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Depressionen

Mythos Krebsrisiko?

Kann die Psyche das Immunsystem beeinflussen und damit das Krebsrisiko erhöhen? Solche Fragen treiben die Wissenschaft seit langem um - und ebenso lang wird darüber gestritten. Jetzt haben französische Forscher erste Antworten gefunden.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Der alte Streit: In welchem Ausmaß kann die Psyche körperliche Vorgänge beeinflussen?

Der alte Streit: In welchem Ausmaß kann die Psyche körperliche Vorgänge beeinflussen?

© yanlev/fotolia.com

PARIS. Ein möglicher Zusammenhang zwischen Depression und Krebs wird bis heute kontrovers diskutiert. Eine französische Studie untersuchte nun klinische Daten sowie Berichte von Patienten zu deren körperlicher und geistiger Gesundheit über 15 Jahre zu mehreren Zeitpunkten.

In der prospektiven Studie ließen sich keinerlei Assoziationen zwischen depressiven Symptomen und der Entwicklung eines Malignoms erkennen (Am J Epidemiol 2013, online 30. September).

Cédric Lemogne und Kollegen vom Hôpital européen Georges-Pompidou in Paris nutzten die Daten von 14.203 Probanden der GAZEL (Gaz et Electricité)-Kohorte aus den Jahren zwischen 1994 und 2009.

Analysiert wurden das Auftreten einer primären Krebserkrankung, Krankschreibungen über mehr als sieben Tage wegen einer Depression sowie die depressive Symptomatik der Probanden, die mit einem Fragebogen (Center for Epidemiologic Studies Depression Scale, CES-D) in den Jahren 1993, 1996 und 1999 erfasst wurde.

Maligne Tumore in sechs Gruppen

Während des durchschnittlichen Follow-up von 15,2 Jahren erkrankten 1119 Probanden (7,9 Prozent) primär an Krebs, im Mittel 9,2 Jahre nach Beginn der Studie. Ausgeschlossen waren Nicht-Melanom-Hautkrebserkrankungen sowie In-situ-Neubildungen.

Insgesamt wurden die malignen Tumoren in sechs Gruppen eingeteilt: Prostata-, Mamma-, Kolorektalkarzinom, raucherassoziierte Tumoren, Malignome des lymphatischen und hämatopoetischen Systems und sonstige Krebserkrankungen.

Zu den häufigsten malignen Neubildungen zählten: 412 Fälle von Prostatakrebs, 138 von Brustkrebs, 125 von kolorektalem Karzinom und 128 Krebserkrankungen, die in Zusammenhang mit dem Rauchen standen.

Drei Prozent der Männer und 12,5 Prozent der Frauen waren zwischen Januar 1989 und Dezember 1993 länger als sieben Tage wegen einer Depression krankgemeldet, im Schnitt insgesamt 3,4 Wochen. Mit dem CES-D-Fragebogen waren im Jahr 1993 depressive Symptome bei 12.245 Probanden abgefragt worden.

22,8 Prozent der Männer und 25,1 Prozent der Frauen lagen dabei oberhalb der geschlechtsspezifisch festgelegten Grenze für eine Depression (Männer = 16; Frauen = 23 Score-Punkte).

Kein Zusammenhang feststellbar

Von den 13.789 Probanden, die am 1. Januar 2000 ohne Krebserkrankung am Leben waren, hatten 11.877 an mindestens zwei Zeitpunkten den CES-D mit Fragen zu einer möglichen Depressionssymptomatik beantwortet.

9,6 Prozent der Männer und 11,2 Prozent der Frauen zeigten demnach Hinweise auf eine chronische oder rezidivierende Depression. Bis Ende 2009 erkrankten insgesamt 6,6 Prozent der Probanden dieser Subgruppe an einem primären malignen Tumor.

In den adjustierten Analysen ergab sich nach Berücksichtigung zahlreicher Kovarianten (z. B. Alter, BMI) kein Zusammenhang zwischen Depression und Krebs, gleich welcher Art - weder im Hinblick auf die depressionsbedingte Arbeitsunfähigkeit noch auf die depressive Symptomatik.

Dies gilt sowohl für die einmalige Erhebung mittels CES-D als auch für Patienten mit chronischer / rezidivierender Symptomatik. Auch wenn der Cut-off beim CES-D für Männer und Frauen auf = 20 bzw. = 26 angesetzt wurde, ergaben sich ähnliche Resultate.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der tiefe Blick lohnt sich

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