Sarkoidose

Molekül sagt Verlauf voraus

Forscher machen eine wichtige Entdeckung für Prognose und Therapie von Sarkoidose.

Veröffentlicht: 12.10.2015, 13:41 Uhr

BRAUNSCHWEIG. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) haben ein Molekül identifiziert, das darüber Auskunft gibt, ob eine Sarkoidose chronisch oder akut (Löfgren-Syndrom) verläuft (Clin Exp Immunol 2015; online 28. September).

Darüber hinaus besitze das Molekül auch therapeutisches Potenzial, teilt das HZI mit.

Die Sarkoidose kann ja in zwei Formen auftreten. Die chronische Sarkoidose ist mit etwa 95 Prozent die häufigere. Rund die Hälfte aller Fälle bleibt symptomfrei. Die akute Sarkoidose, das sogenannte Löfgren-Syndrom, tritt sehr plötzlich auf und macht sich unter anderem durch Hautveränderungen und Lymphknotenschwellungen bemerkbar.

Was eine Sarkoidose verursacht, ist bisher unbekannt. "Wir wissen aber seit mehreren Jahren, dass Patienten eine reduzierte Anzahl regulatorischer T-Zellen und eine vergleichsweise hohe Anzahl aktivierter T-Helferzellen in der Lunge aufweisen", wird Professor Dunja Bruder, Leiterin der Arbeitsgruppe "Immunregulation" am HZI in einer Mitteilung des HZI zitiert.

"Auf diese Erkenntnis haben wir uns bei der Suche nach einem prognostischen Marker gestützt."

Molekül ICOS in Blickfeld gerückt

Gemeinsam mit Forschern vom Karolinska Institut in Stockholm analysierten Bruder und ihr Team die Ausprägung des eng mit der T-Zellfunktion in Verbindung stehenden Moleküls ICOS bei Sarkoidose-Patienten. ICOS verstärkt die Wirkung von regulatorischen T-Zellen.

Die Forscher konnten zeigen, dass die Anzahl von ICOS-Molekülen auf den regulatorischen T-Zellen besonders bei Patienten mit Löfgren-Syndrom in der erkrankten Lunge stark erhöht war.

Im Blut der Patienten hingegen war das Level identisch mit dem von gesunden Menschen, heißt es in der Mitteilung.

Eine besonders hohe Konzentration von ICOS auf regulatorischen T-Zellen deute also zum einen auf einen akuten Sarkoidose-Verlauf hin und könnte darüber hinaus sogar im ursächlichen Zusammenhang damit stehen, dass sich die Krankheitszeichen bei Patienten mit Löfgren-Syndrom auch ohne Behandlung wieder zurückbilden.

"Wir haben damit erstmals einen diagnostischen Marker für Sarkoidose gefunden", so Bruder.

In einer früheren Studie mit Influenza-Viren haben die Forscher zudem gezeigt, dass ICOS von außen gezielt aktiviert und so der Verlauf der Infektion abgemildert werden kann.

Durch gezielte therapeutische Manipulation könnten T-Zellen, die das Molekül tragen, neue Funktionen erlangen und eine völlig neue Wirkung auf seine Umgebung entfalten.

Dadurch werde ICOS auch für therapeutische Zwecke interessant. Dank gezielter Aktivierung des Moleküls könnte sich die Wirkung regulatorischer T-Zellen beeinflussen lassen und damit auch der Verlauf der Sarkoidose-Erkrankung. (eb)

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