Müsli und Vollkorn: Darmkrebs-Risiko wegessen

Drei Mahlzeiten mit Vollkornprodukten pro Tag, und schon lässt sich das Darmkrebsrisiko um knapp ein Fünftel reduzieren. Auch Hülsenfrüchte scheinen vor Kolorektalkarzinomen zu schützen, anderes Gemüse und Obst dagegen weniger.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Gesunde Ernährung lohnt sich. Günstig scheinen drei Mahlzeiten mit etwa 90 g Vollkorn pro Tag.

Gesunde Ernährung lohnt sich. Günstig scheinen drei Mahlzeiten mit etwa 90 g Vollkorn pro Tag.

© emmi / fotolia.com

LONDON. Ob eine ballaststoffreiche Nahrung vor Darmkrebs schützt, darüber wird schon seit einigen Jahren heftig diskutiert.

Einzelne Studien ergaben eine Senkung des Darmkrebsrisikos von bis zu 40 Prozent bei hohem Ballaststoffanteil, es gab aber auch Meta-Analysen, die auf keine signifikanten Effekte kamen.

Ein Team um Dr. Dagfinn Aune aus London hat nun erneut die vorhandene Literatur nach Studien zu Darmkrebs und Ballaststoffen durchkämmt und ist dabei auf 25 prospektive Untersuchungen gestoßen, an denen insgesamt über 1,8 Millionen Menschen teilnahmen, die über einen Zeitraum von 3,5 bis 17 Jahren auf Darmkrebs inspiziert wurden (BMJ 2011;343:d6617, Epub 10.11. 2011).

Drei Mahlzeiten am Tag

Über alle Studien gemittelt ergab sich ein nicht allzu großer, aber zumindest signifikanter Nutzen für einen hohen Ballaststoffanteil in der Nahrung.

Mit am wirksamsten zur Darmkrebsprävention schien dabei eine Diät mit mindestens drei Mahlzeiten zu sein, die etwa 90g Vollkorn pro Tag enthielten.

Bei Menschen mit einer solchen Diät war die Darmkrebsrate im Schnitt 17 Prozent geringer als bei solchen, die weitgehend auf Vollkornprodukte verzichteten.

Diese Reduktion betraf in gleichem Maße Kolon- und Rektalkarzinome, so die Analyse von insgesamt sieben Studien.

Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten

In vier Studien war der Einfluss von Ballaststoffen aus Hülsenfrüchten untersucht worden. Bei Teilnehmern, die viel davon aßen, war die Rate von Kolorektalkarzinomen um 11 Prozent niedriger als bei solchen, die keine Hülsenfrüchte mochten.

Schließlich wurde auch in jeweils neun Studien geschaut, welchen Einfluss Ballaststoffe aus sonstigem Gemüse und Obst haben. Hierbei gab es jedoch kaum Unterschiede bei der Darmkrebsrate zwischen Gruppen mit hohem und niedrigem Konsum.

Aus diesen Daten versuchten die Autoren der Meta-Analyse eine Dosis-Wirkungsbeziehung zu berechnen, und zwar, um wie viel Prozent eine Dosis von 10g pro Tag der jeweiligen Ballaststoffe das Darmkrebsrisiko reduziert.

10 Gramm für 10 Prozent weniger?

Unter der Annahme, dass tatsächlich eine kausale Beziehung besteht, können demnach jeweils 10g Ballaststoffe jeglicher Art das Risiko um 10 Prozent senken.

Stammen diese Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten, würden sie nach den Berechnungen pro 10g das Risiko sogar um 38 Prozent senken, Ballaststoffe aus Müsli um 10 Prozent, aus Obst um 7 Prozent und aus sonstigem Gemüse um nur 2 Prozent.

Zum Vergleich: Im Schnitt isst jeder Deutsche etwa 23g Ballaststoffe pro Tag. Eine Scheibe Vollkornbrot enthält etwa 4g, eine Banane 3g und eine Möhre 3g. Für 30g Ballaststoffe muss man etwa 200 g Vollkornbrot oder 100 Gramm Obst und Gemüse essen.

Allerdings ist auch diese Analyse mit Vorsicht zu genießen. In den geprüften Studien wurde die Ernährung oft nur zu Beginn und nicht kontinuierlich erfasst, die meisten Zahlen beruhen zudem auf subjektiven Angaben der Teilnehmer in Fragebögen, sodass weiterhin diskutiert werden kann, wie viel Ballaststoffe zur Darmkrebsprävention beitragen.

Mehr zum Thema

Beratung für sozial Benachteiligte

Gesundheitskiosk: Ein Büdchen für die Gesundheit

Das könnte Sie auch interessieren
Probeentnahme für einen Corona-Test: In den USA sind im ersten Jahr der Coronaimpfung knapp 14 Prozent der komplett geimpften Krebskranken an COVID erkrankt, aber nur 5 Prozent der geimpften Patienten ohne Krebs. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pekic / Getty Images / iStock

Viele Durchbruchsinfektionen

COVID-19 bleibt auch für geimpfte Krebspatienten gefährlich

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

Anzeige | LEO Pharma GmbH
VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

© LEO Pharma GmbH

Publikation

VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die EMA hat eine Empfehlung für einen effizienteren Einsatz des Affenpocken-Impfstoffs Imvanex veröffentlicht. Wird das Präparat nicht subkutan gespritzt, sondern in die Haut, reicht demnach ein Fünftel der herkömmlichen Dosis.

© Sven Hoppe / dpa

Imvanex®

EMA empfiehlt Weg für effizientere Nutzung von Affenpocken-Impfstoff

Noch herrscht im Regierungsviertel zwar Ruhe, untätig sind die Politiker deshalb aber nicht.

© undrey / stock.adobe.com

Die Wochenkolumne aus Berlin

Die Glaskuppel: Die Politik döst nicht

Die monoklonalen Antikörper Tixagevimab und Cilgavimab (Evusheld™) werden zur SARS-CoV-2-Prä-Expositionsprophylaxe bei bestimmten Personengruppen empfohlen.

© LUONG THAI LINH / EPA / picture alliance

SARS-CoV-2-PrEP und Corona-Impfung

STIKO erweitert Evusheld™- und Nuvaxovid-Empfehlung