Antibiotikaeinsatz

Multiresistente Erreger auch in der Ambulanz ein Problem

Antibiotikaresistenzen sind längst nicht mehr nur ein Problem der Kliniken. Sie sind auch im ambulanten Bereich angekommen. Besonders hoch ist das Risiko für eine MRE-Infektion bei Reisenden in Länder mit einer hohen MRE-Kolonisationsrate.

Von Beate Fessler Veröffentlicht: 04.04.2018, 05:02 Uhr
Multiresistente Erreger auch in der Ambulanz ein Problem

Multiresistente Enterobakterien: Resistenzen bereiten zunehmend auch im ambulanten Bereich Probleme.

© IMMIH, Köln / Hamprecht

DRESDEN. Etwa drei Viertel der niedergelassenen Ärzte haben bereits Erfahrung mit multiresistenten Erregern (MRE).

Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Befragung von 6333 Ärzten durch das MRE-Netz Rhein-Main, die der Berliner Pneumologe Dr. Andrés de Roux beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin präsentierte.

85 Prozent der Teilnehmer halten Resistenzen gegen Antibiotika für relevant. 62 Prozent sind der Auffassung, dass ihr eigenes Verordnungsverhalten Einfluss auf die Resistenzsituation in der Region hat. Und etwa drei Viertel haben bereits Erfahrung mit Therapieversagen wegen Antibiotika gemacht.

Umfrage-Ergebnisse in Kürze

85 Prozent der teilnehmenden niedergelassenen Ärzte halten Resistenzen gegen Antibiotika für relevant.

62 Prozent sind der Auffassung, dass ihr eigenes Verordnungsverhalten Einfluss auf die Resistenzsituation in der Region hat.

Etwa drei Viertel haben bereits Erfahrung mit Therapieversagen wegen Antibiotika gemacht.

Die aktuellsten Daten zur Antibiotikaresistenz in Europa, publiziert im November 2017 vom EARS-Net (European Antimicrobial Resistance Surveillance Network), zeigen eine erhebliche Variabilität der Resistenzraten innerhalb Europas mit einem Süd-Nord-Gefälle.

Insgesamt hat MRSA (Methicillin-resistenter S. aureus) abgenommen, dagegen sind eine deutliche Zunahme von VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) zu beobachten sowie erste Nachweise von Colistin-Resistenzen. Noch selten, aber zunehmend sind Carbapenem-Resistenzen bei E. coli und Klebsiellen.

De Roux kritisierte den starken Anstieg bei der Verordnung von Reserveantibiotika und verwies insbesondere auf Cefuroximaxetil. "Cefuroximaxetil hat den stärksten Anstieg als Einzelsubstanz im 10-Jahres-Zeitraum zu verzeichnen, obwohl die Substanz in keiner deutschen Behandlungsleitlinie Mittel der Wahl ist", betonte er.

Trendwende im ambulanten Bereich

Generell sei aber eine Trendwende im Antibiotikaverbrauch im ambulanten Bereich zu verzeichnen. Eine aktuelle Auswertung von Versichertenzahlen der kaufmännischen Krankenkasse sieht einen Rückgang der Verordnungen seit 2008 um 17 Prozent.

Besonderes Augenmerk auf MRE sollte bei Touristen sowie bei Patienten gelegt werden, die Kontakt zu ausländischen Medizinsystemen haben, etwa in Indien, China, Griechenland oder Saudi Arabien. Immerhin sind in Indien 75 Prozent der Menschen Träger von ESBL (Extended-Spectrum Beta-Lactamasen). "Und die Bakterien reisen mit."

Studien in Schweden und in Deutschland deuten darauf hin, dass ESBL nicht selten durch Reisen erworben wird. So zeigte eine prospektive Kohortenstudie in Deutschland bei Reisenden in 53 verschiedene Länder einen Anteil an ESBL-Trägern vor der Reise von 6,8 Prozent (14/205), nach der Reise von 40 Prozent (63/191).

Besonders hoch war das Risiko bei Aufenthalten in Indien und Süd-Ost-Asien. Eine Gastroenteritis im Reiseland erhöhte die Wahrscheinlichkeit. Die Persistenz nach sechs Monaten lag bei 8,6 Prozent. In der schwedischen Studie lag die Zahl der ESBL-Träger bei 2,4 Prozent vor und 30 Prozent nach der Reise.

Quelle: www.springermedizin.de

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