Nach Kontakt zu Meningokokken-Kranken ist Prophylaxe nötig

DRESDEN (scho). Meningokokken-Meningitis ist eine schwere Erkrankung mit hochakutem Verlauf. Für Menschen, die engen Kontakt mit Patienten haben, ist eine Antibiotika-Prophylaxe wichtig. Zudem war fast jeder dritte Patient in Deutschland im vergangenen Jahr mit Typ C infiziert, gegen den es wirksame Impfstoffe gibt.

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Das Tückische an einer Meningokokken-Erkrankung ist meist der unspezifische Beginn mit Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber und Grippe-ähnlichen Symptomen. Darauf wies Professor Volker Schuster von der Universitäts-Kinderklinik in Leipzig hin. Der Zustand eines Patienten könne sich jedoch binnen weniger Stunden dramatisch verschlechtern.

Nach seinen Angaben sterben zehn Prozent der Erkrankten. Bei weiteren 20 Prozent kommt es zu schweren Komplikationen mit teilweise lebenslanger Behinderung wie Schwerhörigkeit, epileptischen Anfällen, Zerebralparese oder Verlust von Gliedmaßen nach Gangrän.

Meningokokken werden via Tröpfcheninfektion von Keimträgern übertragen. Daher ist eine Chemoprophylaxe für Menschen wichtig, die engen Kontakt mit Erkrankten haben, so Schuster bei einer Veranstaltung von Baxter Bioscience in Dresden.

Für die Prophylaxe wird Rifampicin empfohlen (pro Tag 2 mg / kg Körpergewicht, maximal 600 mg; in zwei Dosen; für zwei Tage). Alternativ stehen Ceftriaxon (einmal 125 mg für Kinder unter zwölf Jahre, einmal 250 mg für Kinder über zwölf Jahre); oder Ciprofloxacin (einmal 500 mg für Erwachsene über 18 Jahre) zur Verfügung.

Treten regional gehäuft Meningokokken-C-Infektionen auf, kann von den Behörden zudem eine Impfempfehlung ausgesprochen werden. Das geschah im April 2004 in einigen Gemeinden im Oberallgäu, als dort fünf Menschen an Meningokokken-C-Meningitis erkrankt waren. Allen bis zum 20. Lebensjahr in der Region wurde damals zur Impfung geraten, 60 Prozent ließen sich schützen. Die angebotenen Konjugat-Impfstoffe (etwa NeisVac-CTM) sind hochwirksam und gut verträglich.

Vorreiter beim Meningokokken-C-Schutz ist Sachsen. Dort wird seit Juli 2003 allen Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr die Impfung empfohlen. Fast vier Prozent der Kinder und Jugendlichen sind dort bereits geimpft. Die Ständige Impfkommision (STIKO) diskutiert zudem über eine bundesweite Impfempfehlung für alle Kinder.

Einen Überblick über bakterielle Infektionen gibt Professor Helmut Hahn vom Institut für Infektionsmedizin der Uni Benjamin Franklin in Berlin im Springer Lexikon Medizin, Springer-Verlag Heidelberg.

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