil

Alle Studienteilnehmer wurden über die richtige Auswahl und Zubereitung der Nahrungsmittel informiert. Die Hälfte von ihnen musste das Essen selbst vorbereiten, der anderen Hälfte wurde dies abgenommen.

Durch beide Varianten wurden bei den Teilnehmern sowohl das Körpergewicht als auch der Leberfettanteil verringert, allerdings signifikant mehr bei der Variante mit nur zwei großen Mahlzeiten. Diese Patienten hatten nach Studienende im Schnitt 3,7 kg abgenommen, Patienten der Vergleichsgruppe mit sechs Mahlzeiten dagegen 2,3 kg.

Auch der Leberfettanteil, gemessen mithilfe eines 3-Tesla-Protonen-Magnetresonanztomografen, sank, egal, ob zwei große oder sechs kleine Mahlzeiten pro Tag eingenommen wurden.

Aber auch bei diesem Studienparameter schnitt die Variante mit den zwei Mahlzeiten besser ab. Denn der Fettanteil war nach Studienende um 0,04 Prozent reduziert, in der Vergleichsgruppe dagegen um 0,03 Prozent.

Bei beiden Varianten sank die Nüchternblutglukose signifikant, das Glukagon im Nüchternblut dagegen nur bei dem Ernährungsmodus mit zwei großen Mahlzeiten.

Bei Verteilung auf sechs Mahlzeiten pro Tag stieg dagegen der Spiegel dieses Hormons. Die Höhe der Insulinsekretion und Betazellfunktion waren bei jeder Variante gleich.

Lange Zeit ohne Nahrungsaufnahme

Eine von mehreren möglichen Erklärungen für den Effekt auf Körpergewicht und Leberfettanteil könnte nach Ansicht der Diabetologen sein, dass bei nur zwei Mahlzeiten pro Tag die Zeit ohne Nahrungsaufnahme (bis zum nächsten Frühstück) deutlich länger ist als bei sechs kleineren Mahlzeiten. Möglicherweise ist dieser Effekt größer als der durch die Zusammensetzung der Mahlzeiten.

Die kurze Studie kann nur ein Anfang bei der Klärung sein, welche Mahlzeitenfrequenz die beste für Diabetiker ist.

Denn die Diabetologen aus Prag gestehen ein, dass es sich in der Studie gewissermaßen um Laborbedingungen handelte, bei denen es unbeabsichtigt zu einer reduzierten Energieaufnahme bei der Variante mit zwei Mahlzeiten pro Tag gekommen sein könnte.

Schließlich seien die Teilnehmer noch nicht lange an Typ-2-Diabetes erkrankt gewesen. Deshalb seien größere und längere Studien erforderlich, bevor entsprechende Empfehlungen zu Frequenz und Umfang von Mahlzeiten pro Tag gegeben werden könnten.

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