Versorgung von Demenzpatienten

Nationaler Depressionsplan gefordert

Vor allem in der ambulanten Versorgung von Patienten mit Depressionen gibt es noch viele Defizite.

Veröffentlicht:

BERLIN. Der Arbeitskreis Depression und Versorgung moniert Mängel bei Diagnose und Therapie von Depressionen und fordert einen "Nationalen Depressionsplan". Ziel ist die Schaffung einer integrierten Versorgung mit Verzahnung von stationären und ambulanten Strukturen.

"Wir brauchen eine Versorgung aus einer Hand", sagte Dr. Rainer Hess, Mitglied des siebenköpfigen Arbeitskreises und ehemaliger Vorsitzender des GBA, auf dem Kongress Psychische Gesundheit 2030 in Berlin, bei dem die "Ärzte Zeitung" Medienpartner war. "Es muss eine permanente Betreuung möglich sein.

" Laut Hess ist gerade der ambulante Bereich von Unter-, Fehl- und Mangelversorgung geprägt. Der Arbeitskreis fordert nach zweijähriger Beratungszeit ein Netzwerk, das die verschiedenen Angebote integriert. Insbesondere die Rehabilitation bleibe oft außen vor.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Zu erfolgreichen Modellprojekten im Rahmen von Verträgen zur integrierten Versorgung in den Regionen sagte Hess, das Ziel müsse der Ausbau in der Fläche sein. Nach seiner Ansicht haben entsprechende Projekte gute Aussichten auf eine Förderung durch den Innovationsfonds.

"Um die Voraussetzung der Förderfähigkeit zu prüfen, brauchen wir allerdings eine externe Evaluierung", so Hess. Derzeit gebe es meist nur eine interne Evaluierung durch die Kassen. Der Jurist sagte, auch telematische Angebote etwa zur telefonischen Patientenberatung hätten gute Aussicht auf Förderung. Der Fonds verfügt über Mittel in Höhe von 300 Millionen Euro im Jahr und soll innovative Versorgungskonzepte fördern.

Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren deutlich zu. Hess sprach von der "Volkskrankheit Depression". Statistisch gesehen erkrankt jeder fünfte Deutsche einmal in seinem Leben an einer Depression, Frauen haben ein mehr als doppelt so hohes Erkrankungsrisiko wie Männer, heißt es in dem Empfehlungspapier des Arbeitskreises.

Grundsätzliches Problem ist die schlechte Datenbasis

Derzeit gebe es über sechs Millionen Betroffene im Land, laut Hess wird aber nur jeder Zehnte leitliniengerecht behandelt.

Aber die Probleme beginnen offenbar bereits bei der Diagnose. Im Fokus stehen dabei die Hausärzte, die laut Hess die Anlaufstelle für einen Großteil der Betroffenen sind. Nach seinen Angaben fehlen diesen aber oft die Kenntnisse, um eine spezifische Diagnose zu stellen, die Voraussetzung für eine nach Schweregrad differenzierende Behandlung sei. Der Arbeitskreis fordert deshalb Fortbildungen für Hausärzte.

Hess bemerkte, ein grundsätzliches Problem bei der Optimierung der Versorgung liege in der schlechten Datenbasis. So seien lediglich Fallzahlen bekannt, nicht aber die Anzahl der Patienten.

Auch die Kosten pro Patient kenne man aufgrund der mangelhaften Berichterstattung durch Krankenhäuser, Krankenkassen und KVen nicht, kritisierte er. Die beim Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) angesiedelte Datenbank sei deshalb wenig brauchbar. (tau)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Systematisches Review mit Metaanalyse

Psychische Probleme wohl mit akutem Koronarsyndrom assoziiert

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Ergänzung zu Antibiotika?

Mit intravaginaler Ascorbinsäure gegen bakterielle Vaginose

Lesetipps
Eine Krankenschwester misst die Temperatur einer älteren Frau mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer.

© amnaj - stock.adobe.com

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft