Umfrage in britischen Kliniken

Nasentamponade bei schwerer Epistaxis wirksam, aber schmerzhaft

Bei schwerem Nasenbluten helfen Tamponaden, aber nur, wenn sie auch ausreichend lange in der Nase bleiben. Wie eine britische Studie zeigt, ist diese Maßnahme jedoch schmerzhaft und offenbar auch bei Notfallpatienten nicht alternativlos.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht: 29.06.2020, 12:45 Uhr
Nasentamponade bei schwerer Epistaxis wirksam, aber schmerzhaft

Epistaxis: In britischen Notaufnahmen wurde primär auf eine Tamponade zurückgegriffen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Welche Faktoren beeinflussen den Erfolg von Nasentamponaden bei Notfallpatienten mit Epistaxis?
  • Antwort: Eine längere Tragedauer (> 21 Stunden) war mit einer deutlich höheren Erfolgsquote assoziiert. Weder Bluthochdruck noch die Einnahme gerinnungshemmender Substanzen noch HNO-ärztliche Fachkunde schienen den Erfolg einer Nasentamponade zu beeinflussen.
  • Bedeutung: Da die Prozedur in den meisten Fällen mit starken Schmerzen verbunden ist, sollten alternative Maßnahmen erwogen werden.
  • Einschränkung: Umfrage mit Notfallpatienten; etwa die Hälfte der Patienten erhielt nach Entfernen der Tamponade eine zusätzliche Kauterisation.
London. Wer mit starkem Nasenbluten eine Notaufnahme aufsucht, bekommt aller Wahrscheinlichkeit nach erst einmal eine Nasentamponade, zumindest in Großbritannien. Die Frage ist allerdings, wie effizient diese Maßnahme die Blutung stoppt, welche Faktoren den Erfolg beeinflussen und nicht zuletzt auch, wie die Patienten die Prozedur empfinden. Dies versuchten britische HNO-Ärzte in einer Umfrage an 113 Kliniken zu klären (Clin Otolaryngol. 2020; online 19. April).

An der Studie waren 969 Patienten im Alter von mindestens 16 Jahren beteiligt, die man nach Erstversorgung wegen Epistaxis in der Notaufnahme an die jeweilige HNO-Abteilung überstellt hatte. Insgesamt hatten 73 Prozent eine Nasentamponade erhalten. Diese war laut John C. Hardman vom Royal Marsden NHS Foundation Trust, London, in drei Viertel der Fälle bereits in der Notaufnahme eingesetzt worden.

Kauterisation in jedem zweiten Fall

Zur erfolgreichen Blutstillung kam es bei knapp 88 Prozent der mit Tamponade versorgten Patienten. Allerdings hatten die Autoren es auch als Erfolg gewertet, wenn nach Entfernen des Tampons noch eine Kauterisation vorgenommen wurde. Eine solche kam immerhin in jedem zweiten Fall ergänzend zum Einsatz. Ein Therapieversagen lag definitionsgemäß vor, wenn nach Entfernen der ersten eine zweite Tamponade eingesetzt werden musste oder wenn eine Op oder Embolisation zur Blutstillung durchgeführt wurde.

Wurde die Tamponade mindestens 21 Stunden in der Nase belassen, erhöhte das die Chance auf ein Sistieren der Blutung nach Entfernen um mehr als das Doppelte gegenüber einer kürzeren Verweildauer. Dagegen war es unerheblich, welches Produkt man benutzt hatte und durch wen (Notaufnahme oder HNO-Abteilung) der Tampon eingesetzt wurde.

Überraschenderweise war das Risiko für ein Versagen der Maßnahme bei Einnahme gerinnungsaktiver Substanzen nicht erhöht (wenngleich diese das Epistaxisrisiko bekanntermaßen steigern), ebenso wenig bei Patienten mit Bluthochdruck. Auch Laborparameter wie der INR-Wert oder die Thrombozytenzahl ließen zumindest in dieser Studie keine Assoziation mit Erfolgsraten erkennen.

KHK als Risikofaktor?

Das Team um den HNO-Spezialisten Hardman fand dagegen Hinweise auf einen möglichen anderen Risikofaktor: die koronare Herzkrankheit. Bei entsprechender Anamnese war die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Blutung nach Entfernen der Tamponade nicht stoppen ließ, um das Doppelte erhöht. Hier sind nach Angabe der Autoren jedoch weitere Studien erforderlich, um eine eventuelle Kausalität zu belegen.

In der Studie von Hardman und seinen Kollegen lag das Durchschnittsalter der Patienten bei 70 Jahren. Der Tampon wurde median 26 Stunden lang in der Nase behalten.

Wie unangenehm die Prozedur von den Betroffenen empfunden wurde, zeigt eine weitere Erhebung, die die Autoren mit 20 Epistaxispatienten während der Behandlung durchgeführt hatten. Diese bewerteten die Schmerzen beim Einsetzen der Nasentamponade mit 8,5 von maximal zehn Punkten. Während des Tragens wurde im Mittel ein Wert von fünf Punkten angegeben. Gefragt, ob sie eine längere oder kürzere Verweildauer bevorzugen würden, entschieden sich 70 Prozent der bereits tamponierten Patienten für das Tragen über 24 Stunden, trotz der Unannehmlichkeiten. Sie wollten, so das Autorenteam, offenbar sichergehen, dass sie die Prozedur des Einsetzens nicht noch einmal erdulden mussten.

Alternativ: Lokal blutstillende Substanzen?

Die britischen HNO-Ärzte weisen darauf hin, dass es für Notfallpatienten mit Nasenbluten durchaus Alternativen zu dem hier untersuchten Verfahren gibt. So könne vor allem bei Blutungen im vorderen Nasenbereich durchaus auch gleich kauterisiert werden.

Der Kauter kam in der Studie bei 195 Patienten als primäres Blutstillungsverfahren zum Einsatz. Weitere 37 Patienten erhielten lokal blutstillende Substanzen. Hardman und Kollegen sehen hierin eine Alternative, die von den Patienten möglicherweise besser akzeptiert würde. Allerdings fehlen derzeit noch Studien zur Wirksamkeit im Routineeinsatz.

Leitlinien zum Management der Epistaxis gibt es für den deutschen Raum bislang nicht. Es wird empfohlen, auf bestehende Behandlungsalgorithmen zurückzugreifen. Die Tamponade ist demnach nur dann angezeigt, wenn die Blutungsquelle in der (HNO-ärztlichen) Rhinoskopie nicht sichtbar ist oder andere Maßnahmen wie die Elektrokoagulation erfolglos waren.

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